Kunststadt Salerno – Kampaniens Geheimtipp

Salerno zählt ohne Frage zu Süditaliens größten verborgenen Schätzen. Unweit der Amalfiküste gelegen und keine Stunde von Neapel entfernt, entpuppt sich die zweitgrößte Stadt Kampaniens als echtes Juwel voller Gemütlichkeit. Aufgrund seiner Nähe zu den vielleicht populärsten touristischen Attraktionen der Region verirren sich Touristen vergleichsweise selten nach Salerno, doch gibt es hier so viele spannende Dinge für dich zu entdecken. Die Küstenstadt ist reich an prächtigen Sehenswürdigkeiten, an greifbarer Geschichte und an südländischem Flair mit seinen unzähligen Cafés, Bars und Restaurants, von der kleinen, aber feinen Strandpromenade ganz zu schweigen. Lass uns gemeinsam die Kunststadt Salerno erkunden!

 

Handelszentrum, Medizinschule, touristischer Neustart

Salernos ideale Lage zog bereits früh erste Völker an. So war das Gebiet bereits zwischen dem 9. und 6. Jahrhundert v. Chr. besiedelt, wie der Fund von Überresten einer Mumie aus der Jungsteinzeit belegt. Später von den Etruskern kolonisiert und schließlich von den Römern kontrolliert, wurde die einstige Militärfestung zu einem florierenden Handelszentrum. Unter den Langobarden erreichte Salerno seine Blütezeit mit der überaus wichtigen medizinischen Schule von Salerno, wo im 11. Jahrhundert eine eigenständige abendländische Medizin entstand. Als die Normannen den Süden Italiens eroberten, machten sie Salerno zu ihrer Hauptstadt.

 

Gemeinsam mit Amalfi wurde Salerno im Hochmittelalter erneut zum wichtigen Handelszentrum für Nordafrika und Sizilien. In späteren Jahrhunderten war das Schicksal der Stadt eng an jenes des Königreichs Neapel geknüpft. Unter den Fürsten von Sanseverino gab es einen weiteren kulturellen, wirtschaftlichen und medizinischen Aufschwung, doch setzte nach deren Enteignung und Exilierung Mitte des 16. Jahrhunderts ein scharfer, anhaltender Niedergang ein, durch einen Pestausbruch und schwere Erdbeben vorangetrieben. Als wichtiger Teil des Risorgimento und der frühen Industrialisierung wuchs die Stadt ab 1830 wieder stark, die Neuausrichtung auf Tourismus mit Wiederbelebung der Altstadt sollte allerdings bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts dauern.

 

Salernos Kirchen

©Bigstock.com/Claudiogiovanni

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Speziell in den 1990er Jahren, nachdem der erste touristische Bauboom etwas abebbte, legte man den Fokus auf die Renovierung und Sanierung der klassischen Sehenswürdigkeiten, und davon gibt es in Salerno eine ganze Menge. Sehen wir uns zunächst die Kirchen an:

  • Cattedrale di Salerno: Drei Jahre nach der Machtübernahme der Normannen von den Langobarden, 1080, begannen die Bauarbeiten an der Kathedrale San Matteo. Sie ist die älteste große Kirche der arabisch-normannischen Baukunst aus einer Zeit vor der Einführung von Spitzbögen. 28 antike Säulen und diverse römische Sarkophage zieren den Portikus. In der Krypta sollen sich die Überreste des Apostels Matthäus befinden.
  • Sant’Andrea de Lavina: Der kleine Strom Lavina fungierte einst als eine Art Entwässerungskanal und fließt immer noch unter einer Straße unweit dieser bereits im 9. Jahrhundert erbauten Kirche. Was Sant’Andrea de Lavina so spannend macht, sind die anhaltenden Ausgrabungsarbeiten, welche die einstige Verwendung dieses Areals als Friedhof sehr plastisch offenlegen.
  • Chiesa San Pietro a Corte: Der Begriff „Kirche“ ist in diesem Zusammenhang vielleicht etwas irreführend, denn eigentlich beheimatet San Pietro a Corte einen großen archäologischen Komplex mit (vermuteten) Überresten von römischen Bädern, einer frühchristlichen Grabstätte, einer möglichen Halle der Medizinschule sowie einer Kapelle aus dem 12. Jahrhundert. Darüber und rundherum befinden sich unter anderem kleine Kirchen und Kapellen.
  • Santa Maria de Lama: Eine Kirche haben wir noch für dich und – Überraschung! – dieses Mal ist es auch wirklich eine. Santa Maria de Lama wurden während der lombardischen Blütezeit zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert erbaut. Im Inneren findest du unter anderem die einzigen Zeugnisse lombardischer Malerei im Form von Fresko-Fragmenten.

 

Die Paläste der Stadt

Wir legen jetzt erst so richtig los und bewegen uns etwas weg von der vielfältigen religiösen Architektur der Stadt. Salernos Palazzi könnten kaum bunter und spektakulärer sein:

  • Palazzo di Città di Salerno: 1936 im typisch faschistischen Stil seiner Zeit erbaut, wurden bereits acht Jahre später der erste italienische Ministerrat sowie die Regierung der nationalen Einheit hier einberufen. Neben dem Büro des Bürgermeisters dient das große Kino-Theater im Erdgeschoß heute als einer der beliebtesten Veranstaltungsorte der Stadt.
  • Palazzo Fruscione: Dieser Palast im ältesten Teil der Altstadt schindet nicht nur visuell ordentlich Eindruck, er verbirgt so manchen Schatz unter der Erde. Möglicherweise befand sich hier einst der Palast des langobardischen Herzogs Arichis II., der von 758 bis 787 die Geschicke der Region lenkte. Außerdem wurden hier Mosaike und Fresken aus dem 2. Jahrhundert sowie Überreste eines Thermenkomplexes gefunden.
  • Palazzo Pinto: Der einstige Palast der gleichnamigen Nobelfamilie erfuhr zwar so manchen Umbau im Laufe der Zeit – die aktuelle Gestaltung lässt sich wohl auf die Mitte des 17. Jahrhunderts datieren – doch kannst du trotzdem spannende mittelalterliche Spuren entdecken. Die Simse und Bögen sind normannischen Ursprungs. Mittlerweile beherbergt Palazzo Pinto eine kleine, feine Pinakothek.
  • Palazzo Santoro: Der Florentiner Architekt Gino Coppedè entwickelte im römischen Stadtteil Trieste von 1915 bis 1926 ein fantasievolles, über 30.000 m² Areal im italienischen Jugendstil. Palazzo Santoro ist eines seiner überaus seltenen Werke im Kampanien. Das siebenstöckige Gebäude an der Uferzeile wurde zum eklektischen, bizarren Meisterwerk, wie ein aus der Zeit gefallenes Märchen.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten in Salerno

©Bigstock.com/tanialerro

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Bestimmt geht es dir wie uns und du kannst einfach nicht genug von Salerno bekommen. Keine Sorge, wir haben da noch ein Ass im Ärmel. Oder gleich vier, um genau zu sein:

