Ascoli Piceno – die Travertin-Kunststadt der Marken

Mitten in der atemberaubend schönen Natur der südlichen Marken, umgeben von gleich drei Bergen und zwei Flussläufen, erhebt sich ein versteckter monumentaler Schatz. Ascoli Piceno, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, zählt vergleichsweise übersichtliche 47.000 Einwohner. Und doch zählt sie zu den bekanntesten Kunststädten Italiens. Das liegt vor allem an der eindrucksvollen Architektur, dem mittelalterlichen Charme und dem mächtigen Travertin, der mit seinen warmen Farben der Altstadt ihr unverwechselbares Erscheinungsbild verpasst. Was dich genau erwartet, möchtest du wissen? Na, dann wollen wir mal!

 

Italiker oder Spechte?

Ausnahmsweise verlieren wir keine großen Worte über die Geschichte, denn zu Ascoli Piceno gibt es in dieser Hinsicht verhältnismäßig wenig zu sagen. Sie war wohl einst die Hauptstadt der Picener, ein eisenzeitlicher Volksstamm. Der Name kommt entweder von ihnen oder von einem Spechtritual der Sabiner (Specht heißt auf Italienisch so viel wie „picchio“). Später wurde die gesamte Region von den Römern erobert, dann stritten sich unter anderem die Ostgoten, Langobarden und Franken darum. Im instabilen Mittelalter konnten Galeotto I. Malatesta und Francesco I. Sforza brutale Diktaturen errichten, bevor Ascoli Piceno 1482 in päpstliche Oberhoheit geriet und dort bis zur Gründung des Königreichs von Italien bleiben sollte.

 

Piazza del Popolo und Piazza Arringo

©Bigstock.com/trotalo

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Auf geschichtlicher Ebene können wir vielleicht herzlich wenig berichten, doch hat Ascoli Piceno als Kunststadt dafür erst recht einiges zu bieten. Mitverantwortlich dafür ist der reichhaltig eingesetzte Travertin, ein heller Kalkstein aus Süßwasserquellen, der sich wie ein roter – gut, eher wie ein blasser Faden durch die Altstadt zieht. Auf den beiden Hauptplätzen Piazza del Popolo und Piazza Arringo spielt sich das Leben der Stadt ab. Und dort gibt es für dich einiges zu sehen, darunter:

  • Dom Sant‘Emidio: Obwohl vom ursprünglich romanischen Bau kaum etwas übergeblieben ist – wir empfehlen dir einen Blick in die Krypta – bleibt die Kathedrale Ascoli Picenos die wohl wichtigste Kirche der Stadt. Umfangreiche Travertin-Arbeiten ergeben gemeinsam mit den barocken Umbauten ein harmonisches Gesamtbild. Das Polyptychon-Altarbild auf der rechten Seite des Altars solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen.
  • San Francesco: Diese gewaltige gotische Hallenkirche entstand zwischen 1258 und 1371. San Francesco wird von der gewaltigen Markthalle und einem Renaissance-Kreuzgang, wo auch heute noch vormittags ein Markt stattfindet, flankiert. Zur Piazza del Popolo hin entdeckst du einen großen Nebeneingang, der von einem Monument für Papst Julius II. begleitet wird.
  • Palazzo dell‘Arengo: Die Piazza Arringo wird auch Piazza dell’Arengo genannt, und dieser Palast zählt zu seinen wichtigsten Gebäuden. Aus der Fusion zweier älterer Paläste entstanden, schindet die Travertin-Fassade mit ihren fünf Portiken ordentlich Eindruck. Dahinter verbirgt sich unter anderem die Kunstgalerie Pinacoteca Civica.
  • Baptisterium: Während der Dom St. Emygdius, dem Schutzpatron der Stadt, gewidmet ist, wird das Baptisterium dem Heiligen Johannes zugeschrieben. Dieses Ideal der Romanik Ascolis gilt als italienisches Nationaldenkmal. Obwohl die Travertin-Fassade auf den ersten Blick schlicht wirkt, wirst du bei genauerem Hinsehen gewiss das eine oder andere spannende Detail entdecken.
  • Diözesanmuseum: Zum Palastkomplex auf der Piazza Arringo gehört auch dieses gewaltige Museum, das sich der Wahrung des künstlerischen Vermögens der Diözese verschrieben hat. Zu den Schwerpunkten zählt ein Bereich über die Florentiner Kunst im 16. Jahrhundert sowie zu den verschiedenen Kunstschulen und -strömungen der Stadt vom 13. Jahrhundert bis heute.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten in Ascoli Piceno

Neben den weit über die Marken hinaus bekannten Travertin-Meisterwerken beheimatet Ascoli Piceno noch das eine oder andere Glanzlicht, das einen zweiten oder sogar einen dritten Blick lohnt. Wie wäre es beispielsweise mit:

  • Ponte di Cecco: Das römische Erbe Ascoli Picenos ist vor allem etwas weiter außerhalb der Stadt zu sehen. Die Bogenbrücke Ponte di Cecco wurde bereits um 25 v. Chr. unter Kaiser Augustus erbaut und gehörte zu einer Versorgungsstraße zwischen Rom und der Adriaküste. Der Legende nach erbaute der Teufel die Brücke in nur einer Nacht.
  • Ponte Romano di Solestà: Eine zweite Bogenbrücke, ebenfalls auf die Regentschaft Augustus‘ zurückzuführen, überspannt den Fluss Tronto und führt in das Stadtviertel San Giacomo. Von der alten Stadtmauer ist inzwischen jedoch herzlich wenig zu sehen.
  • San Pietro Martire: Die Kirche des Dominikanerordens verläuft sich ein wenig durch ihre Lage auf einem kleinen Platz an einer Kreuzung. Während die Fassade von San Pietro Martire entsprechend unauffällig anmutet, solltest du deine Augen unbedingt auf die prächtige, leuchtende Apsis richten. Die Marmorstatuen am Hauptaltar sowie die Fresken an den Seitenwänden sind ebenfalls echte Hingucker.
  • San Vittore: Romanik trifft Gotik für eine sympathische kleine Kirche aus Travertin-Marmorblöcken. Die Fensterrosette ist klar gotisch, der Glockenturm eigenwillig quadratisch und wohl einst Heimat des Baptisteriums, bevor ein Blitzeinschlag den alten Turm zerlegte. Verschiedene anonyme Fresken, teils mittlerweile ins Diözesanmuseum transferiert, kleiden San Vittore aus.

 

Die Quintana

©Bigstock.com/DinoPh

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Zum Abschluss haben wir noch einen kleinen Veranstaltungstipp für dich. Der erste Sonntag im August ist der wichtigste Feiertag Ascoli Picenos. Eine große Parade zu Ehren des Schutzpatrons Emygdius mit ca. 1.500 Teilnehmern in Renaissance-Kostümen schlängelt sich durch die Stadt. Danach wird ein großes Reitturnier abgehalten, die Quintana. Hier treten sechs Ritter, die jeweils einen der sechs Stadtteile repräsentieren, auf einem Parcours gegeneinander an. Mit Lanze und Schild versuchen sie das Bildnis eines Sarazenenkriegers zu treffen. Beim abendlichen Stadtfest wird schließlich groß aufgetischt. Natürlich darf die Spezialität Olive all’Ascolana, frittierte und mit Fleisch gefüllte Riesenoliven, nicht fehlen.

 

Ascoli Piceno ist wohl das, was man gemeinhin als „klein, aber oho“ bezeichnet. Als Kunststadt glänzt sie durch ihr einzigartiges Travertin-Flair, das der gesamten Altstadt einen edlen und historischen Charme verleiht. Zwischen römischem Erbe, gewaltigen romanischen und gotischen Kirchen sowie einem wahrlich rauschenden Fest erwartet dich ein verborgener Schatz im Süden der Marken, von der traumhaften Natur rundherum mit ihren unzähligen Wanderwegen ganz zu schweigen. Ascoli Piceno ist definitiv eine Reise wert!

Kunststadt Gradara mit weltberühmter Festung

Gradara vollführt ein einzigartiges Kunststück. Die Gemeinde in der Provinz Pesaro und Urbino im Norden der Marken ist gleichzeitig eine malerische Kunststadt ungebrochener Faszination und eines der schönsten Dörfer Italiens. Gradara konnte sich über weite Strecken seinen ursprünglichen, mittelalterlichen Look bewahren, was selbstverständlich an der mehr als dominanten Festungsanlage liegt. Sie zählt zu den berühmtesten Burgen des Landes, was nicht zuletzt mit der prominenten Erwähnung in Dantes Göttlicher Komödie zu tun hat. Beim Rundgang durch diese Ortschaft wird Geschichte greifbar gemacht, begleitet von einzigartigen Aussichten auf weite Hügellandschaften und Küstenregionen. Gradara ist eine Kunststadt von außerordentlicher Schönheit, kompakt und doch so sehenswert.

 

Die Festung als Geschichtsträger

Obwohl die Region rund um Gradara bereits in der Antike als wichtiger Verkehrsknotenpunkt galt, begann ihre eigentliche Geschichte erst im Mittelalter. Um 1150 ließ die mächtige Familie De Grifo einen großen Turm auf 142 m Seehöhe erbauen. Nachdem man die Gunst des Papstes verloren hatte, eroberte Malatesta da Verucchio den Giganten und machte ihn zum Bergfried der Festungsanlage. 1445 verkaufte Galeazzo Malatesta den Ort an Francesco Sforza, doch weigerte sich Sigismondo Pandolfo Malatesta, der „Wolf von Rimini“, Gradara zu übergeben. Das Geld gab es auch nicht zurück. Wie gemein. Eine anschließende Belagerung Sforzas scheiterte.

 

In der Zwischenzeit war der Ort Gradara längst zwischen den ersten beiden Mauerringen verankert und weiter ausgebaut worden. Als Sigismondo Malatesta vom Papst exkommuniziert wurde, ging auch die Festung verloren. Federico da Montefeltro nahm sie im Namen der Kirche ein und gab sie an die Sforzas, die nun endlich ihr Ziel erreicht hatten. Fortan war Gradara heiß umkämpft und hatte mehrere Herren, darunter die Della Rovere, die Borgias und die Medici. Unter der Herrschaft des Kirchenstaats verfiel die Rocca, bis sie 1920 zur Restauration an die Zanvettori-Familie ging. Ihr sowie dem italienischen Staat, der die Geschicke später übernahm, ist der Erhalt der ursprünglichen Schönheit und der langsame Wachstum der Kunststadt Gradara zu verdanken.

 

Festung und Festungsmauern

©Bigstock.com/marcociannarel

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Achtung, hier kommt eine gewaltige Überraschung: Wir werfen sofort einen Blick auf die Festung. Ja, total unerwartet! Wie du gesehen hast, ist Gradaras Geschichte untrennbar mit jener seiner Festung verwoben. Dante Alighieri machte die Kunststadt einst unsterblich und erwähnte sie in seiner „Göttlichen Komödie“. Die Festung ist der Schauplatz der unglücklichen Liebe von Francesca und Paolo Malatesta, die von Francescas Ehemann Granciotto hier tatsächlich an einem Septembertag im Jahr 1289 entdeckt und getötet wurden. Dantes überaus emotionaler fünfter Gesang zu dieser Geschichte zählt zu den berühmtesten Passagen seines Magnum Opus.