  • Museo Archeologico Provinciale: Erlebe die Region Salerno im historischen und kulturellen Wandel bei einem Besuch des archäologischen Museums. Funde von der Steinzeit bis ins Mittelalter widmen sich unter anderem Exponaten aus samnitischer, etruskischer und römischer Zeit. Der Kopf von Apollo von Pasiteles wurde einst in einem Fischernetz gefunden und zählt zu den schönsten Stücken dieser gewaltigen Sammlung.
  • Castello di Arechi: Eines der ältesten Monumente der Stadt befindet sich auf einem Hügel ca. 300 m über dem Meeresspiegel. Arichis II. baute eine alte Befestigungsstruktur aus römisch-byzantinischer Zeit zu dieser mächtigen Festung aus. Hier kannst du unter anderem ein Museum mit verschiedenen Funden aus der langen Schlossgeschichte sowie wunderbare Aussichtsplattformen mit Weitblick über den Golf von Salerno besuchen.
  • Forte La Carnale: Andrea Di Gaeta, ein Unternehmer aus der Region, ließ dieses Kastell 1569 als Teil eines Verteidigungssystems gegen die wiederholt einfallenden Sarazenen erbauen. Mittlerweile wurde es in einen großen Sportkomplex mit bezaubernder Gartenanlage eingebettet. Der Blick aufs Meer von der Terrasse reicht an klaren Tagen sogar bis zur Amalfiküste und der Küste von Cliento.
  • Giardino della Minerva: Apropos Garten: Was im Mittelalter als didaktische Einrichtung für Salernos Medizinschule ihren Anfang nahm, zählt mittlerweile zu den schönsten botanischen Gärten Italiens. Über 300 verschiedene Pflanzenarten, darunter viele seltene Gewächse, die bereits in der mittelalterlichen Medizin eingesetzt wurden, präsentieren sich in thematisch gruppierten Bereichen.

 

Die Kunststadt Salerno ist gewiss kein großer touristischer Hotspot, sicherlich der Nähe zu Neapel und der Amalfiküste geschuldet. Gerade das macht dieses bezaubernde Fleckchen Erde in Kampanien so faszinierend. Ob du dich nun für die wirklich spektakuläre Geschichte der Stadt interessierst oder lieber durch die zahlreichen Gässchen flanieren möchtest – zwischen eindrucksvollen archäologischen Entdeckungen und einer Tasse Kaffee mit Meeresblick bleiben keine Wünsche offen.

Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert

©Bigstock.com/vvoevale

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Padua gilt als eine der schönsten Städte Italiens, und das kommt nicht von ungefähr. Der älteste botanische Garten der Welt zieht als UNESCO-Weltkulturerbe seit jeher Gäste aus aller Welt an, und die Altstadt mit ihren Kirchen, Kapellen und Palästen ist stets einen Spaziergang wert. Eigentlich sogar mehr als einen Spaziergang, denn seit 2021 verfügt Padua über eine zweite Welterbestätte, die dich mitten in den historischen Stadtkern führt. Hinter der Überschrift „Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert“ verbergen sich Decken- und Wandmalereien von unschätzbarem Wert, die sich über acht verschiedene Gebäude erstrecken. Welche Gebäude das sind, welche Künstler dahinter stecken und was die Freskenkunst des sogenannten Trecento so besonders macht, erfährst du selbstverständlich hier.

 

Kunstrevolution im Trecento

Das 14. Jahrhundert revolutionierte die Welt der italienischen Künste. Neben Literatur und Musik machte sich die Protorenaissance selbstverständlich auch bei Malern und Bildhauern bemerkbar, das sogenannte „Trecento“ (eine Kurzform von „milletrecento“, das italienische Wort für „1300“) war angebrochen. Siena, Pisa und auch Padua entwickelten ihre eigenen Kunstschulen, deren Techniken und Innovationen sich schnell über das ganze Land und bis weit über die Landesgrenzen hinaus ausbreiteten. In dieser Zeit hielten zwei große Neuerungen Einzug in Italiens Studios: die Sinopie und das Tagwerk.

 

Bis weit ins 13. Jahrhundert hinein stand das sogenannte „Pontata“ an der Tagesordnung. Diese Vorgehensweise konzentrierte sich auf die Fertigstellung größerer, vordefinierter Putzflächen entlang der Gerüstlagen, unabhängig von Motivgrenzen. Das Tagwerk bemühte sich hingegen darum, komplette Motive bzw. Teilmotive innerhalb eines Tages abzuschließen und diese somit einheitlicher wirken zu lassen. Um diesen Effekt der strukturierten Uniformität zu erreichen, kamen Sinopiezeichnungen zum Einsatz. Während die Meister weite Freskenteile anhand der Sinopieskizzen anfertigten, erhielten ihre Assistenten kleinere Bereiche für Fein- und Detailarbeit. Durch diese deutlich genauere Ausarbeitung des Bildentwurfs erreichten die Künstler des Trecento komplexere räumliche Tiefe und kompositorische Gliederung. Und genau das erwartet dich in Paduas Freskengebäuden.

 

Die wichtigsten Fresko-Protagonisten Paduas

An den Welterbe-Freskenzyklen waren zahlreiche Künstler beteiligt. Sie alle aufzulisten, würde wohl den Rahmen sprengen, und so präsentieren wir dir drei besonders wichtige Vertreter:

  • Giotto: Der Wegbereiter der italienischen Renaissance wuchs als Sohn eines Schmiedes in Florenz auf und ist entsprechend eng mit der toskanischen Stadt verbunden. Sein Hauptwerk schuf er dennoch in Padua. Giotto gilt als Begründer der Trecento-Freskomalerei. Seine Vorbereitung der Perspektive sowie die Natürlichkeit und Lebendigkeit seiner Figuren revolutionierten die Kunstwelt und entfernten sich von der bis dato vorherrschenden Zweidimensionalität.
  • Giusto de‘ Menabuoi: Ob Giusto nun ein Schüler Giottos erster oder zweiter Generation war, ist nicht restlos geklärt. Ebenfalls ursprünglich in Florenz ansässig, schuf er in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts unzählige Fresken von unschätzbarem Wert und wirkte unter anderem in Mailand. Räumliche Effekte und eine Vorliebe für helle Farben in reicher Zahl zeichnen Giustos Werk aus.
  • Guariento di Arpo: Im Gegensatz zu seinen prominenten Trecento-Zeitgenossen wurde Guariento di Arpo tatsächlich in Padua geboren. Sein erster großer Auftrag war ein Zyklus von Engelsbildern für die Kapelle der Carrara-Residenz. Guariento erlernte seine Künste zwar in Padua und steuerte mehrere Welterbe-Freskenzyklen bei, doch darf seine Rolle als Verbreiter von Giottos Innovationen auf keinen Fall unerwähnt bleiben. Sein Paradiesbild im Dogenpalast trieb die Zurückdrängung der in Venedig überwiegend byzantinisch geprägten Kunst voran.

 

Acht Gebäude und ihre Freskenzyklen

©Bigstock.com/e.della

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Nun bist du mit der Innovation des Trecento sowie einigen Künstlern hinter den Freskenzyklen vertraut. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Hauptattraktion – ein Blick auf jene acht Gebäude, um die sich die UNESCO-Welterbestätte „Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert“ dreht:

  • Cappella degli Scrovegni: Wo sich einst das antike Amphitheater befand, erhebt sich heute die erste Adresse für Freskenkunst in Padua. Giotto malte die Kapelle während ihrer Erbauung von 1302 bis 1306 aus. Das einflussreise Hauptwerk des Meisters konzentriert sich auf Szenen von Marias Eltern, Maria selbst und Jesus sowie eine Darstellung des jüngsten Gerichts. Das Tonnengewölbe mit seinem tiefblauen, von goldenen Sternen bedeckten Himmel thront über den atemberaubenden Fresken. Bitte beachte, dass die Kapelle nur nach Voranmeldung für maximal 15 Minuten besucht werden darf.
  • Chiesa degli Eremitani: Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zogen diese Kirche neben der Scrovegni-Kapelle stark in Mitleidenschaft, durch wurde sie umfassend restauriert. Die Fresken erwarten dich im Presbyterium, wo Guariento di Arpo und seine Schüler wirkten, sowie in der Ovetari-Kapelle. Hier sind nur zwei Fresken von Andrea Mantegna, Niccolò Pizzolo und zwei weiteren Malern gut erhalten, der Rest wurde in Bruchstücken restauriert.
  • Palazzo della Ragione: Das einstige kommerzielle Zentrum Paduas mit dem Gerichtssaal im Obergeschoß verlor die Originale von Giotto und Schülern leider an einen Brand. Nicolò Miretto konnte diese ab 1425 in leichter Abwandlung wiederherstellen. Der Freskenzyklus im riesigen Saal zeigt Monats- und Planetenallegorien, Tierkreiszeichen, die dazugehörigen Heiligen sowie typische Berufe und Tätigkeiten.
  • Loggia dei Carraresi: Die Herrschaftsresidenz der Carrara-Familie, wo Guariento di Arpo seine ersten Gehversuche wagte, gibt es heute nur mehr in kleinen Teilen. Diese Loggia mit Szenen aus dem Alten Testament entstand wohl Mitte des 14. Jahrhunderts. Obwohl die Öffnung dieser Räumlichkeit zur Beschädigung oder sogar zum Verlust einiger Fresken führte, sind die überlebenden biblischen Darstellungen mehr als sehenswert.
  • Battistero del Duomo: Neben der vergleichsweise schlicht gehaltenen Kathedrale befindet sich ein Baptisterium im romanischen Stil, das 1281 vollendet und erst ein Jahrhundert später mit Fresken von Giusto de‘ Menabuoi ausgemalt wurde. Dieser hervorragend erhaltene Zyklus breitet die Lebensgeschichten von Jesus und Johannes dem Täufer an den Wänden und der Kuppel aus.
  • Complesso della Basilica di Sant’Antonio di Padova: Die Basilika des Heiligen Antonius ist wahrscheinlich die wichtigste, prächtigste und vielfältigste Sehenswürdigkeit Paduas. Ein weiterer tiefblauer Himmel mit goldenen Sternen und ausladenden Verzierungen führt dich durch dieses monumentale Gebäude. Die Seitenkapellen sind mit kompletten Freskenzyklen ausgestattet. Besonderes Augenmerk gilt der Kapelle des heiligen Jakobus im rechten Querschiff. Altichiero da Zevios Hauptwerk widmet sich unter anderem einer Kreuzigungsgruppe und der Geschichte des Heiligen Apostels Jakob.
  • Oratorio di San Giorgio: Im Schatten der Basilika lauert ein weiteres Meisterstück von Altichiero da Zevio. Das Oratorio di San Giorgio ist ebenfalls mit prächtigen Fresken ausgestattet. Der Fokus liegt auf dem Leben Jesu und diverser Heiliger. Mehrere Martyrien-Darstellungen glänzen durch besondere Eindrücklichkeit. In einer weiteren spektakulären Szene rettet Ritter Georg eine Prinzessin vor einem Drachen.
  • Oratorio di San Michele: Abschließend befassen wir uns mit einer relativ kleinen, beinahe unscheinbaren Kapelle, die 1397 als Lückenbüßer in einer zerstörten Kirche entstand. Giacomo da Verona widmet diesen Freskenzyklus dem Leben der Jungfrau Maria mit allen typischen Szenen von Verkündigung über Christi Geburt bis Tod. Bei genauem Blick auf die umfangreichen Darstellungen, die sich sogar über das Innere von Torbögen erstrecken, entdeckst du unter anderem einen versteckten Petrarca.

 

Das Erbe des Trecento breitete sich in Windeseile über ganz Italien und weite Teile Europas aus. Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert demonstrieren die einzigartige Wirkung der wichtigsten Meisterwerke auf eindrucksvolle Weise. Sämtliche Meister an einem Ort, acht prächtige Gebäude mit magischen Freskenzyklen und eine Vielfalt faszinierender Darstellungen in nicht minder faszinierender Architektur – mit Sicherheit eine Zusammenstellung, die vollkommen zurecht „Weltkulturerbe“ genannt wird. Übrigens gibt es noch viele weitere Fresken in ganz Padua zu entdecken, am besten im Rahmen deines nächsten Städteurlaubs!

Die Arkadengänge von Bologna

Bolognas Reichtum an alten, überwiegend hervorragend erhaltenen Strukturen macht die Stadt in der Emilia Romagna zu einer der beliebtesten Destinationen für Kunst- und Kultureisen. Neben den imposanten mittelalterlichen Türmen zählen die Arkadengänge zu den wichtigsten Ausdrucksformen der urbanen Identität Bolognas. In der Altstadt alleine dehnen sie sich über mehr als 38 Kilometer aus, mit den Arkaden außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern erreicht diese Zahl sogar stolze 53 Kilometer. Angesichts der kulturellen und künstlerischen Bedeutung erhielten zwölf repräsentative Arkadengänge von Bologna im Jahr 2021 Weltkulturerbe-Status von der UNESCO. Und genau diese besonders wichtigen Arkadengänge stellen wir dir näher vor.

 

Wie die Arkadengänge entstanden

©Bigstock.com/Boris Stroujko

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Arkadengänge oder Bogengänge bezeichnen zu einer Seite offene Gänge, die Loggia-artig zwischen einem oder mehreren Gebäuden liegen. Durch eine Abfolge nebeneinanderliegender Arkaden entsteht diese offene Seite. Meist umspielen Arkadengänge repräsentative Gebäudefassaden und können sogar ganze Straßenzüge umfassen. Als nächstes Vorbild kommen wohl die Kreuzgänge mittelalterlicher Klöster in Frage. Bolognas Arkadengänge erschienen nahezu spontan im Stadtbild des, so vermutet man, frühen Mittelalters, und wurden im Jahr 1041 erstmals dokumentiert.

 

Ursprünglich erfüllten Arkadengänge den Zweck, mehr Wohnraum für Privatgebäude zu schaffen. Während der Bogengang auf öffentlichem Land problemlosen Durchgang für alle ermöglichte, schuf er darüber zusätzlichen Platz für Privatanlagen. Diese Strukturen wuchsen mit der Zeit und boten neuen architektonischen Herausforderungen erfolgreich die Stirn. Ursprünglich hölzerne Verlängerungen wichen nach und nach Stützpfeilern, um ein Einstürzen der privaten Aufbauten zu verhindern. Einem Dekret des päpstlichen Statthalters Giovanni Battista Doria und des sogenannten Gonfaloniere (Bannerträger, eine einflussreiche Rolle im Mittelalter und der Renaissance) Camillo Paleotti am 26. März 1568 zufolge mussten alle Arkaden mit Ziegeln oder Stein neu errichtet wurden. Auf diese Weise nahmen die weltberühmten Arkadengänge Form an. Dennoch gibt es auch heute noch ein paar Holzarkaden.