 

Du wolltest diese einzigartige historische Kulisse immer schon mal selbst unter die Lupe nehmen oder einen Spaziergang auf den uralten Festungsmauern wagen? Genau das ist in Gradara möglich. Für einen geringen Eintrittspreis kannst du die verschiedenen Räumlichkeiten genau inspizieren. Wir empfehlen dir eine geführte Tour mit zahlreichen historischen Einblicken hinter die faszinierende Kulisse dieser eindrucksvollen Anlage. Der Panoramarundgang über die Befestigungsanlage legt atemberaubende Ausblicke auf die sanften Hügel der Marken sowie bis weit an die Küste der Romagna offen.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten

Einmal Festung und zurück? Das klingt natürlich ganz nett, wird der sympathischen Kunststadt Gradara aber nicht annähernd gerecht. Viele kleine Straßen und verträumte Gassen führen auf kleine Plätze, zu diversen Kirchen und sogar dem einen oder anderen versteckten Schmuckstück. Die folgenden drei Sehenswürdigkeiten solltest du auf keinen Fall verpassen:

  • Museo storico: Gradaras überaus faszinierende Geschichte kannst du nicht nur in der Festung bewundern. Das in Privatbesitz befindliche historische Museum widmet sich verschiedenen historischen Dokumenten und Exponaten aus längst vergangenen Tagen, die das Leben in Gradara und Umgebung im Lauf der Jahrhunderte zeigen. Verschiedene Rüstungen, Foltergeräte, nachgebaute Waffen und Gegenstände aus dem bäuerlichen Alltag begleiten deinen Besuch. Am Ende der Besichtigung wartet ein Besuch der Tuffsteinhöhlen unter der Festung.
  • Lufttheater: Mehr als 70 Raubvögel herrschen über Gradara. Im Lufttheater (Teatro dell’Aria) sind sie die Stars der Manege. Bei den Flugshows vollbringen sie atemberaubende Manöver auf Kommando – ein packendes Erlebnis mit auf vielfache Weise einzigartigem Ausblick.
  • Cimitero di Guerra: In unmittelbarer Nähe zur Autobahn erstreckt sich der Friedhof der Alliierten Kräfte über mehrere Terrassen. Hier fanden über tausend Commonwealth-Soldaten der britischen Eight Army sowie ein belgischer Soldat ihre letzte Ruhe. Ein Spaziergang durch diese wunderschön gepflegte Anlage demonstriert eindrucksvoll, wie wichtig Frieden ist. Oder wäre.

 

Was du sonst noch über Gradara wissen solltest

In der Kunststadt Gradara wird gerne – und ausgelassen – gefeiert. Mehrere Veranstaltungen widmen sich dem reichen historischen Erbe der Ortschaft in den Marken, zelebrieren die Einzigartigkeit der Festung und widmen sich dem einen oder anderen kulinarischen Highlight. Wir haben drei Favoriten für dich herausgesucht:

  • Il Medioevo a Tavola: Gradaras vielfältige mittelalterliche Geschichte wird das ganze Jahr hindurch auf unterschiedlichste Arten zelebriert und ist selbstverständlich an allen Ecken und Enden der Stadt greifbar. Bei diesem Festival wird das Mittelalter dem Namen entsprechend an den Tisch geholt. Örtliche Restaurants verwandeln sich in Tavernen aus dem 14. Jahrhundert und traditionelle Gerichte, darunter die beliebten Tagliolini con la Bomba, stehen ganz oben auf der Speisekarte.
  • Assedio al Castello: Francesco Sforzas Festungsbelagerung ist sogar eine eigene Veranstaltung gewidmet. Am letzten Juliwochenende wird sie historisch nachgestellt mit Schauspielern, Pferden und Trickeffekten. Die besondere mittelalterliche Atmosphäre erstreckt sich selbstverständlich bis in den Ort hinein.
  • The Magic Castle: Ein ehemaliges keltisches Fest verwandelte sich in den vergangenen Jahren in einen Hotspot für Magie und Emotionen. Das Magic Castle widmet sich an mehreren Abenden packenden magischen Darbietungen, Tanztheater und artistischen Highlights mit Künstlern aus aller Welt und zieht inzwischen Jahr für Jahr zehntausende Besucher an.

 

Natürlich ist Gradara alles andere als deine typische Kunststadt und konzentriert sich vor allem auf eine der eindrucksvollsten Festungsanlagen Italiens. Dahinter verbergen sich jedoch einige historische Schätze, rauschende Feste und feine ländliche Küche, begleitet von traumhaften Aussichten. Entdecke diesen versteckten Diamanten in den Marken, eines der schönsten Dörfer Italiens und zugleich eine besondere Kunststadt von unschätzbarem Wert.

Kunststadt Livorno – Idealstadt vieler Festungen

Die Kunststädte der Toskana sind weithin für ihren Reichtum, ihre beeindruckende Fülle an Sehenswürdigkeiten und geheimen Schätzen sowie ihre wechselhafte, aufregende Geschichte voller Aufs und Abs bekannt. Livorno bricht ein wenig mit der vermeintlichen Norm. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz diente lange Jahrhunderte als Vorort und Verteidigungsanlage, blühte erst spät als Freihafen und Handelszentrum auf, nur um zerstört und unter großen Mühen zumindest zu weiten Teilen wiederaufgebaut zu werden. Heute lädt die Kunststadt Livorno zu ausgedehnten Stadttouren mit zahlreichen Geheimorten, mit weit offenen Plätzen und einem Hauch von Venedig ein – sehr ungewöhnlich, sehr attraktiv. Und definitiv das perfekte Ziel für deinen nächsten Städteurlaub.

 

Die Idealstadt und ihr Freihafen

Durch seine ideale Küstenlage zog die Gegend rund um Livorno schon früh Siedler an, wie Funde aus der Jungsteinzeit belegen. In der Nähe des heutigen Hafens ließen sich die Römer während des Baus der Via Aurelia nieder und benannten die Siedlung wohl nach dem römischen Kriegsschifftyp Liburne. Erst im Jahr 1017 wurde Livorno (als Livorna) erstmals urkundlich erwähnt. Das kleine Küstendorf ging später an die Seerepublik Pisa, diente als wichtiger Fischerort und Verteidigungsposten, und baute seine maritime Rolle aus, als der Pisaner Hafen zunehmend versandete. Mehrfach während Schlachten zerstört, gelangte Livorno über Umwege 1421 an Florenz.

 

Während der Herrschaft der Medici blühte die Stadt auf. Livorno galt als wichtiger Zugangspunkt zum Meer und entfuhr entsprechende Ausbauten des Hafens, später folgten Festungsanlagen. Erst ab 1571 wurde der Ort als „ideale Stadt“ von den Großherzögen Cosimo I. und Francesco I. angelegt. Rechtwinkelige Straßen durchziehen heute noch die Altstadt. Nach dem Erlass der Leggi Livornine, die unter anderem Händlern jeglicher Herkunft unter anderem Glaubensfreiheit und verschiedene Privilegien zusicherten, entwickelte sich Livorno zur multikulturellen und multireligiösen Stadt. Die Erklärung zum Freihafen 1657 führte zu einer Blütezeit, die bis zur Eingliederung ins Königreich Italien andauern sollte. Im Zweiten Weltkrieg durch Bombardements schwer beschädigt und bis heute nicht vollständig aufgebaut, entwickelte sich das modern wiedererrichtete Livorno zur Fremdenverkehrsstadt. Der Hafen zählt nach wie vor zu den wichtigsten des Landes.

 

Venezia Nuova und die Verteidigungsanlagen

©Bigstock.com/Madrabothair

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Angesichts der massiven Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verlor Livorno einiges seiner ursprünglichen Bausubstanz. Die alte Stadtanlage der Medici lässt sich allerdings weiterhin prima erkennen. Sie umfasst mehrere große militärische Verteidigungssysteme sowie ein komplettes Stadtviertel, das den Gedanken einer fünfeckigen Idealstadt nach Plänen von Bernardo Buontalenti (das sogenannte „Pentagono del Buontalenti“) gekonnt weiterentwickelte und auf eine neue Ebene hievte. Hier einige – sorry – Eckpunkte:

  • Venezia Nuova: 1629 ergriff Großherzog Ferdinando II. de‘ Medici die Gelegenheit, die Stadt gen Norden zu erweitern, beim Schopf. Venezia Nuova wurde geschaffen, um dem Hafengebiet und dem florierenden Handel mehr Platz einzuräumen. Wie der Name vermuten lässt, ließ man sich beim Bau des neuen Rione von Venedig inspirieren und legte ein Netzwerk an Häusern und Kanälen zum Warentransport an, wofür eigens Fachkräfte aus Venezien importiert wurden. Die engen Straßen, zahlreichen Brücken und vielen Kanäle blieben erhalten.
  • Fortezza Vecchia: Venezia Nuova sollte an die alten Verteidigungsanlagen der Stadt angebunden werden, und die älteste von ihnen ist Fortezza Vecchia. Rund um einen gewaltigen Turm aus dem Jahr 1077 errichtet, ließen die Pisaner hier zunächst eine ausladende Festung erbauen, später von den Medici erweitert und um einen Palast erweitert. Die umfangreich restaurierte Anlage dient mittlerweile vor allem als Veranstaltungszentrum.
  • Fortezza Nuova: Großherzog Cosimo I. ließ zwei alte Bollwerke zur neuen Festung ausbauen, ab 1590 deutlich modifiziert und zur stattlichen Fortezza Nuova erweitert, die schließlich das neue Stadtviertel Venezia Nuova beschützten sollte. Mittlerweile beherbergt die Anlage einen großen Park.

 

Plätze und Paläste

Als Idealstadt besitzt Livorno nicht nur viele alte Gebäude – teils aus der Not stark modernisiert – sondern zudem viele weite Plätze mit großer historischer Bedeutung und magischen Palästen als packende Eye-Catcher. Und die willst du selbstverständlich auf keinen Fall verpassen.

  • Piazza della Repubblica: Irgendwann reichte das alte Pentagono del Buontalenti nicht mehr aus. Livorno musste wachsen und erhielt neue Bezirke im Osten. So wurde 1844 ein neuer Platz geschaffen, der Alt und Neu verband und sogar die Kanalstruktur überspannte. Die Piazza della Repubblica mit ihren 52 Marmorbänken, 92 Säulen und diversen Statuen zieht magisch an.
  • Terrazza Mascagni: Entlang der Uferstraße Viale Italia entstanden bereits zu Medici-Zeiten erste Strukturen, über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut und mittlerweile in eine Meeresterrasse umgewandelt. Bei einem Spaziergang über die Terrasse stechen der Ausblick auf das Meer sowie die Hügel von Livorno ins Auge – perfekt um die Seele etwas baumeln zu lassen.
  • Palazzo Comunale: Einer der ältesten noch existierenden Paläste der Stadt geht, du wirst es bereits erraten haben, auf die Medici zurück, wurde allerdings erst ab 1720 erbaut und in späteren Jahren mehrfach erweitert. Der Neorenaissance-Palast auf der Piazza d’Arme diente als Versammlungsort für die verschiedenen Repräsentanten der Stadt und „verschluckte“ in späteren Jahren weitere Gebäude, darunter eine alte Feuerwache.

 

Noch mehr Sehenswürdigkeiten in Livorno

©Bigstock.com/milosk50

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Wie, schon vorbei? Ganz und gar nicht, denn wir haben noch ein paar weitere Schönheiten für dich, die du definitiv besuchen solltest!

  • Duomo di Livorno: Im Herzen der Altstadt, auf der Piazza Grande, entstand zwischen 1594 und 1606 die unter anderem Franz von Assisi gewidmete Kathedrale. Ursprünglich als Kirche angedacht, folgte im frühen 19. Jahrhundert die Erweiterung zum Duomo samt hohem Turm. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte man sich vor allem an den Originalplänen.
  • Chiesa della Madonna: Auf dem Weg von der Altstadt zur Venezia Nuova erwartet dich diese Kirche, die der Legende nach für eine Karmeliten-Statue errichtet wurde. Die verschiedenen Altäre sind echte Blickfänge, während die Fassade – erst 1972 mit weißem Marmor überzogen – relativ schlicht ausfällt.
  • Monumento dei quattro mori: Das „Denkmal der vier Mohren“ gilt als Wahrzeichen Livornos. Es besteht aus einer Steinstatue des Großherzogs Ferdinand I., um den herum vier in Ketten gelegte Piraten dargestellt sind. Nach mehreren Seeschlachten gegen Barbaresken-Piraten erbaut, wurde dieses Monument während des Zweiten Weltkriegs an einen sicheren Ort gebracht.
  • Cisternoni di Livorno: Zwischen 1829 und 1848 entstanden drei neoklassizistische Gebäudekomplexe, welche die Wasserversorgung Livornos absichern sollten („cisternoni“ heißt so viel wie „große Zisternen“). Unweit der Fortezza Nuova entstand die Cisternino di città, eine Art Gegenpol zur Eleganz der Zeit, allerdings nie als Zisterne verwendet. Hier befindet sich mittlerweile ein Kulturzentrum.

 

Livorno ist eine in vielerlei Hinsicht spezielle Stadt. Während von den antiken Wurzeln herzlich wenig zu sehen ist, erwartet dich ein ungewöhnlicher Mix aus Renaissance- und neoklassizistischer Architektur mit modernen Elementen sowie weiten Plätzen und faszinierender Kanalstruktur. Livorno bietet sich für lange Spaziergänge mit tollen Entdeckungen und vielen verborgenen Schätzen ein – eine etwas andere Kunststadt mit eigenwilligem Charme.

Kunststadt Pisa – mehr als nur ein (Schiefer) Turm

Geht es um italienische Kunststädte, so ist Pisa meist nicht weit. Die wunderschöne Stadt im Norden der Toskana, durch den Arno geteilt, ist vor allem für ihren Schiefen Turm weltweit bekannt. Das ist aber natürlich nicht alles, was dich in der einst mächtigen, einflussreichen Seerepublik erwartet. Sie ist Heimat einer der ältesten UNESCO-Weltkulturerbestätten auf italienischem Boden, bedeutender Hochschulen und rauschender Feste. Ob Tourismushochburg, Universitätsstadt oder Metropole am Wasser – wir verraten dir, warum Pisa stets einen Besuch wert ist.

 

Zur Seemacht und wieder zurück

Woher der Name Pisa exakt kommt und wer die Stadt gründete, liegt heute im Verborgenen. Antike Quellen benennen unter anderem Ligurer, Etrusker und Griechen als mögliche erste Siedler. Zumindest gab es eine etruskische Eroberung, die archäologisch belegt scheint. Pisae, so der damalige Name, war den Römern während den Ligurerkriegen freundlich gesinnt und wurde 180 v. Chr. schließlich zur Kolonie, später zum Municipium. Als Hafen spielte Pisa keine unwichtige Rolle, über seine eigentliche römische Geschichte sowie die Auswirkungen der Völkerwanderung ist allerdings nur recht wenig bekannt. Erst im Hochmittelalter rückte Pisa wieder in den Fokus und nahm fortan sogar eine zentrale Rolle ein.

 

Als Republik erreichte Pisa ab dem 11. Jahrhundert den Höhepunkt seines Einflusses und entwickelte sich in Windeseile zum wirtschaftlichen Machtzentrum. Über Jahrhunderte hinweg trieben Kaufleute regen Handel, was zu großer Konkurrenz und mehreren Konflikten mit der Republik Genua führte. Eine Niederlage bei der Seeschlacht bei Meloria um 1284 läutete den Niedergang Pisas ein. Die Republik verlor nach und nach ihre Territorien und 1406 schließlich die Unabhängigkeit an Florenz. So büßte die Stadt zunehmend Bedeutung ein, blieb allerdings wichtiger Universitätssitz und ging voll und ganz in ihrer Rolle als begeisternde toskanische Kulturstadt auf.

 

Welterbe Piazza del Duomo

©Bigstock.com/Alexander Nikiforov

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Als erst sechste Stätte in Italien erhielt der Domplatz von Pisa, Piazza del Duomo, im Jahr 1987 UNESCO-Welterbestatus. Die Piazza dei Miracoli („Platz der Wunder“), wie dieser Ort im Volksmund gerne genannt wird, versammelt die wohl wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt an einer Stelle. Wir haben einen kleinen Überblick für dich vorbereitet – mehr liest du übrigens in unserem Welterbe-Blog zur Piazza del Duomo.

  • Santa Maria Assunta: Charakterstarker Marmor aus Carrara leuchtet dir bereits von weitem entgegen. Obwohl stolze 200 Jahre am Dom gearbeitet wurde, wirkt er weitestgehend wie aus einem Guss. Und doch verbirgt sich hinter den packenden Fresken und Mosaiken eine spannende, wechselhafte Geschichte mit undurchsichtigen Wurzeln.
  • Schiefer Turm: Santa Maria Assunta erhielt einen freistehenden Glockenturm, der mit dem schlechten Boden aus Sand und Morast nicht so ganz zurechtkam – oder umgekehrt? Egal, der Campanile weist mittlerweile einen Neigungswinkel von ca. vier Grad auf und wurde als Schiefer Turm von Pisa weltberühmt.
  • Baptisterium: Die kleine Taufkirche des Doms ist alles andere als klein, denn das kreisrunde Baptisterium entpuppt sich als opulentes Meisterwerk. Wenn du schwindelfrei bist, empfehlen wir den Aufstieg bis unters Kuppeldach.
  • Camposanto Monumentale: Ein gewaltiger Friedhof beschließt den Domplatz an dessen Nordseite. Hier soll sich Erde befinden, die Kreuzfahrer einst aus dem Heiligen Land mitgebracht haben. Ein Spaziergang durch den Kreuzgang führt dich zu packenden Fresken und aufsehenerregenden Sarkophagen.
  • Palazzo dell‘Opera: Der Opernpalast besteht eigentlich aus mehreren Gebäuden, die zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert entstanden. Sie dienten einst als Unterkunft der Dom-Bediensteten und sind mittlerweile teilweise der Öffentlichkeit zugänglich.
  • Ospedale Nuovo di Santo Spirito: Hinter der gotischen Fassade befindet sich inzwischen kein Krankenhaus mehr, sondern das Museo delle Sinopie mit Fresko-Sinopien aus dem Camposanto Monumentale.

 

Pisas Kirchen und Basiliken

Damit hätten wir den Anfang gemacht, aber eigentlich wollten wir dir ein paar Orte vorstellen, die du vielleicht noch nicht kennst, die nicht ganz so berühmt sind. Pisa ist reich an Kirchen und Basiliken, wie so viele andere italienische Städte auch. Dazu zählen:

  • Santa Maria della Spina: Die Dornenkirche bekam ihren Namen durch einen Dorn der Dornenkrone, der über lange Zeit hier aufbewahrt wurde, bevor er an die Kirche Santa Chiara abgegeben werden musste. Santa Maria della Spina liegt direkt am Ufer des Arno und scheint beinahe über dem Fluss zu schweben. Die opulente gotische Fassade mit ihren Spitztürmen und Statuen ist eine echte Meisterleistung.
  • San Paolo a Ripa d‘Arno: Für diese Kirche, die ebenfalls unmittelbar am Arno liegt, musste einst ein romanischer Bau weichen. San Paolo wurde stark vom Dom Santa Maria Assunta beeinflusst und trägt nicht umsonst den Beinamen „Duomo vecchio“ (dt. „Alter Dom“). Die Kirche wurde während des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt und musste wiederaufgebaut werden. Speziell der Innenraum war stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
  • Santo Sepolcro: Die mittelalterlichen Kreuzzüge hinterließen ihre Spuren in Pisa. Neben dem angeblichen heiligen Sand auf der Friedhofsanlage Camposanto Monumentale wurde diese romanische Kirche nach dem Vorbild der Jerusalemer Grabeskirche errichtet. Gewisse Parallelen zum Felsendom lassen sich ebenso wenig von der Hand weisen.
  • Basilika San Piero a Grado: Auf seiner Reise nach Rom soll der Heilige Petrus hier erstmals italienischen Boden betreten haben. Wo einst der Hauptarm des Arno in eine mittlerweile versandete Lagune mündete, befindet sich heute diese Basilika, deren Ursprung im 4. Jahrhundert liegt, und die in späteren Epochen mehrmals erweitert wurde. Die Fresken im Innenraum widmen sich dem Leben des Heiligen.

 

Weitere spannende Sehenswürdigkeiten in Pisa

©Bigstock.com/goga18128

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Ein paar kleine Schmankerl aus dem Norden der Toskana haben wir für dich noch gesammelt. Sie zeigen Pisa von den unterschiedlichsten Seiten zwischen großem Prunk, faszinierender Natur und Wissbegier:

  • Piazza dei Cavalieri: Einst ein Platz zur Machtdemonstration für die Medici, ist der ehemalige weltliche Hautplatz Pisas heute für seine gewaltigen repräsentativen Renaissance-Bauten bekannt. Mehrere Paläste und Türme, sogar eine imposant ausgestattete Kirche erheben sich entlang der Piazza dei Cavalieri. Die geschmückte Treppe des gleichnamigen Palazzo ist ein Erlebnis für sich.
  • Botanischer Garten: 1543 auf Bestreben des Arztes und Botanikers Luca Ghini gegründet und von Großherzog Cosimo I. de‘ Medici finanziell unterstützt, wechselte der botanische Garten von Pisa mehrmals seinen Standort und landete um 1595 endgültig unweit der Piazza dei Miracoli. Eng mit der biologischen Fakultät der städtischen Universität verbunden, ist der Orto botanico zugleich Lehrort, Sammlung und Ruheoase.
  • Università Normale: Im Jahr 1343 wurde die Universität von Pisa, eine der ältesten und renommiertesten Universitäten des Landes, gegründet. Hier studierte und lehrte einst Galileo Galilei, zu den weiteren prominenten Studenten zählen unter anderem Papst Clemens XII., der spätere Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi und der weltberühmte Tenor Andrea Bocelli. Gemeinsam mit der Elitehochschule Scuola Normale Superiore und der Scuola Superiore Sant’Anna zählt Pisa somit zu den wichtigsten Universitäts- und Hochschulstandorten Italiens.