 

Neun Arkadengänge in Bolognas Altstadt

©Bigstock.com/cge2010

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Arkadengänge gibt es in Bologna zwar in rauen Mengen, doch suchte sich die Welterbe-Kommission letztlich derer zwölf aus, welche von besonderer Bedeutung waren und auch heute noch sind. Gleich neun Arkadengänge von Bologna befinden sich innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern, und diese stellen wir dir nun näher vor:

  • Portici residenziali di Santa Caterina: Während einige Strukturen gerade im 19. und 20. Jahrhundert deutlich verändert, geradezu gentrifiziert wurden, überdauerten die Arkaden von Santa Caterina und Saragozza die Zeiten recht gut. Entlang kleiner Wohnhäuser angebracht, lassen sie sich wunderbar auf ihre mittelalterlichen Ursprünge zurückverfolgen und tragen sogar nach wie vor gewisse gotische Merkmale in ihren etwas engeren Aufbauten.
  • Piazza porticata di Santo Stefano: Als Teil der Basilika Santo Stefano sowie der sie umgebenden Strukturen des gleichnamigen Platzes halten diese Arkadengänge das Gesamterscheinungsbild sozusagen zusammen und dehnen sich bis zum Palazzo della Mercanzia aus. Spätmittelalterliche und Renaissance-Paläste treffen auf wichtige religiöse Gebäude, durch Arkaden förmlich zusammengeheftet.
  • Strada porticata di Galliera: Wo einst einige der wichtigsten Gebäude der alten römischen Stadt lagen, bemühen sich die Arkadengänge der Via Galliera heute um die klassischen Muster ebenso klassischer Gebäude. Die archetypische alte Strukturierung des Palazzo dal Monte oder die besondere Entasis der Stützpfeiler des Palazzo Bonasoni stehen für die einstigen repräsentativen Bestrebungen senatorischer Familien.
  • Portico del Baraccano: Die Verbindung zum Heiligtum Santa Maria del Baraccano schließt eine Vielzahl von Arkadengängen aus dem 16. und 17. Jahrhundert in unterschiedlichen Höhen zusammen. Über dem sogenannten Voltone del Baraccano schließen sich die Arkaden zwischen Heiligtum und Via Santo Stefano zusammen. Durch dieses Gewölbe sollte ein optischer und räumlicher Zusammenschluss zwischen dem Santuario sowie dem Armen- und Waisenhaus für Mädchen geschaffen werden.
  • Portici commerciali del Pavaglione e dei Banchi: Das Zusammentreffen hervorragend ausgebauter mittelalterlicher Plätze und späterer Renaissance-Neugestaltungen wird von besonders langen Arkadengängen ähnlich exquisit unterstrichen. Das Highlight ist wohl Pavaglione, der größte durchgehende Bogengang Bolognas. Wie die Arkaden der alten Universität nahtlos mit jüngeren Strukturen verbunden wurden, ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern.
  • Portici accademici di Via Zamboni: Unter dieser Arkadensammlung finden mehrere wichtige akademische Strukturen zusammen, darunter Palazzo Poggi, die Accademia di Belle Arti sowie die Pinacoteca Nazionale di Bologna. Seit über 200 Jahren steht die Via Zamboni stellvertretend für das studentische Leben der Stadt. Entsprechend hoch ist der symbolische Wert von Arkadengängen, die wie keine anderen für die Verbreitung von Wissen auf internationalem Niveau stehen.
  • Portici di Piazza Cavour e Via Farini: Zwei Plätze, eine Straße, mächtige Strukturen – eine Vielzahl wichtiger Arkadengebäude finden entlang dieses Zusammenschlusses zueinander. Diese Bogengänge zeigen besonders deutlich, wie die Neugestaltung der Altstadt im 19. Jahrhunderts etablierte architektonische Grundideen auf den Kopf stellte. Zwischen Piazza Cavour, Piazza Minghetti und Via Farini erwartet dich somit der Archetyp der modernen Schule der Arkadengestaltung.
  • Portici trionfali di Strada Maggiore: Bereits zu Zeiten der Römer diente die Strada Maggiore als wichtige Verkehrsachse, die sich im Mittelalter zu einer besonders edlen „Triumphstraße“ entwickelte. Bologna wuchs rund um die Strada Maggiore, und die Arkadengänge zeugen von dieser rasanten Entwicklung. Nach wie vor sind die mittelalterlichen Ursprünge hervorragend erkennbar und laden dich auf eine spannende Zeitreise ein.
  • Edificio porticato del MAMbo: Erst im 20. Jahrhundert verwandelte sich eine uralte Bäckerei in das MAMbo, Bolognas Museum für moderne Kunst. Dabei achtete man besonders darauf, die alten Arkadenstrukturen zu bewahren und zugleich zu modernisieren. Zwischen Industrialisierung und vorsichtiger Wiederherstellung früherer Größe fasst dieser Arkadengang wichtige Gebäude der Kultur- und Kreativszene der Stadt zusammen.

 

Drei weitere Weltkulturerbe-Arkadengänge

©Bigstock.com/Photocritical

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Damit wäre der Welterbe-Rundgang aber keinesfalls abgeschlossen. Die UNESCO-Stätte umfasst drei weitere Arkadengänge, die etwas außerhalb liegen, aber ebenso unbedingt gesehen und erlebt werden müssen:

  • Portico devozionale di San Luca: Bologna kennt mehrere Heiligtümer, und jenes der Madonna di San Luca ist gewiss von besonderer Schönheit. Das letzte Stück der Pilgerstraße wurde durch diesen Arkadengang, den längsten weltweit, erschlossen. Entlang der aufsteigenden Straße zum Heiligtum ist der Gang durch mehrere kleine Kapellen unterbrochen, die den Rosenkranzgeheimnissen gewidmet sind. Dieser weitestgehend kerzengerade Arkadengang erfreut sich übrigens großer Beliebtheit bei Läufern und Spazierengehern, gerade bei schlechtem Wetter.
  • Portico della Certosa: Auf Höhe des Friedhofs Certosa zweigt ein weiterer langer, gerader Arkadengang von jenem nach San Luca ab. Der Bogengang von Certosa gilt als einzigartiges Beispiel moderner Arkaden mit friedhofsartigem Charakter. Das Portico wurde nach einem Dekret Napoleons erbaut und versucht den Geist römischer Friedhofsstraßen einzufangen. Die internen Certosa-Arkadenstrukturen strahlen hingegen Renaissancegeist aus.
  • Edificio porticato del quartiere Barca: Das Aufeinandertreffen klassischer architektonischer Konzepte und moderner Neuinterpretationen macht auch vor den Arkadengängen von Bologna nicht Halt. Entlang der überaus funktional gehaltenen Gebäude von Treno della Barca breitet sich eine ellenlange Evolution der klassischen Bologneser Arkade aus. Stete Instandhaltung, oftmals durch die Bewohner, bewahrt auch heute noch die postmoderne Frische.

 

Ob klassisch und schroff oder bunt und modern: Die Arkadengänge von Bologna sind Zeugen bewegter Jahrhunderte und lassen sich prima auf ausgedehnten Stadttouren erkunden. Sie erschließen einige der wichtigsten Gebäude und Sehenswürdigkeiten, und führen dich gekonnt zu spannenden Plätzen jenseits der Altstadt. Neben diesen zwölf Weltkulturerbe-Gängen gibt es noch viele weitere Arkaden zu entdecken – eines von vielen Glanzlichtern für deinen nächsten Städteurlaub in Bologna.

Montecatini Terme: Bedeutende Kurstädte Europas

Auf Kur lässt es sich wunderbar entspannen und inneren Ausgleich finden. Nach schweren Eingriffen und (bei) gesundheitlichen Problem ist ein Kuraufenthalt vielerorts Pflicht geworden, um in einem ruhigen, vitalen Umfeld wieder auf die Beine zu kommen. Tatsächlich liegt die Blütezeit des Kurphänomens aber deutlich weiter zurück. Eine neue UNESCO-Weltkulturerbestätte fasst nun gleich elf traditionsreiche Kurorte zusammen, deren herausragende Bedeutung auch heute noch Bestand hat. Unter dem Titel „Bedeutende Kurstädte Europas“ lässt sich die kulturelle Bandbreite dieser Institutionen in Deutschland, Tschechien, Österreich, Belgien, Frankreich und Großbritannien erforschen und entdecken. Auch Italien ist mit einer Kurstadt vertreten: Montecatini Terme.