 

Für den Schiefen Turm anreisen und für die kulturelle sowie geisteswissenschaftliche Vielfalt bleiben: Die Kunststadt Pisa glänzt mit packenden Überraschungen hinter der prächtigen Fassade des Domplatzes, die unzählige Schätze freilegt. Zwischen atemberaubenden architektonischen Errungenschaften, majestätischen Fresken und spektakulärer Natur von Wasser bis Garten kommst du gewiss auf deine Kosten. Bis bald in der Toskana!

Die versteckte Kunststadt Prato in der Toskana

©Bigstock.com/bbsferrari

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Es gibt viele wunderschöne Kunststädte in der Toskana mit packender Geschichte und einzigartiger architektonischer Vielfalt, die Jahr für Jahr unzählige Gäste aus aller Welt anziehen. Tatsächlich vergessen viele auf die zweitgrößte Stadt der Region, wohl auch aufgrund der direkten Nachbarschaft zu Florenz. Das nur 17 km entfernte Prato mit seinen ca. 195.000 Einwohnern ist allerdings für sich eine geradezu magische Kunststadt, die eine Fülle attraktiver Paläste und Kirchen rund um die Fußgängerzone in der Innenstadt zu bieten hat. In Verbindung mit unzähligen Geschäften und Boutiquen, vor allem im Textilbereich, sowie der hervorragenden regionalen Küche solltest du Prato unbedingt einen Besuch abstatten. Wir verraten dir, was dich im Norden der Toskana erwartet.

 

So entstand das Industriezentrum Prato

Pratos Geschichte ist relativ schnell abgehandelt. Das Gebiet war bereits in der Altsteinzeit besiedelt, die Etrusker betrieben hier Woll- und Textilhandel, doch spielte die Region danach keine große Rolle. Die eigentliche Geschichte Pratos beginnt im 10. Jahrhundert mit der erstmaligen Erwähnung der Dörfer Borgo al Cornio und Castrum Prati. Von der Alberti-Familie vereint, die fortan den Titel „Grafen von Prato“ führen durften, schwang sich das Gebiet in der nun trockengelegten und zugleich mit Flusswasser versorgten Ebene zum Woll- und Textil-Emporium auf. Francesco Datini errichtete in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hier sein gewaltiges Handelsimperium und hinterließ das größte Kaufmannsarchiv des Spätmittelalters, eine Sammlung von über 152.000 Dokumenten und Korrespondenzen zu seinen Geschäftsbeziehungen.

 

Zu diesem Zeitpunkt gehörte Prato bereits zur Republik von Florenz, nachdem Johanna I. von Neapel die Stadt für 17.500 Goldmünzen an diese verkauft hatte. Das offizielle Stadtrecht wurde 1653 erteilt, im Folgejahrhundert erhielt Prato reiche Verzierungen und Verschönerungen, um den neuen Status und den Reichtum zu unterstreichen. Nach der Einigung Italiens schwang sich die Stadt zum wichtigen Industriezentrum auf, speziell im Textilbereich, und war beliebtes Ziel von Einwanderern – zunächst aus dem Süden Italiens, später aus anderen Ländern. Heute lebt unter anderem eine sehr große chinesische Gemeinde in Prato.

 

Pratos Kirchen und Kathedralen

Auffällig ist der hohe Anteil an Sakralbauten in Prato, ein charakteristisches Merkmal für viele toskanische Städte. Wir haben sieben spannende Kirchen und Kathedralen für dich herausgesucht:

  • Duomo di Prato: Die Wurzeln der städtischen Kathedrale liegen vermutlich im 5. Jahrhundert, die heutige Fassade aus weißem Alberese-Marmor und grünem Serpentino-Marmor stammt allerdings aus dem Spätmittelalter. Hinter dem gewaltigen Portal verbirgt sich eine dreischiffige Basilica minor mit einem prächtigen Freskenzyklus von Filippo Lippi.
  • Santa Maria delle Carceri: Pratos zweite Basilica minor wurde hingegen erst in der Renaissance erbaut. Den strengen Formen eines griechischen Kreuzes folgend, erwartet dich ein eindrucksvolles, archetypisches Abbild der Epoche, wenngleich Teile der Fassade unvollständig blieben.
  • Sant‘Agostino: Zugegeben, die schlichte Fassade mit Fensterrose und Glockenturm übt keine sonderliche Anziehungskraft an. Dahinter verbergen sich jedoch zahlreiche Gemälde und Fresken mit großem künstlerischen Wert.
  • San Domenico: Die feinen Künste spielen auch in San Domenico eine zentrale Rolle, denn neben Matteo Rossellis Gemälden in der Kirche beheimatet das angeschlossene Museum verschiedene Wandfresken.
  • San Francesco: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden weite Teile der barocken Dekoration im Innenraum entfernt, um die mittelalterlichen Wurzeln freizulegen. Niccolò Gerinis Fresken in der Kapelle alleine machen einen Besuch dieser Kirche wert.
  • San Fabiano: Eine der ältesten noch existierenden Kirchen Pratos wurde bereits 1082 erwähnt. Der Mosaikboden ist allerdings sogar älter und entstand zwischen dem 9. und dem 11. Jahrhundert.
  • Santi Vincenzo e Caterina de‘ Ricci: Während die ursprüngliche Kirche aus dem 16. Jahrhundert, für ein angeschlossenes Kloster erbaut, eine recht übersichtliche Angelegenheit war, erhielt sie nach der Seligsprechung von Caterina de‘ Ricci eine Generalüberholung. Die Überreste der Heiligen sind unter dem Hauptaltar ausgestellt. Prächtige Skulpturen und Deckenmalereien statten die Kirche aus.

 

Die Paläste und Museen

Natürlich reicht das bereits für eine packende Stadttour, doch hat Prato noch so viel mehr zu bieten. Hier sind einige weitere Zutaten für deinen genüsslichen Spaziergang durch die Kunststadt:

  • Palazzo Pretorio: Das alte Rathaus, ein Zusammenschluss dreier Gebäude im ausgehenden 13. und einsetzenden 14. Jahrhundert, lässt an der Fassade noch die Konturen der Ursprungsbauten erkennen. Seit 1912 ist das prächtige Museo Civico mit einer großen Kunstsammlung vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert im Palast untergebracht.
  • Palazzo Datini: Erinnerst du dich noch an Francesco Datinis Kaufmannsarchiv? Gefunden wurde es im 19. Jahrhundert in einer Wand dieses Palastes. Heute befinden sich die Dokumente im Archiv Pratos, das seinen Sitz – du wirst es bereits erraten haben – im Palazzo Datini hat. Das Erdgeschoß mit seinen Gemälden und Fresken dient hingegen als Museum.
  • Palazzo degli Alberti: Dieser mehrfach umgebaute und erweiterte Palast weist an der Fassade Spuren diverser Bauphasen vom 13. bis zum 19. Jahrhundert auf. Die Kunstgalerie im Palazzo widmet sich vornehmlich toskanischer Barockmalerei.

 

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    Castello dell‘Imperatore: Friedrich II., Kaiser des römisch-deutschen Reichs, ließ diese Festung auf einer alten Befestigungsanlage im Stadtzentrum Pratos erbauen. Das am weitesten nördlich gelegene Schloss seines Herrschaftsgebiets bliebt nach dem Tod des Kaisers jedoch unvollständig. Wir empfehlen dir den Aufstieg zu den Festungsmauern für einen Rundgang inklusive traumhafter Aussicht auf die Stadt.

  • Museo dell’Opera del Duomo: Die alte bischöfliche Residenz Pratos führt nun durch sechs Museumsräume, welche die Kirchengeschichte der Stadt nachzeichnen. Dich erwarten verschiedene Statuen, Gemälde und Reliquien, die teils sogar bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Ein Rundgang durch die Gewölbe und Gruften unter dem Duomo ist Pflicht.
  • Villa Medici: Zum Abschluss wagen wir uns ins benachbarte Poggio a Caiano, ca. neun Kilometer südlich von Prato gelegen. Der Sommersitz der Medici gilt als Vorbild der Renaissance-Villenarchitektur und orientierte sich stark an den von Plinius und Vitruv beschriebenen Villen der Antike. Mittlerweile dient die Anlage mit ihrem teils geometrischen, teils englischen Garten als großes Museum.

 

Prato ist also alles andere als unscheinbar und wird zu Unrecht etwas stiefmütterlich behandelt. Das Industriezentrum im Norden der Toskana geizt jedoch keineswegs mit seinen Reizen und sollte unbedingt Teil deiner Urlaubspläne sein. Gewiss wird diese sympathische Kunststadt dich schnell in ihren Bann ziehen.

Kunststadt Lucca in der nördlichen Toskana

Im Nordwesten der Toskana wartet eine spannende Stadt mit großem musikalischem Erbe auf neugierige Besucher. In Lucca wurden so illustre Komponisten wie Giacomo Puccini, Alfredo Catalani und Nicolao Dorati geboren. Zudem erwartet dich ein angenehm ungewöhnliches Stadtbild, welches die ursprüngliche Straßenanordnung der alten römischen Anlage behielt und von dieser einfach immer weiter nach außen expandierte. Und dann wäre da noch die unmittelbare Nähe zum Ligurischen Meer, was Lucca zu einem überaus fruchtbaren Ort – die verschiedenen Gärten sprechen mit ihrer Pflanzenvielfalt Bände – und idealen Ausgangspunkt für Strandausflüge macht. Nicht zu vergessen: Lucca ist eine waschechte Kunststadt mit erstaunlichem Reichtum an außerordentlichen Kirchen, Palästen und Profanbauten. Los geht’s!

Die Stadt der Seidenweber

Wie viele andere toskanische Städte wurde auch Lucca von den Etruskern gegründet und 180 v. Chr. zur römischen Kolonie, gleichzeitig mit Pisa und Luna in der Nähe der Steinbrüche von Carrara. In Lucca begründeten Julius Caesar, Pompeius und Crassus einst das erste Triumvirat. Das spätere Municipium spielte im Kaiserreich eine untergeordnete Rolle, wurde von Odoaker geplündert und unter den Langobarden zur Residenz eines Marktgrafen oder eines Herzogs ausgebaut. Nach dem Tod Mathildes von Canossa 1115, der zu einem jahrzehntelangen Streit um ihr Erbe führte, unterstrich Lucca seine Unabhängigkeitsbestrebungen und erreichte 1160 schließlich den Status einer eigenständigen Kommune.

Innere Uneinigkeit und versuchte Einflüsse von außen stellten die Unabhängigkeit wiederholt auf die Probe. Lucca war eine reiche Stadt, nicht zuletzt aufgrund ihrer zentralen Rolle in der mittelalterlichen Textilindustrie mit besonders farbenprächtiger Seide. Wiederholte Unruhen führten zur Flucht vieler Färber und Seidenweber nach Venedig. Dennoch konnte sich Lucca immer wieder befreien, war Demokratie, patrizisch-aristokratische Oligarchie und unabhängige Stadtrepublik, bis siegreiche französische Revolutionsarmeen nach Beendung der österreichischen Dominanz über Italien eine modern-französische Form der Demokratie mit napoleonischer Abhängigkeit einführten. Daraus wurde schnell eine Monarchie mit Napoleons Schwester Elisa Bonaparte Baciocchi als Prinzessin von Lucca, nach dem Wiener Kongress ein bourbonisches Herzogtum Kongress, dann ein Teil des Großherzogtums Toskana und schließlich des neugegründeten Italiens.

 

Die alten Stadtmauern

Was Lucca unter anderem so einzigartig macht, ist der hochspannende, ungewöhnliche Aufbau. Das rechtwinkelige Straßennetz im historischen Zentrum stammt noch von der einstigen römischen Struktur. Anstatt dieses einzureißen – einzig die antike Stadtmauer fiel den Expansionsbemühungen zum Opfer – wurde die Stadt einfach sukzessive erweitert und nach außen expandiert. Erst im Mittelalter begann man mit der Errichtung neuer Stadtmauern, die im 16. und 17. Jahrhundert schließlich zur heutigen Form ausgebaut wurden. Tatsächlich mussten sie nie verteidigende Zwecke erfüllen, verhinderten dafür wohl verheerende Überschwemmungen durch das Hochwasser von 1812.

 

Auf den Stadtmauern und über bzw. durch die Befestigungsanlagen kannst du heute ganz entspannt spazieren. Du erhältst nicht nur einen ersten Überblick von der architektonischen Vielfalt Luccas, sondern kannst in den ruhigeren, begrünten Bereichen wunderbar entspannen – nicht umsonst werden diese Gebiete gerne für (Sport-)Veranstaltungen genutzt. Fünf Stadttore führen nach fast allen Himmelsrichtungen von der Altstadt in die äußeren Bezirke. Zwei weitere Tore aus der ursprünglichen mittelalterlichen Anlage gehören nun zum inneren Mauerring.

 

Sakrales Lucca

Lucca ist reich an Kirchen und Basiliken, wie viele andere italienische Städte auch. Besonders eindrucksvoll: Viele der Sakralbauten stammen aus dem Mittelalter und überdauerten die Zeit hervorragend. Wir stellen dir einige Favoriten vor:

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    San Martino: Die Kathedrale Luccas wurde Ende des. 12. Jahrhunderts gebaut und wirkt im Vergleich zu weiteren Kirchen der Stadt fast schon neumodisch. Vor der Fassade befinden sich bewusst unregelmäßig gestufte Arkadenreihen als Dekorationsschicht. Dahinter verbirgt sich ein hohes, monumentales Gebäude mit prächtigen Bildern, einem eindrucksvollen Sarkophag und einem klassischen Fingerlabyrinth.

  • San Michele in Foro: Auf dem alten römischen Marktplatz steht die zweitwichtigste Kirche der Stadt, nur unwesentlich älter als San Martino. Die Fassade wurde ursprünglich für ein höher geplantes Mittelschiff gebaut, das letztlich nicht zustande kam. Entsprechend überproportional wirkt die reich verzierte Außenwand.
  • San Frediano: Ausnahmsweise gen Osten gebaut, um nicht mit der damals neuen Stadtmauer zu kollidieren, ergibt die romanische Basilica minor ein eigentümliches Bild. Auf den breiten, unteren Fassadenbau wurde ein schmaler Mosaikteil aufgesetzt, um den erhöhten Langhausmauern gerecht zu werden.
  • San Francesco: Lange Baugeschichten sind keine Seltenheit, doch San Francesco schlägt alles. Im 13. Jahrhundert am Übergang von der Romantik zur Gotik begonnen, erfolgte die Fertigstellung des oberen Fassadenteils erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter historisierenden Gesichtspunkten.
  • San Salvatore: Im Jahr 1009 erhielt das Frauenkloster Santa Giustina eine eigene Kirche. Allerdings nagte der Zahn der Zeit an San Salvatore und so sind nur noch wenige Teile von der ursprünglichen Erneuerung im 12. Jahrhundert erhalten. Der Rest weist auf jüngere Renovierungen hin. Und doch weiß diese schlichte, dennoch eindrucksvolle Kirche des mittlerweile aufgelösten Klosters vor allem bei einem Blick nach innen zu beeindrucken.
  • San Giusto: Diese romanische Kirche entstand im 12. Jahrhundert anstelle eines Vorgängerbaus auf dem gleichnamigen Platz. Besonders auffällig ist die streifenförmige obere Hauptfassade aus schwarzem und weißem Marmor mit zwei Loggien. Guidettos auffälliges Hauptportal zählt zu seinen besten Arbeiten.

 

Profanbauten und Gärten

Aber das ist selbstverständlich noch lange nicht alles, was sich bei deiner Tour durch die Kunststadt Lucca erwartet. Wir hätten da noch ein paar weitere Highlights für dich:

  • Villa Olivia: Lucca ist reich an Villen und Palästen mit ausladenden Gartenanlagen, und so verblasst auch die Villa Olivia ein wenig im Angesicht der fünf Hektar großen, von einer Mauer umschlossenen Anlage. Zwei Brunnen, ausladender Figurenschmuck, Alleen und Amphitheater führen durch den Garten.
  • Palazzo Ducale: Aus zerstörten Palästen und Festungsanlagen entwickelte sich wohl im 15. Jahrhundert der Palazzo Ducale. Seine gewaltigen, ausladenden und zugleich teils unfertig gebliebenen Fassaden und Räumlichkeiten beheimaten Galerien und Kunstwerke.
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    Palazzo Pfanner: Der ehemalige Palazzo Controni verfügt über einen Salon mit prächtigen Fresken sowie eine Sammlung chirurgischer Werkzeuge von Namensgeber Dr. Pietro Pfanner. Das heutige Kunstmuseum wird von einer weiteren wunderschönen Gartenanlage mit zahlreichen Statuen eingerahmt.

  • Casa di Puccini: Das Geburtshaus des weltberühmten Komponisten, ein recht unscheinbares Gebäude unweit der Piazza San Michele, wurde zum Museum mit originalen Partituren und Libretti umgebaut. Besonders Augenmerk gilt dem Dachzimmer im Stile Puccinis Oper „La Bohème“.
  • Torre dell’Orologio: Lucca verfügte im Mittelalter über zahlreiche Türme reicher Familien, die teils Schutzfunktion hatten und teils als Statussymbol dienten. Einer der wenigen überlebenden und zugleich höchster Turm Luccas ist der Uhrturm Torre dell’Orologio. Du kannst übrigens die unzähligen Stufen erklimmen und einen Blick auf das ausgeklügelte Uhrwerk werfen.
  • Orto Botanico: Wie wäre es mit einem kompletten botanischen Garten? Von Gräfin Marie-Louise von Parma 1820 eingerichtet, lädt diese wunderschöne Anlage zu stillen, genussvollen Spaziergängen ein – täglich in der warmen Jahreszeit und an Wochentagvormittagen jenseits der Hauptsaison.

 

Du siehst: Lucca hat viel Spektakuläres zu bieten mit seiner Mischung aus großer Architektur, bewegter Geschichte und weitflächigen Spazierwegen sowie Grünanlagen. In dieser Kunststadt im Nordwesten der Toskana erwartet dich die nahezu perfekte Symbiose aus Harmonie, Ruhe, touristischen Glanzlichtern und magischer Zeitreise.

Kunststadt Parma jenseits kulinarischer Genüsse

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Wenn du an Parma denkst, dann kommt dir zunächst wahrscheinlich die großartige, vielfältige und reichhaltige Küche der Stadt sowie der gesamten Provinz in den Sinn. Parmesan und Parmaschinken verwöhnen den Gaumen und sind Basis sowie Begleiter echter kulinarischer Schmankerl. Hinter diesen lukullischen Sternstunden verbirgt sich allerdings eine vielfältige Kunststadt mit einer Fülle an Kirchen, Klöstern und Palästen als Zeugen einer wechselhaften Geschichte mit gleich mehreren kleinen Glanzzeiten. Begleite uns auf kleine Reise durch den Norden der Emilia Romagna!

Fliegender Wechsel zwischen den Herrschern

Die Wurzeln der Stadt reichen bis weit in die Urzeit zurück. Vermutlich gab es bereits in der Bronzezeit eine Pfahlbausiedlung der Terramare-Kultur. Auf dem Standort der heutigen Piazza Duomo und Piazzale della Macina entstand damals eine erste Nekropole. Parma selbst war wohl eine etruskische Gründung, wobei der Name auf ein lateinisches Lehnwort für „Rundschild“ zurückgeht. Eine römische Kolonie folgte um 183 v. Chr. Von Attila zerstört und später an Odoakers Gefolge übergeben, sah sich Parma – wie so viele andere Städte dieser Region – während und nach der Völkerwanderungszeit einer Vielzahl von Herrschern ausgesetzt. Ein wichtiger Einschnitt folgte erst 1545/47 mit der Schaffung des Herzogtums Parma durch Papst Paul III. für dessen illegitimen Sohn Pier Luigi Farnese. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Renaissance-Maler Antonio da Correggio bereits seine Spuren in Parma hinterlassen. Wir werden ihm in weiterer Folge wiederholt begegnen.

Das Aussterben der männlichen Farnese-Linie im 18. Jahrhundert führte zu einer weiteren Zäsur. Der Polnische sowie der Österreichische Erbfolgekrieg sollten das weitere Schicksal Parmas maßgeblich beeinflussen. Mehrere Verzichte und Misserfolge brachten das ehemalige Herzogtum zunächst an Herzog Philipp von Spanien, später – unter bourbonischem Einfluss – an dessen Sohn Ferdinand. Napoleon ließ sich das Doppelherzogtum Parma-Piacenza nach den Revolutionskriegen zusichern, bevor die Bourbonen ein letztes Mal an die Macht kamen. Nach einem Intermezzo im Übergangsgebilde Vereinigte Provinzen von Mittelitalien hatte das herrschende Wechselspiel endlich ein Ende: Seit 1861 gehört Parma zum Einheitsstaat Italien.