 

Phänomen Kuraufenthalt unter den Habsburgern

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Der Kurtourismus ist bzw. war tatsächlich ein überaus komplexes Phänomen, das neben gesundheitlichen Komponenten – für viele Kurgäste tatsächlich nur ein verschwindend geringer Beweggrund für weite Reisen – urbane, soziale und kulturelle Evolutionen und Revolutionen mit sich brachte. Obwohl die Kur an sich bereits in der Antike erste Wurzeln schlug, blühte sie von 1700 bis in die 1930er Jahre auf und übte entscheidenden Einfluss auf die Routen der Reisegesellschaften dieser Zeit aus. Die Habsburger spielten in dieser Zeit eine zentrale Rolle, und das gilt selbstverständlich auch für Montecatini Terme, diese bezaubernde Stadt mit ca. 21.000 Einwohnern in der toskanischen Provinz Pistoia.

 

Nach dem Aussterben der Familie Medici im Jahr 1737 wurde die Toskana dem Haus Habsburg-Lothringen zugesprochen. Unter Großherzog Peter Leopold (der spätere Kaiser Leopold II.) erlebte die Region einen gewaltigen Aufschwung. Mehrmals besuchte er Montecatini, um die Probleme und Unannehmlichkeiten der Region zu verstehen und erforschen zu lassen, ordnete den Abbruch diverser Schlösser und Wehren an, und ließ die thermo-mineralen Gewässer in Kanäle leiten. Hieraus entstand der Bäderkomplex der restaurierten Stadt, nunmehr der Inbegriff eines modernen Kurorts und über die folgenden Jahrzehnte umfassend renoviert. So wurden manche Quellen erst in späteren Zeiten entdeckt und die Thermenvielfalt der Kurstadt nahm immer weiter zu. Bis heute zählt Montecatini Terme zu den wichtigsten Gesundheitsresorts des Landes.

 

Die Kureinrichtungen von Montecatini Terme

©Bigstock.com/mazzzur

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Wie es sich für eine Kurstadt von Welt gehört, gibt es in Montecatini Terme nicht nur eine einzige Therme, sondern gleich ein ganzes Netzwerk an Kurhäusern und Kureinrichtungen. Wir haben die zehn wichtigsten Termen der toskanischen Stadt für dich zusammengefasst:

  • Terme Excelsior: Ursprünglich 1907 als Teil eines Casino-Gebäudes eröffnet, wurde die alte Struktur 1968 abgerissen und im Stile einer Loggia der Florentiner Renaissance neuerrichtet.
  • Terme La Fortuna: Nach Entdeckung der gleichnamigen Quelle 1853 entstand dieses Thermengebäude inmitten einer Gartenanlage ca. 60 Jahre später.
  • Terme La Salute: Ein Travertin-Steinbruch legte das Thermalwasser um 1860 offen. In der Zwischenkriegszeit breitete sich diese Institution auf stolze 7.250 m² aus.
  • Terme Nuove Redi: Obwohl erst 1920 erbaut, erfuhr Nuove Redi mehrere Neubauten und Renovierungen, zuletzt 2009 durch den Architekten Oreste Ruggiero.
  • Terme Regina: Dieser Teil des Tettuccio-Park wurde 1773 gegründet und zählt zu den ältesten Thermen der Stadt. Im Rahmen umfassender Umbauten erhielt sie ein Neo-Renaissance-Antlitz.
  • Terme Rinfresco: Mittlerweile ist diese Anlage aus dem Jahr 1795 leider geschlossen. Das Mosaik am Vorplatz solltest du dir dennoch nicht entgehen lassen.
  • Terme Tamerici: Vier auffällige Gebäude zieren diesen Komplex mitten im Spa-Park. Sie wurden rund um eine 1843 entdeckte Quelle erbaut.
  • Terme Tettuccio: Aus einer muschelförmigen Granitquelle inmitten der Therme fließt das gesunde Wasser. Die 1929 restrukturierte Anlage glänzt durch Spätrenaissance-Architektur.
  • Terme Leopoldine: Nach Peter Leopold, dem damaligen Großherzog der Toskana, benannt, trägt diese aktuell geschlossene Therme deutliche Spuren der Restauration in der Zwischenkriegszeit.
  • Terme Torretta: Der gleichnamige Fluss fließt durch diese Anlage und versorgt sie mit wertvollem Wasser. Auch Terme Torretta erfuhr extensive Erneuerungen vor dem Zweiten Weltkrieg.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten in Montecatini Terme

Ein Kuraufenthalt in Montecatini Terme lässt sich prima mit etwas Sightseeing verbinden. Die Thermen sind für sich bereits packende Sehenswürdigkeiten, doch wollen wir dir diese weiteren Glanzlichter auf keinen Fall vorenthalten:

  • Santa Maria Assunta: Da im Zuge des Ausbaus Montecatinis zur Kurstadt zahlreiche alte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wurden, ist diese Kirche eine recht neue Struktur, die in ihrer heutigen Form erst 1962 fertiggestellt wurde. Das achteckige Gebäude mit vier Seitenkapellen verbindet Alt und Neu.
  • Villa Forini Lippi: Dieser Komplex existierte bereits im 17. Jahrhundert vor dem großen Kurboom. Durch die Zusammenlegung mehrerer dörflicher Gebäude entstand eine monumentale Anlage, umgeben von einem gewaltigen Park. Eine wunderschöne Außentreppe mit doppelter Steinrampe und eleganter Loggia ziert die Fassade.
  • Grotta Maona: Und dann schicken wir dich noch etwas nördlich der Stadt, wo 1860 bei Steinbrucharbeiten diese Tropfsteinhöhle entdeckt wurde. Grotta Maona ist die einzige Höhle Italiens mit zwei unterirdischen Seen und vermutlich die einzige Schauhöhle des Landes mit unterschiedlichem Ein- und Ausgang. Du kannst sie von 1. April bis 15. Oktober vormittags und nachmittags im Rahmen etwa 20minütiger Führungen besichtigen.

 

Die anderen Kurstädte des UNESCO-Welterbes

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Du hast es eingangs bereits gelesen: Zur UNESCO-Welterbestätte „Bedeutende Kurstädte Europas“ zählen ganze elf Kurdestinationen. Eine haben wir dir nun ausführlich vorgestellt, doch wollen wir die zehn anderen Einrichtungen auf keinen Fall unter den Tisch fallen lassen:

  • Spa (Belgien): Den Mineralwasser-Heilquellen in der Ardennen wurden bereits früh wichtige Heilkräfte zugeschrieben. Neben den Kurgebäuden können die wichtigsten Quellen erwandert werden.
  • Baden-Baden (Deutschland): 13 Heilquellen, ihre dazugehörigen Thermalgebäude sowie die erweiterte kurstädtische Infrastruktur zieren diese gewaltige UNESCO-Stätte.
  • Bad Kissingen (Deutschland): Einst kurten König Otto I. von Griechenland, Kaiserin Elisabeth (Sisi) von Österreich, Richard Strauss und Gioachino Rossini im beschaulichen Unterfranken.
  • Bad Ems (Deutschland): In den Heilquellen für Trink- und Badekuren werden Wassertemperaturen von bis zu 57 °C erreicht. Sie werden zur Herstellung der Halsschmerztabletten „Emser Pastillen“ verwendet.
  • Vichy (Frankreich): Die Quellen von Vichy erhielten ihre Berühmtheit in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Marquise de Sevigné das Rheuma in ihren Händen erfolgreich kurieren ließ.
  • Baden (Österreich): Die Biedermeierstadt und Kaiserstadt entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert zum wichtigen Kurort für Kaiser Franz Josef I., der fast 40 Jahre lang seine Sommer hier verbrachte und eine gesellschaftliche Obersicht nach Niederösterreich lockte.
  • Franzensbad (Tschechien): Ein Gebäudeensemble aus dem 19. Jahrhundert in Schönbrunner Gelb und Stuckweiß ziert den Kurbezirk mit seinen magischen Heilquellen und klassischen Badehäusern.
  • Karlsbad (Tschechien): Zahlreiche gut erhaltene, historische Kureinrichtungen erschließen die zwölf Quellen von Karlsbad. Das stark mineralisierte Wasser kann bis zu 72 °C erreichen.
  • Marienbad (Tschechien): 40 Heilquellen in der Stadt und rund 100 weitere in der Umgebung fördern das mineralsalz- und kohlensäurereiche Wasser für Trinkkuren, Moorbäder und Behandlungen gegen Atmungserkrankungen an die Oberfläche.
  • Bath (Großbritannien): Ein Besuch von Königin Elisabeth I. im Jahr 1574 brachte Bath den Aufschwung in einer von Heilwasser und Badekuren bestimmten Ära. Die Kurstadt erfand sich erst 2005 mit dem Bäderkomplex „Thermae Bath Spa“ neu.

 

Faszinierende Kulturlandschaften, packende Architektur und Infrastruktur, dazu Gesundheit, Wohlbefinden und etwas Wellness obendrauf: Montecatini Terme zählt nicht umsonst zu den bedeutendsten Kurstädten Europas. Diese UNESCO-Stätte ist immer einen Besuch wert und lässt sich prima mit einer kleinen Rundreise durch die Toskana oder einem Städteurlaub rund um Florenz und Lucca verbinden. Viel Spaß und gute Gesundheit!

Kunststadt Teramo mit großer römischer Geschichte

Teramo nimmt in vielerlei Hinsicht eine Sonderrolle unter den vielfältigen Kunststädten Italiens ein. Da wäre für den Anfang die besondere Lage im Norden der Abruzzen, zwischen dem höchsten Gipfel der Apenninen und der Adriaküste. Zudem ist Landwirtschaft ein zentraler Faktor hier, vor allem in Form von Weinbergen und Olivenhainen. Und dann lässt sich die überaus lange, hochspannende Geschichte der Stadt an allen Ecken und Enden erkennen mit Bauwerken und Ruinen, die sogar in vorrömische Zeiten zurückreichen. Klingt spannend, oder? Finden wir auch, und so laden wir dich auf eine kleine Tour durch die Kunststadt Teramo, einen versteckten Schatz in den Abruzzen, ein.

 

Die Kunststadt mit besonders alter Geschichte

Wir haben bereits ein paar Worte über die besondere Lage Teramos zwischen Gebirge und Küste mit zahlreichen Hügeln und Hainen verloren. Genau diese Lage machte die Region einst zu einem beliebten Siedlungsgebiet, und zwar schon einige Zeit vor den Römern. Hier ließen sich bereits im ersten Jahrtausend v. Chr. diverse italische Stämme nieder, bevor die Praetutii das Gebiet zu ihrem Hauptort erklärten. Um 290 v. Chr. eroberten die Römer die Stadt. Sie erhielt den Namen Interamna („zwischen zwei Flüssen“ aufgrund der beiden Flüsse Vezzola und Tordino), wurde später zum Municipium und verfiel nach dem Ende des Weströmischen Reiches zusehend.

 

Im Mittelalter sah sich Teramo heftigen Konflikten zwischen einflussreichen Familien ausgesetzt und wurde zudem das eine oder andere Mal verwüstet. Spätere Jahrhunderte sahen den Verkauf der Stadt samt fehlgeschlagener Rebellion, ein schweres Erdbeben und einen verheerenden Pestausbruch. Erst während der Aufklärung schwang sich Teramo zu einem intellektuellem Zentrum auf, bevor französische und napoleonische Truppen dem kurzen Hoffnungsschimmer ein jähes Ende bereiteten. Erst die Eingliederung in das Königreich Italiens sorgte für etwas Ruhe.

 

Die Kathedrale von Teramo

©Bigstock.com/DinoPh

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Obwohl Teramo im Mittelalter und der Neuzeit eine vergleichsweise untergeordnete Rolle einnahm, entstanden zahlreiche spannende Bauten, die bis heute ungebrochene Faszination ausstrahlen. Die Kathedrale von Teramo, Santa Maria Assunta, wird auch dich bestimmt begeistern. Wobei, die Kirchenwurzeln sind eigentlich deutlich älter. Ein Glasboden im Dom legt die Überreste von Santa Maria Aprutiensis aus dem 6. Jahrhundert offen, selbst auf einem römischen Fundament erbaut und später von den Normannen zerstört. Bischof Guido II. ließ die neue Kathedrale 1158 als Verwahrungsort für die Reliquien des Heiligen Berardo erbauen. Dafür wurden Steine aus dem Mauerwerk des römischen Theaters und Amphitheaters verwendet – mit ein Grund dafür, warum diese Gebäude heute nur noch in Ruinen erhalten sind.

 

Natürlich erfuhr Santa Maria Assunta in späteren Jahrhunderten zahlreiche Veränderungen, bevor sie wieder ihrem mittelalterlichen Erscheinungsbild rückgeführt wurde. Die Kunstschätze der Kathedrale sind von unschätzbarem Wert, allen voran das Antependium von Nicola da Guardiagrele. 35 geprägte und gemeißelte Silberbleche zieren das Werk. Jacobello del Fiores Polyptychon zeigt die Krönung der Jungfrau Maria durch Christus. Mit der monumentalen Kapelle des Heiligen Berardo und dem nicht minder imposanten Campanile erwarten dich noch viele weitere atemberaubend schöne Wunderwerke großer Architektur und noch größerer Künste.

 

Weitere Kirchen

Eigentlich wäre Santa Maria Assunta alleine bereits Grund genug für einen Besuch von Teramo, aber vielleicht möchtest du doch noch ein paar andere spannende Orte erkunden. Wie wäre es mit ein paar weiteren Kirchen? Keine Sorge, wir haben da was vorbereitet:

  • Santuario della Madonna delle Grazie: Dieses Gebäude ist vor allem aufgrund einer Holzstatue der Jungfrau Maria auf dem Hauptaltar bekannt. Ihr werden durchaus wundersame Kräfte zugeschrieben. Zahlreiche Gemälde und alte, etwas heruntergekommene Fresken säumen den Innenraum.
  • Chiesa di Sant’Anna dei Pompetti: Diese kleine Kirche gehörte einst zum Komplex von Santa Maria Aprutiensis. In der alten Struktur aus dem 6. Jahrhundert mit moderneren Fresken sowie einer Statue der namengebenden Heiligen wird Geschichte greifbar gemacht.
  • Sant‘Agostino: Leider wurde diese Neorenaissance-Kirche durch die schweren Erdbeben in jüngeren Jahren schwer in Mitleidenschaft gezogen. Während aktuell die Vorbereitungen laufen, um hier ein Diözesanmuseum unterbringen, solltest du zumindest das spektakulär dekorierte Portal ausgiebig bestaunen.
  • Chiesa dei Cappuccini: Diese Kapuzinerkirche mit eigenem Konvent entstand zwar bereits im 12. Jahrhundert, erhielt ihren Namen aber erst mit Einzug der Ordensbrüder um 1596. Hinter der unscheinbaren Fassade verbirgt sich unter anderem ein besonderer Barockaltar mit Holztabernakel.

 

Noch mehr Sehenswürdigkeiten in Teramo

Tatsächlich legt Teramo immer weitere Schätze offen, und wir sind noch lange nicht am Ziel angekommen. Bereit für die nächste Runde Highlights? (Vor-)Römische Strukturen, eine prächtige Burg und eine verlassene Nervenheilstand stehen auf dem Programm. Ja, wirklich!