Piazza Duomo

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Wechselspiel hin oder her, trotz seiner ereignisreichen, durch atemlos anmutenden Geschichte wurde Parma im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgebaut und erhielt zahlreiche spektakuläre Bauten, die heute Gäste aus aller Welt – und bestimmt auch dich – anziehen. Erster Anlaufplatz ist der Domplatz, Piazza Duomo, mit über 900 Jahren versammelter Stadt-, Kunst- und Kulturgeschichte auf einem magischen Fleck. Was es dort genau zu sehen gibst, möchtest du wissen? Nun denn:

  • Dom: Ein verheerender Brand zerstörte eine alte Marienkirche vollends. Ab 1074 entstand Santa Maria Assunta an ihrem Standort. Der romanische Dom mit gotischem Glockenturm wurde über mehrere Bauphasen errichtet und im Inneren vor allem in der Renaissance deutlich verändert. Das perspektivische Kuppelfresko von Correggio und die gotischen Fresken in der Seitenkapelle sind besonders sehenswert.
  • Baptisterium San Giovanni: Dieser achteckige Sakralbau ist ein echter Hingucker. Schon von weitem leuchtet dir die Fassade aus rosafarbenem Veroneser Marmor entgegen. Das Gewölbe der Kuppel besteht aus sechs Ebenen, die jeweils mit Gemälden zu unterschiedlichen Themenkreisen ausgestattet sind und einen spektakulären Blick zum roten Deckenhimmel offenbaren.
  • San Giovanni Evangelista: Ein Brand beschädigte das ursprüngliche Benediktinerkloster aus dem 10. Jahrhundert, das in weiterer Folge eine manieristische Fassade erhielt. Auch diese Kuppel ziert ein atemberaubendes Fresko von Correggio. Die drei Kreuzgänge sowie die Klosterbibliothek wollen ebenfalls besucht werden.

 

Weitere Kirchen und Klöster Parmas

Wenn wir schon bei Kirchen und Klöstern sind, nun, dann bleiben wir gleich im religiösen Bereich. Parma ist Heimat einer Vielzahl wunderschöner, vielfältiger Sakralbauten, die wir dir wärmstens empfehlen können.

  • San Martino de Bocci: Gut, erwischt, in diesem Fall haben wir ein wenig geschummelt. Zum einen liegt dieses Gebäude im Stadtteil Paradigna ca. 6 km nördlich von der eigentlichen Stadt, zum anderen handelt es sich um eine mittlerweile aufgelassene Zisterzienserabtei. Das heutige Studien- und Archivzentrum der städtischen Universität fasziniert durch seine Mischung aus ursprünglichen gotischen Formen und Rokoko- sowie Empire-Veränderungen späterer Jahrhunderte.
  • Synagoge: Bereits im Mittelalter gab es eine große jüdische Gemeinschaft in Parma, bevor eine päpstliche Bulle aus dem Jahr 1555 die Bevölkerung aus dem Doppelherzogtum verbannte. Erst Napoleons Eroberung ermöglichte eine erneute Ansiedlung. Die 1866 erbaute Synagoge dient heute als Glaubenszentrum und wurde deutlich von katholischen Kirchen ihrer Zeit inspiriert.
  • San Paolo: Ja, wir jubeln dir ein weiteres ehemaliges Kloster unter. Weil wir es können. Und, warum auch nicht? In diesem Fall gilt unser Hauptaugenmerk der Camera della Badessa oder Camera di San Paolo. Während ihrer ersten Dekade als Äbtissin gab Giovanna Piacenza die Ausgestaltung eines Privatzimmers durch – da ist er schon wieder – Correggio in Auftrag. Einzigartige Fresken wachsen scheinbar dem Himmel entgegen.
  • Santa Maria della Steccata: Ein Zaun („Steccato“) trennt die Gläubigen vom überaus populären, als Heiligtum angebeteten Bild einer stillenden Maria in dieser Renaissance-Kirche – daher auch der Name. Ein wunderschöner Barockaltar sowie Bernardino Gattis Deckenfresken von der Himmelfahrt der Gottesmutter sind weitere Hingucker.

 

Noch mehr Highlights für deine Stadttour

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Weil es gerade so schön ist, machen wir natürlich weiter und dehnen unseren kleinen Überblick auf einige weitere persönliche Favoriten aus, die wir dir selbstverständlich nicht vorenthalten wollen:

  • Palazzo della Pilotta: In den letzten Jahren seiner Regentschaft ließ Herzog Ottavio Farnese diesen Gebäudekomplex erbauen. Obwohl die Kunstschätze nach dem Niedergang der Farnese von späteren Herrschern nach Neapel gebracht wurden, bleibt der Palast ein hochspannender Ort mit dem Archäologischen Nationalmuseum, der Nationalgalerie, dem barocken Hoftheater Teatro Farnese sowie weiteren Museen, Bibliotheken und Hochschulen hinter seinen mächtigen Pforten.
  • Teatro Regio: Ein ehemaliges Kloster – davon hatten wir bereits ein paar – musste diesem Opern- und Theaterhaus weichen. 1821 von Marie-Louise von Österreich in Auftrag gegeben, fasst das gewaltige Auditorium 1.400 Personen und ist Schauplatz des jährlichen Festival Verdi.
  • Toscaninis Geburtshaus: Der weltberühmte Dirigent und Orchesterleiter Arturo Toscanini wurde am 25. März 1867 in Parma geboren. Sein Geburtshaus dient heute als Museum und widmet sich verschiedenen Stationen aus dem Leben des berühmten Sohnes der Stadt. Diverse Objekte und Memorabilien aus seinem Leben sowie Einrichtungsgegenstände aus längst vergangenen Tagen begleiten deinen Besuch.
  • Parco Ducale: Abschließend geht es noch ins Grüne. Parmas historischer Park erstreckt sich über eine unglaubliche Gesamtfläche von 208.700 m². Mehrere Paläste, Brunnen, Theater und Grünflächen säumen deinen Spaziergang. Ein Besuch des Palazzo del Giardino mit seinen unzähligen Fresken und Stuckarbeiten ist Pflicht.

 

Für große Abwechslung, stille Momente und – natürlich – exzellente Küche ist bei deiner Reise in die Kunststadt Parma gesorgt. Lass dich von den vielfältigen architektonischen Meisterwerken mit ihren spektakulären Gemälde- und Freskensammlungen beeindrucken und entdecke diese faszinierende Stadt im Norden der Emilia Romagna von sämtlichen Seiten. Viel Spaß bei deinem Besuch!

Kunststadt Triest – ein Zusammentreffen der Kulturen

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Triest nimmt ohne Frage einen Sonderstatus ein. Die Stadt im Nordosten Italiens, nur wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die ihre Spuren an allen Ecken und Enden der Hauptstadt der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien hinterließ. Einst wichtiger Hafen Österreichs bzw. Österreich-Ungarns und später um sein Hinterland „erleichtert“, war Triest zwischenzeitlich sogar nahezu isoliert als Grenze zwischen Ost und West. Heute ist die Kunststadt ein wichtiger Freihafen und beliebter Urlaubsort, der mit seinen wunderbaren Bademöglichkeiten und packenden Sehenswürdigkeiten in jüngeren Jahren zunehmend an Bedeutung gewann. Und genau diese Highlights stellen wir dir näher vor.

Ein Spielball großer Herrscher

Aufgrund seiner Lage war die Region rund um Triest immer schon von zentraler Bedeutung. Die gesamte Geschichte der Küstenstadt abzuwickeln, würde den Rahmen sprengen, deswegen nur einige wesentliche Punkte: Die Region war einst Heimat keltischer und illyrischer Stämme. Ab 177 v. Chr. zogen die Römer nach Istrien und errichteten mehrere Militärlager, ca. 50 Jahre später entstand die Siedlung Tergeste. Das Gebiet diente fortan als exklusiver Touristenort sowie als zwischenzeitliche Grenzfestung. Von der Völkerwanderung stark gebeutelt, regierten die Bischöfe von Triest jahrhundertelang über die Stadt, bevor die Eroberung durch Venedig zu 180 Jahren andauernden Konflikten führte. Die freiwillige Unterwerfung im Jahr 1382 brachte Triest bis Ende des Ersten Weltkrieges in habsburgisch-österreichische Hand.

Trotz starkem Widerstand in den Anfangsjahren konnte sich Triest unter habsburgischer Herrschaft stabilisieren. Mit der Erhebung zum Freihafen im Jahr 1719 und der späteren Eroberung Venedigs durch die Österreicher erlangte die Stadt eine führende Handelsposition. Dieser Reichtum schlug sich durch erstaunliche architektonische Errungenschaften während der Gründerzeit nieder, welche mit wachsender Industrialisierung und aufkeimendem Nationalismus kollidierten. Nach dem Ersten Weltkrieg von faschistischen Kräften vereinnahmt, definierte der Pariser Friedensvertrag von 1947 weite Teile der Region als Freies Territorium Triest. Der neutrale Staat wurde später aufgelöst. Triest und seine nächste Umgebung gingen an Italien, das Hinterland und der Nordwesten Istriens an Jugoslawien. Erst 1975 wurde diese Grenzziehung offiziell bestätigt. Es sollte bis ins neue Jahrtausend dauern, dass Triest durch den Eintritt Sloweniens in die EU und den Schengen-Raum seine geografische und wirtschaftliche Randposition verlor.

Piazza dell’Unità d’Italia und Piazza Verdi

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Triest stellt uns – und dich – vor die Qual der Wahl. Es warten so viele spannende Orte und geradezu magische Sehenswürdigkeiten auf neugierige Augen, wo soll man da bloß ansetzen? Wir spazieren dieses Mal durch Triest von Platz zu Platz, Stadtteil zu Stadtteil, und picken die sprichwörtlichen Rosinen aus dem Kuchen. Los geht es selbstverständlich im Zentrum. Die Piazza dell’Unità d’Italia, als größter Platz der Stadt auch Piazza Grande genannt, ist an drei Seiten von neoklassischen sowie spannenden barocken Bauten umgeben. Dazu zählen:

  • Das Rathaus Palazzo del Municipio ließ sich vom Louvre sowie der Scuola Grande di San Rocco in Venedig inspirieren. Zwei Bronzestatuen schlagen zu jeder vollen Stunde die Turmuhr.
  • Palazzo Pitteri entstand 1790. Das älteste Gebäude am Platz trägt den Namen des Schriftstellers Riccardo Pitteri und gehört mittlerweile einer Versicherungsgesellschaft.
  • Heinrich von Ferstel, Architekt der Wiener Votivkirche, entwarf den Palazzo del Lloyd Trestino. Für den Palast der österreichischen Schifffahrtgesellschaft ließ sich von Ferstel von italienischer Renaissancearchitektur inspirieren.
  • Der ursprünglich als Gasthaus geplante Palazzo Modello verkörpert Triests eklektischen Historismus perfekt. Hier kommen antike Elemente, die italienische Renaissance, mittelalterliche Stile und das Barock zusammen.

 

Direkt an das Herzstück Triests angrenzend, erwartet dich die Piazza Verdi. Hier befindet sich das Opernhaus Teatro Verdi, nach dem weltberühmten Komponisten Giuseppe Verdi benannt. Mehrere seiner Opern wurden hier uraufgeführt. Im Hintergrund erhebt sich die Alte Börse. Die Vorderseite mit Portikus erinnert an einen dorischen Tempel.