  • Casa dei Melatino: Wir beginnen allerdings mit einem der wenigen mittelalterlichen Gebäude, das sich bis heute anständig halten konnte. An der Fassade kannst du anhand der unterschiedlichen Materialien die verschiedenen Renovierungsphasen prima ablesen. Im Inneren sind unter anderem Majolika- und Porzellansammlungen ausgestellt.
  • Borgo Mediavale: Auch als Castello della Monica bekannt, handelt es sich hierbei um eine Art kleines, mittelalterliches Dorf, das allerdings erst im 19. Jahrhundert entstand. Die Nachbildungen mit neogotischem Fokus und zahlreichen Fresken interpretieren den einstigen Glanz der Stadt neu.
  • Necropoli di Ponte Messato: Von Glanz könnten wir nun allerdings kaum weiter entfernt sein. Die vielleicht älteste erhaltene Struktur Teramos wurde 1961 zufällig bei Bauarbeiten für eine Busgarage entdeckt. In vorrömischer Zeit entstanden und während römischer Herrschaft ausgebaut, umfasst das Gebiet der Nekropolen unter anderem Überreste diverse Mausoleen und Tempel.
  • Torre Bruciata: Dieser Turm aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. unweit der einstigen Santa Maria Aprutiensis ist hingegen römisch durch und durch. Der befestigte Torre Bruciata überblickte in vorchristlichen Zeiten einen mächtigen Verteidigungswall. Er könnte ebenso später als Glockenturm eingesetzt worden sein.
  • Ospedale psichiatrico: Ein psychiatrisches Hospital als Sehenswürdigkeit? Was vielleicht befremdlich klingt, macht durchaus Sinn, denn das 1323 errichtete Gebäude zählt zu den bekanntesten in Teramos Altstadt. Seit seiner endgültigen Schließung 1998 wird um die Zukunft des durchaus bemerkenswerten Komplexes gerungen, der in der Zwischenzeit weiter verfällt. Sicher ist nur, dass er für die Nachwelt konserviert werden soll, in welcher Form auch immer.

 

Nein, Teramo ist gewiss nicht die erste Kunststadt-Adresse, aber gerade deswegen das perfekte Ziel für deinen nächsten Urlaub. Im Norden der Abruzzen weht der Wind der Geschichte über weit offene Plätze und durch enge Gassen. Spürbare römische Präsenz trifft auf Überreste feudaler Auseinandersetzungen und durchaus monumentale Architektur – mal etwas älter, mal neu und doch historisierend. Dieser versteckte Schatz wird dich bestimmt beeindruckend!

Kunststadt Perugia im Herzen Umbriens

Im Herzen Umbriens erhebt sich eine besondere Stadt. Perugia, Hauptstadt der Region sowie der gleichnamigen Provinz, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die sogar bis in die frühe Eisenzeit zurückreicht. Zwischen der hügeligen Altstadt und den flachen Neubauten wird eben jene Geschichte greifbar gemacht. Sie ist voller Aufs und Abs, so wie die Landschaft, und führt durch enge Gassen zu monumentalen Kirchen und spektakulären Museen. Die Kunststadt Perugia ist zudem Heimat großer Festivals und Veranstaltungen, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Wir verraten dir, was du in Perugia unbedingt sehen und erleben musst!

 

Perugia von der Eisenzeit bis zum Kirchenstaat

Um die Wurzeln Perugias zu finden, müssen wir etwas weiter zurück in die Vergangenheit reisen, nämlich ins 9. und 8. Jahrhundert v. Chr., als die frühe eisenzeitliche Villanovakultur erste Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet errichtete. Entgegen der antiken Sage hat Perugia jedoch keine griechischen Wurzeln, sondern wurde vermutlich von den Umbrern gegründet, und gelangte später in etruskische Hand, wo Perusna, so der damalige Name, zum Teil des Zwölfstädtebundes reifte. Im Dritten Samnitenkrieg, um 295 v. Chr., fiel die Stadt an die Römer, erlangte nach dem Bundesgenossenkrieg von 91–88 v. Chr. das Bürgerrecht und wurde nach dem Perusinischen Krieg niedergebrannt. Zwar ließ Augustus die Stadt, nun Augusta Perusia, wiederaufbauen, ihren alten Glanz erreichte sie jedoch nicht wieder.

 

Nach dem Ende des Weströmischen Reiches herrschten unter anderem Ostgoten, Langobarden und Byzantiner über die Stadt, die im Mittelalter schließlich den Namen Perugia erhielt. Erst 1198 löste man sich von der Autorität des römischen Kaisers, stellte sich unter den Schutz von Papst Innozenz III., und wurde von guelfischen Kaufleuten regiert. Als einziges umbrisches Handelszentrum erreichte Perugia zwischenzeitlich einen ähnlichen Status wie die großen toskanischen Stadtstaaten der Zeit, bis der Papst Paul III. im sogenannten „Salzkrieg“ – die Peruginer weigerten sich, eine neue Salzsteuer zu akzeptieren – den Kirchenstaat 1540 an die Macht brachte. Eine gewaltige Festungsanlage auf dem Colle Landone strahlte neue Dominanz aus, alte Stadtteile am Berghang wurden verschüttet, das geistige Leben in den Akademien erstarrte. Dies sollte, trotz kurzer Intermezzi und mehrerer Aufstände, bis zur Eingliederung in den neuen italienischen Staat 1860 so bleiben.

 

Perugias Kirchen

San Domenico

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Die wechselhafte Geschichte Perugias wirkte sich natürlich auch auf das Stadtbild aus. Den Großteil der Sehenswürdigkeiten findest du in der bergigen Altstadt, natürlich inklusive recht hoher Kirchenkonzentration. Und diese machten im Laufe der Jahrhunderte so manche Veränderung durch:

  • Dom: Die Cattedrale di San Lorenzo ist ein Nachzügler. Sie wurde erst 1490 fertiggestellt und zeigte mitten in der Renaissance ungewöhnlich gotischen Charakter. Während die rohen Außenwände unvollendet blieben, kamen in späteren Jahrhunderten diverse Portale, Anbauten sowie ein Campanile hinzu. Hingegen schlägt die Ausstattung der Hallenkirche die Brücke zwischen Spätrenaissance und Frühbarock mit der prächtigen Kreuzabnahme von Federico Barocci und dem Heiligen Ring in einem vergoldeten Tabernakel als besondere Glanzlichter.
  • Tempio di San Michele Arcangelo: Nur wenige wirklich alte Bauwerke blieben so gut erhalten wie dieser frühchristliche Kirchenbau aus dem 5. oder 6. Jahrhundert. Zwischenzeitlich zu Teilen weggerissen und als militärische Festung verwendet, legten mehrere Restaurierungen das alte Säulenleben sowie Fresken offen.
  • San Domenico: Aus der Schenkung einer kleinen Pfarrkirche machten die Dominikaner eine kolossale, dreischiffige Hallenkirche, die nach einem Einsturz des Mittelschiffs 1614 bis auf die gotischen Außenmauern und Renaissance-Kreuzgang komplett neuerrichtet werden musste. Im leicht erhöhten Chor entdeckst du eines der größten gotischen Fenster überhaupt.
  • San Pietro: Obwohl am Standort dieser Kirche bereits seit dem 10. Jahrhundert gebaut wurde, entstand das heutige Bauwerk erst um 1600 als Teil eines Benediktinerklosters. Die Langhausstruktur ist frühchristlich, die Säulen erinnern an einen heidnischen Tempel, dafür zeigen sich die Choranlage im gotischen und die Spät-Renaissance-Ausstattung sogar im venezianischen Stil.
  • Oratorium San Bernardino: Abschließend stellen wir dir eine kleine Kapelle vor. Warum gerade eine Kapelle in der Fülle an Kirchen? Nun, weil dieses Oratorium der Franziskaner über ein besonders dekoratives, detailreiches Fassadenrelief verfügt. Die heiteren Darstellungen an der tempelartigen Marmorfassade wollen unbedingt bestaunt werden. Im Inneren dient der frühchristlicher Sarkophag des seligen Ägidius von Assisi, ein Weggefährte des Heiligen Franziskus, als Altar.