Borgo Teresiano und Borgo Giuseppino

Zwei der größten Stadtviertel Triests bewegen sich von der Piazza dell’Unità d’Italia weg in etwas weiter entlegenere Gefilde. Die Theresienvorstadt Borgo Teresiano erstreckt sich beispielsweise bis zum Hauptbahnhof. Errichtet wurde das Gebiet auf Anweisung Kaiserin Maria Theresias auf trockengelegten Salinen. Der wunderschöne, nächtlich beleuchtete Canal Grande zieht sich als Hauptachse durch das Gebiet. Sein Endpunkt ist die klassizistische Kirche Sant’Antonio Nuovo, Triests größte katholische Kirche. Prächtige Werke venezianischer und deutscher Maler zieren den Innenraum. Viele weitere Kirchengebäude, darunter das griechisch-orthodoxe San Nicolò dei Greci, das serbisch-orthodoxe San Spiridione und die Triestiner Synagoge, befinden sich in diesem Stadtviertel.

Das Borgo Giuseppino (Josefsvorstadt) dehnt sich hingegen bis zum Campo Marzio, der Uferpromenade und der Piazza Attilio Hortis aus. Die zum Meer hin offene Piazza Venezia mit dem Molo Veneziano und Molo Sartorio bildet das Herzstück des Viertels. Das Museo Revoltella im Renaissance-Stil und die Stadtbibliothek Biblioteca Civica Attilio Hortis zählen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Borgo.

Altstadt und Colle di San Giusto

Die Piazza dell’Unità d’Italia zieht sich bis zum Hügel von San Giusto, an dessen Fuß der älteste Stadtteil Triests liegt, die Altstadt. Mussolini ließ sie einst bewusst zerstören und verkommen, um antike Überreste freizulegen. Dazu zählen die Ruinen des Teatro Romano, ein römisches Theater, das wohl im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand. Die romanische Kirche San Silvestro aus dem 11. Jahrhundert ist wohl die älteste der Stadt und wird vom barocken Gotteshaus Santa Maria Maggiore geradezu überragt. Den Blick von innen in die Kuppel darfst du dir nicht entgehen lassen! Hinter den Kirchen erhebt sich der letzte erhaltene Teil der römischen Stadtmauer aus augustinischer Zeit, der Arco di Riccardo.

Auf dem Hügel San Giusto selbst erwartet dich das Wahrzeichen Triests. Die Kathedrale von San Giusto ist ein romanischer Bau aus dem 14. Jahrhundert, der Elemente seiner Vorgängerbauten aus römischer und christlicher Zeit einschließt. Von der asymmetrischen Fassade mit gotischer Fensterrosette über den imposanten Campanile mit romanischem Fries im Treppenhaus bis zu den prächtigen Altären in den Kapellen und der Kathedrale selber kommst du bestimmt nicht mehr aus dem Staunen heraus. Das Kastell von San Giusto ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Trotz seines mächtigen Erscheinens war es kaum von militärischer Bedeutung. Wenn wir schon bei Anhöhen sind, wollen wir dir die Wallfahrtskirche Monte Grisa auf dem gleichnamigen Hügel etwas außerhalb der Stadt nicht vorenthalten. Erst in den 1960er Jahren errichtet, fällt die kuriose, dreieckige Form im Stile des Brutalismus sofort ins Auge.

Damit hätten wir zumindest an der Oberfläche Triests gekratzt. Die faszinierende Geschichte, der weite Hafen und die zahlreichen Plätze haben noch so viele weitere magische Schätze zu bieten. Kurzum: Du musst Triest einfach besuchen und mit eigenen Augen erlebt haben! Du wirst garantiert nicht enttäuscht sein.

Kunststadt Trient – vom Fürstbistum zur Festung

Südlich der mächtigen Felsgiganten der Dolomiten öffnet sich das Etschtal. Vom Monte Calisio, Marzola, Becco di Filadonna, Monte Bondone und Paganella umrahmt, lädt die Kunststadt Trient in das Herz eines einstigen Fürstbistums, das später zur gewaltigen Festung ausgebaut wurde. Heute dokumentiert die Hauptstadt von Trentino-Südtirol seine packende Geschichte in unzähligen Museen sowie an spannenden Schauplätzen zwischen der wunderschönen Altstadt und malerischen Hügeln. Von frühchristlichen Ruinen bis zu moderner Kunst, von gegenreformatorischen Wurzeln bis zu den Anfängen der Luftfahrt erwarten dich packende Highlights, egal wohin du siehst. Was du unbedingt sehen musst und was du über Trient wissen solltest, erfährst du natürlich hier.

Wo einst die Gegenreformation ihren Ausgang nahm

©Bigstock.com/saiko3p

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Trients historische Bedeutung setzte vergleichsweise spät, ab dem 16. Jahrhundert ein. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass sich in der Region zuvor nichts tat. Das Etschtal war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, Trient selbst von den Kelten gegründet und später von den Römern eingenommen worden. Von ihnen kommt der Name Tridentum („Drei Zähne“). Die Straßen wurden ausgebaut und zur zentralen Verkehrsachse für die Eroberung alpiner Gefilde umgewandelt. Nach dem Fall des Weströmischen Reiches herrschten verschiedene Völker, bevor die weltliche Gewalt im Jahr 1004 an die Bischöfe ging und dort acht Jahrhunderte verweilen sollte.

Das Konzil von Trient (1545 bis 1563) begründete die historische Bedeutung der Stadt und war Ausgangspunkt der Gegenreformation. In dieser Zeit wurden Teile Trients im Renaissancestil neugestaltet, später folgten weitere barocke Elemente. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 endete das Fürstbistum Trient, es folgten Eingliederungen in die Königreiche von Bayern, von Italien und von Österreich-Ungarn. Der Ausbau zur Festung in den 1870ern sollte die Stadt vor militärischen Angriffen schützten, die im Ersten Weltkrieg tatsächlich folgten. Trient und die umgebende Region waren Schauplatz heftiger Kämpfe. Mit dem Vertrag von Saint-Germain ging das Trentino an Italien. Mittlerweile zählt die Region zu den wohlhabendsten des Landes.

Der Domplatz

©Bigstock.com/johannes8

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Die erste Station deiner Stadttour führt dich direkt in das Herz von Trient. Auf dem Domplatz befindet sich das einstige Zentrum der Macht eines gewaltigen Fürstbistums. Mehrere monumentale Gebäude und ein nicht minder spektakulärer Brunnen erwarten dich auf und rund um den Platz:

  • Kathedrale San Vigilio: Im Dom fand das Konzil von Trient statt. Hier wurden wichtige Dekrete erlassen, welche die Basis für die Gegenreformation bilden sollten. Bereits Ende des 4. Jahrhunderts gab es hier eine frühchristliche Basilika, damals vor allem als antike Kultstätte dienend. Ab 1212 ließ Bischof Friedrich von Wangen den Bau einer romanischen Kathedrale in Angriff nehmen. Die prächtige Gestaltung der Außenfassade mit Pilastern, Türmen und Blendarkaden sowie imposanten Fenstern und Statuen fällt sofort ins Auge. Der barocke Baldachin über dem Hauptaltar sowie klassisch christlichen Fresken an der Nordwand des Querschiffs zeugen von der bewegten Geschichte der Kathedrale.
  • Palazzo Pretorio: Im 11. Jahrhundert „wanderte“ der Bischofspalast auf den Domplatz, unmittelbar neben das heutige San Vigilio. Restaurierungsarbeiten zwischen 1953 und 1964 förderten die ursprüngliche romanische Baustruktur wieder zutage. Der Palast mit dem gewaltigen Glockenturm beheimatet heute das Diözesanmuseum.
  • Neptunbrunnen: Zwischen 1767 und 1769 entstand dieser barocke Brunnen, nahezu in der Mitte des Domplatzes aufgestellt. Andrea Malfattis bronzene Neptunstatue ist allerdings eine Nachbildung. Das steinerne Original von Francesco Antonio Giongo findest du im Hof des städtischen Rathauses.

 

Die Museen Trients

Eine erstaunlich hohe Dichte an Museen verschiedenster Epochen und Themenkreise zieht sich durch alle Ecken und Enden Trients. Hier treffen alte Meister auf moderne Kunst und alpine Errungenschaften auf Luftiges. Folgende fünf Einrichtungen sollten unbedingt Teil deiner Urlaubspläne sein.

  • Tridentinisches Diözesanmuseum: Im ehemaligen Bischofspalast Palazzo Pretorio befindet sich heute diese Kunst- und Kultursammlung mit Werken vom 11. bis zum 19. Jahrhundert. Beim Museumsrundgang kannst du die benachbarte Kathedrale von oben sehen und die Überreste der Porta Veronensis betrachten. Die archäologische Ausgrabungsstätte der frühchristlichen Basilika gehört zwar ebenso zum Diözesanmuseum, kann aber nur über San Vigilio betreten werden.
  • MART: 2002 wurde das Museo d’arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto, kurz „MART“, an zwei Standorten eingerichtet. Neben dem Hauptgebäude in Rovereto, ca. eine halbe Autostunde entfernt, kannst du auch in Trient packende moderne und zeitgenössische Kunst betrachten.
  • Historisches Museum der Alpini: Italienische Gebirgstruppen sind in diesem Museum auf dem Hügel Doss Trento zuhause. Es wurde neben einem Mausoleum für die Alpini-Offiziere Trients und den Irredentisten Cesare Battisti errichtet. Hier erhältst du faszinierende Einblicke in die Geschichte verschiedener, auf Gebirgseinsätze spezialisierter Truppen.
  • Luftfahrtmuseum Gianni Caproni: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte Gianni Caproni eines der wichtigsten Luftfahrtunternehmen der Welt. Schon früh begann der Luftfahrtingenieur, seine wichtigsten Flugzeugmodelle zu sammeln. Heute kannst du bedeutende Flieger aus der Pionierzeit, der Kriegs- und Nachkriegszeit betrachten.

 

Was es sonst noch zu sehen gibt

©Bigstock.com/rparys

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Wenn es dir so wie uns geht, dann kannst du bestimmt auch nicht genug von Trient bekommen. Wir haben noch etwas für dich vorbereitet:

  • Dante-Denkmal: Inspiriert vom Walther von der Vogelweide-Denkmal in Bozen, sicherte sich Gugliemo Ranzi 1889 die Unterstützung der Obrigkeit für ein Monument zu Ehren Dante Alighieris. Die Bronzestatue von Cesare Zocchi zeigt Szenen aus der Divina Commedia, über denen der Dichter selbst thront.
  • Castello del Buonconsiglio: Bis 1796 diente diese Niederungsburg auf einem Felsvorsprung in der Altstadt als Bischofssitz. Das denkmalgeschützte Castello zählt zu den wichtigsten Gebäuden Trients und fungiert unter anderem als Ausstellungsraum sowie Gedenkstätte. Das kunsthistorische Museum Museo Provinciale d’Arte, das Museo Storico sowie die Pinakothek befinden sich ebenfalls hinter den Burgmauern.
  • Buco di Vela: Im Rahmen des Ausbaus der Befestigungsanlagen entstand diese Anlage zur Abschottung des Valle di Rio Vela. Bis 2004 führte eine stark befahrene Straße durch den Torbogen der einstigen Straßensperre und beschädigte das Bauwerk zunehmend. Ein Straßentunnel leitet seither rundherum und ermöglichte letztlich die Wiederherstellung der Originalstruktur, heute Heimat eines Museums über den österreichisch-ungarischen Festungsbau.

 

Vom Domplatz über die Museen bis zur imposanten Festungsanlage ist Trient stets eine Reise wert. Wo einst Bischöfe 800 Jahre lang die Geschicke einer ganzen Region lenkten, erwartet dich heute eine hochspannende Kunststadt, die zahlreiche Einblicke in ihre spannende Geschichte ermöglicht und zugleich zu einer Fülle von Wanderungen und Bergtouren in unmittelbarer Umgebung einlädt. Viel Spaß bei deiner Tour über Berg und Tal!

Bozen – Kunststadt mit einzigartiger Schlossdichte

Die Hauptstadt Südtirols gilt als ausgewiesenes Highlight unter Wintertouristen und Kurgästen. In Bozen kommen verschiedene Sprachgruppen und Kulturkreise vor dem Hintergrund einer zeitweise alles andere als harmonischen Geschichte zusammen. Die einzigartige Rolle Bozens als Kunststadt wird dabei gerne vergessen. Bewegende wie wichtige Kunstschätze und die höchste Schlossdichte Europas wissen auf vielfältige Weise zu begeistern. Und das sind nur zwei von vielen Aspekten, die Bozen zu einer populären Urlaubsdestination machen. Wir begleiten dich auf einem Blick hinter die Kulissen.

Ein Spätzünder zwischen zwei Kulturkreisen

Kunststadt Bozen

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Im Gegensatz zu vielen anderen italienischen Städten war Bozen zu Zeiten der Römer und der Völkerwanderung aufgrund seiner Sümpfe und häufigen Überschwemmungen – von einzelnen Minisiedlungen und einer römischen Straßenstation abgesehen – weitestgehend unbedeutend. Dafür wurden im Mittelalter zahlreiche Burgen im Bozener Becken errichtet. Die heutige Stadt entstand um 1170 bis 1180 als planmäßige Marktsiedlung rund um einen Marktplatz und von Lauben gesäumten Gassen. Erst für 1437 ist ein förmliches Bozener Stadtrecht bezeugt.

Die ehemalige Messestadt verlor an Bedeutung, bis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Tourismus als führender Industriezweig entdeckt und ausgebaut wurde. Ein Denkmal für den berühmten mittelalterlichen Dichter Walther von der Vogelweide aus dem Jahr 1889 markierte den Übergang zwischen dem deutschen und italienischen Sprachraum. Mit der Bürgermeisterwahl von Dr. Julius Perathoner 1895 begann eine überaus aktive Zeit – Stadtmuseum, Theater, Brücken, Schulen, Promenaden und Straßenbahnlinien wurden errichtet sowie ausgebaut. Im Zuge der Italienisierung entstanden zahlreiche Industriebetriebe, zudem gestaltete die faschistische Regierung ab 1928 das Stadtbild neu. Bis heute bestehen gewisse Spannungen zwischen den Bozener Sprach -und Volksgruppen, und doch versteht man sich nicht nur sprachlich gut.

 

Schlösser und Ansitze

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Das Bozener Becken verfügt über die höchste Burgendichte Europas mit rund 40 Anlagen auf engstem Raum, die ab dem 12. Jahrhundert von Adeligen auf vornehmlich exponierten Punkten errichten wurden. Zahlreiche prestigeträchtige Schlösser und Ansitze können auch heute noch in und rund um Bozen besichtigt werden. Folgende Favoriten solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen:

  • Schloss Runkelstein: Auf unebenem Boden erlebst du die Bozener Geschichte hautnah. Das öffentlich zugängliche Schloss Runkelstein entstand wohl um 1237 und wurde in späteren Zeiten mehrfach zerstört sowie wiederhergestellt. Besonderes Augenmerk gilt dem mittelalterlichen, von 1388 bis 1410 entstandenen Freskenzyklus. Er zeigt biblische Szenen, Heiligendarstellungen sowie literarische und höfische Motive seiner Zeit. Die Runkelsteiner Fresken gelten heute als eine der wichtigsten Quellen für die Bekleidungsgeschichte des späten Mittelalters.
  • Schloss Maretsch: Östlich der Talferpromenade erhebt sich diese imposante Niederungsburg aus dem 13. Jahrhundert. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie allerdings erst ca. 300 Jahre später, als der Ausbau zur Schlossanlage mit vier Rundtürmen sowie Renaissancefresken erfolgte. Schloss Maretsch dient heute vor allem als Seminarzentrum und kann auf Anfrage besichtigt werden.
  • Haselburg: Die Herren von Haselburg, deren Name vom Bozener Stadtteil Haslach abstammt, errichteten diese Burg im 13. Jahrhundert. Ebenfalls in späteren Jahren stark umgebaut, machte ein verheerender Brand weite Teile im 18. und 19. Jahrhundert zur Ruine. Das heutige Kongresszentrum mit Gastwirtschaft zeichnet sich vor allem durch motivreiche Renaissancefresken aus.
  • Ansitz Compil: Dieses prächtige Gebäude, auch Compill, Klebelsberg oder Brandisserhof genannt, steht stellvertretend für die zahlreichen Ansitze Bozens. Der denkmalgeschützte Ansitz wurde erstmals im 13. Jahrhundert als kleinadeliger Besitz der Reifer von Compil genannt. Seine heutige Form erlangte das prächtige Gebäude durch einen neugotisch-englischen Umbau gegen 1870.

 

Die Kirchen Bozens

Kunststadt Bozen

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Bozen ist aber nicht nur Heimat unzähliger Schlösser, Burgen und Ansitze, sondern ebenso eine echte Kirchenstadt mit prächtiger architektonischer Vielfalt, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reicht. Folgende Kirchen mit einzigartigen Kunstschätzen empfehlen wir dir wärmstens:

  • Dom Maria Himmelfahrt: Die Ursprünge des Doms und Bischofsitzes gehen auf das Jahr 1180 zurück, als eine Pfarrkirche im romanischen Stil erbaut wurde. Als Bozen wuchs, kam um 1300 ein spätgotischer Neubau hinzu, später folgten unter anderem das Leitacher Törl mit seinen Skulpturen, der Turm und das Stiftskapitel. Verschiedene spätgotische Fresken und neugotische Seitenaltäre sowie eine Pietà aus der Zeit des Weichen Stils zieren das Innere des Doms. Das besonders verehrte, historische Herz-Jesu-Bild von Johann Josef Karl Henrici wird ebenfalls in Maria Himmelfahrt aufbewahrt.
  • Alte Pfarrkirche Gries: 1788 verlor die römisch-katholische Kirche zu Unserer Lieben Frau ihren Rang als Pfarrkirche im Stadtviertel Gries-Quirein zugunsten der neuen Stiftskirche. Sie befindet sich aufgrund ihrer wertvollen Kunstschätze unter Denkmalschutz. Von besonderer Bedeutung sind das kurz nach 1200 entstandene, romanische Kruzifix sowie der unvollständig erhaltene, spätgotische Schnitzaltar von Michael Pacher.
  • Dominikanerkirche: Auch diese Kirche, zu der ein ehemaliges Kloster gehört, hat große kunsthistorische Bedeutung. So zählt der Mönchschor zu den ältesten Zeugnissen gotischer Sakralarchitektur in Tirol. Eindrucksvolle gotische Wandmalereien und ein hochklassiges barockes Altarbild von Guercino im Langhaus führen durch zahlreiche kunstgeschichtliche Jahrhunderte.
  • Franziskanerkirche: Drei große Glasfenster aus der Nachkriegszeit erheben sich in der Apsis. Sie sind der modernste Teil dieses Klosterkomplexes, in dessen Kapelle der junge Franz von Assisi einst bei einer Messe ministriert und die Glocke geläutet haben soll. Ein prächtiger Schnitzaltar und bedeutsame Fresken im Kreuzgang führen durch 800 Jahre Kunst- und Kirchengeschichte.

 

Weitere Bauwerke und Museen

Bevor wir uns komplett in den sakralen Wunderwerken Bozens verlieren, wollen wir dir noch ein paar modernere Gebäude und Monumente ans Herz legen:

  • Südtiroler Archäologiemuseum: Der Mann vom Tisenjoch „wohnt“ in der Museumstraße von Bozen. Gemeinhin besser als Ötzi bekannt, ist die Gletschermumie Teil der Sammlung eines der bedeutendsten archäologischen Museen Italiens. Packende Einblicke in die frühe Vergangenheit des südlichen Alpenraums widmen sich vornehmlich Funden von der Altsteinzeit bis zur Völkerwanderung.
  • Museion: Ein 54 m langer und 25 m hoher Kubus erhebt sich am Ende einer Brücke mit schwingenden Kurven. Seit 2008 befindet sich das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in diesem hochspannenden Gebäude, das für sich alleine bereits ein gewaltiger Hingucker ist.
  • Siegesdenkmal: Der Faschismus sorgte in Südtirol und speziell Bozen für unfreiwillige Italienisierung. Anstelle eines Denkmals für Kriegstote aus dem Ersten Weltkrieg wurde dieses mächtige Monument errichtet. Wenig überraschend war das Siegesdenkmal jahrzehntelang Gegenstand heftiger Debatten. Seit 2014 befindet sich ein Dokumentationszentrum zur Bozner und Südtiroler Geschichte während des Faschismus in den unterirdischen Räumlichkeiten.
  • Casa Littoria: Wie das Siegesdenkmal wurde auch das ehemalige Parteigebäude der Nationalen Faschistischen Partei zum Mahnmal umgestaltet. Zahlreiche Infotafeln erklären den historischen Hintergrund und die Reliefs sowie eingemeißelten, heute verbotenen faschistischen Organisationen. Das Casa Littoria dient heute als Verwaltungsgebäude.
  • Messner Mountain Museum Firmian: Sechs Standorte in den italienischen Provinzen Südtirol und Belluno bilden das Bergmuseum des weltberühmten Extrembergsteigers Reinhold Messner. Das Museumsprojekt Firmian in Bozen hat seinen Sitz im spätmittelalterlichen Schloss Sigmundskron. Zu den MSM-Eckpfeilern zählen das Verhältnis von Alpinismus, Tourismus, Mensch und Natur, dargestellt anhand zahlreicher Bilder, Skulpturen und Erinnerungsstücke.

 

Der Magie Bozens kann man sich kaum erziehen. Obwohl die Geschichte der Stadt vergleichsweise jung ist, handelt es sich hierbei doch um eine Kunststadt im wahrsten Sinne des Wortes. Von der hohen Burgendichte über die prächtigen Kunstschätze in den Kirchen bis zum offenen Umgang mit der jungen, düsteren Geschichte der Stadt ist Bozen stets eine Reise wert.