 

Museen und Profanbauwerke

Fontana Maggiore

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Die Kirchengeschichte Perugias ist für sich bereits spektakulär, doch hat die Kunststadt noch wesentlich mehr zu bieten. Wir widmen uns einer kleinen Auswahl weiterer Sehenswürdigkeiten, die dich auf einen Streifzug durch die faszinierende Geschichte der Stadt einladen.

  • Galleria Nazionale: Umbriens Nationalgalerie befindet sich in den Obergeschoßen des Palazzo dei Priori. In 40 Räumen begibst du dich auf die Spuren großer umbrischen Maler und Bildhauer aus dem 13. bis 19. Jahrhundert.
  • Palazzo dei Priori: Besagter Palast, vornehmlich aus Travertin sowie weißem und rotem Stein errichtet, hat noch viel mehr zu bieten. Die Außentreppe allein ist bereits ein Hingucker. Verschiedene Säle und Kollegien überraschen mit ungewöhnlichen Formen, Holzverkleidungen und Wand- sowie Deckenmalereien.
  • Archäologisches Nationalmuseum: Das ehemalige Konvent bei San Domenico beheimatet heute Umbriens Nationalmuseum der Archäologie. In acht Sektionen begibst du dich auf eine chronologische Reise durch die Geschichte der Region von urzeitlichen Exponaten, die bis zu 500.000 Jahre alt sind, bis zu römischen Stücken.
  • Fontana Maggiore: Für die Peruginer ist dies der schönste Brunnen der Welt. Mit seinen spektakulären Reliefs zählt Fontana Maggiore gewiss zu den einflussreichsten Werken seiner Art. Auf den Feldern und Schalen dieses mittelalterlichen Meisterwerks siehst du unter anderem das Leben auf der Erde, dargestellt in drei thematischen Zyklen, sowie Personifikationen wichtiger biblischer und irdischer Figuren.
  • Arco Etrusco: Eines der bedeutendsten Überbleibsel der alten Stadtmauern wird heute von mächtigen Wachtürmen flankiert. Der Etruskische Bogen entstand vermutlich im 3. Jahrhundert v. Chr. und wurde wohl im Rahmen der Verlängerung der Via Amerina in die alte etruskische Struktur eingearbeitet. Inschriften auf dem Torbogen weisen auf Kaiser Augustus und Kaiser Gaius Vibius Trebonianus Gallus hin.

 

Von Jazz bis Schokolade

Die Kunststadt Perugia ist aber nicht nur als Schauplatz atemberaubender Architektur einen Besuch wert, es tut sich zudem so einiges. Wir haben zwei Veranstaltungstipps herausgegriffen, die du dir nicht entgehen lassen solltest:

  • Umbria Jazz: An zehn Julitagen verwandet sich Perugia in den Nabel der Jazzwelt. Umbria Jazz zählt zu den wichtigsten Genrefestivals Europas. Hier treten regelmäßig Legenden des Jazz, aber auch Musiker*innen aus anderen musikalischen Gefilden auf. Unter anderem konnten bereits Miles Davis, Alicia Keys, Carlos Santana, Dizzy Gillespie und Sting begrüßt werden.
  • Eurochocolate: Seit 1993 zeigt sich Umbriens Hauptstadt von einer überaus süßen Seite. Jahr für Jahr besuchen nahezu eine Million Italiener und Touristen eines der größten Schokoadefestivals Europas. Natürlich gibt es so manche Leckerei zu verkosten, dazu kommen Konzerte, Ausstellungen und Aktivitäten. So gab es beispielsweise vor einigen Jahren eine große Kletterwand, die wie eine Tafel Schokolade aussah.

 

Zwischen süßen Verführungen und architektonischen Glanzlichtern zeigt sich die Kunststadt Perugia überaus vielseitig, ja sogar richtig spektakulär. Die lange, ereignisreiche Geschichte ist gerade in den alten Gässchen greifbar, wo sie wunderbar mit den neueren Stadtvierteln und der prächtigen Natur Umbriens harmoniert. Und, wann wird es dich ins magische Perugia ziehen?

Ascoli Piceno – die Travertin-Kunststadt der Marken

Mitten in der atemberaubend schönen Natur der südlichen Marken, umgeben von gleich drei Bergen und zwei Flussläufen, erhebt sich ein versteckter monumentaler Schatz. Ascoli Piceno, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, zählt vergleichsweise übersichtliche 47.000 Einwohner. Und doch zählt sie zu den bekanntesten Kunststädten Italiens. Das liegt vor allem an der eindrucksvollen Architektur, dem mittelalterlichen Charme und dem mächtigen Travertin, der mit seinen warmen Farben der Altstadt ihr unverwechselbares Erscheinungsbild verpasst. Was dich genau erwartet, möchtest du wissen? Na, dann wollen wir mal!

 

Italiker oder Spechte?

Ausnahmsweise verlieren wir keine großen Worte über die Geschichte, denn zu Ascoli Piceno gibt es in dieser Hinsicht verhältnismäßig wenig zu sagen. Sie war wohl einst die Hauptstadt der Picener, ein eisenzeitlicher Volksstamm. Der Name kommt entweder von ihnen oder von einem Spechtritual der Sabiner (Specht heißt auf Italienisch so viel wie „picchio“). Später wurde die gesamte Region von den Römern erobert, dann stritten sich unter anderem die Ostgoten, Langobarden und Franken darum. Im instabilen Mittelalter konnten Galeotto I. Malatesta und Francesco I. Sforza brutale Diktaturen errichten, bevor Ascoli Piceno 1482 in päpstliche Oberhoheit geriet und dort bis zur Gründung des Königreichs von Italien bleiben sollte.

 

Piazza del Popolo und Piazza Arringo

©Bigstock.com/trotalo

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Auf geschichtlicher Ebene können wir vielleicht herzlich wenig berichten, doch hat Ascoli Piceno als Kunststadt dafür erst recht einiges zu bieten. Mitverantwortlich dafür ist der reichhaltig eingesetzte Travertin, ein heller Kalkstein aus Süßwasserquellen, der sich wie ein roter – gut, eher wie ein blasser Faden durch die Altstadt zieht. Auf den beiden Hauptplätzen Piazza del Popolo und Piazza Arringo spielt sich das Leben der Stadt ab. Und dort gibt es für dich einiges zu sehen, darunter:

  • Dom Sant‘Emidio: Obwohl vom ursprünglich romanischen Bau kaum etwas übergeblieben ist – wir empfehlen dir einen Blick in die Krypta – bleibt die Kathedrale Ascoli Picenos die wohl wichtigste Kirche der Stadt. Umfangreiche Travertin-Arbeiten ergeben gemeinsam mit den barocken Umbauten ein harmonisches Gesamtbild. Das Polyptychon-Altarbild auf der rechten Seite des Altars solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen.
  • San Francesco: Diese gewaltige gotische Hallenkirche entstand zwischen 1258 und 1371. San Francesco wird von der gewaltigen Markthalle und einem Renaissance-Kreuzgang, wo auch heute noch vormittags ein Markt stattfindet, flankiert. Zur Piazza del Popolo hin entdeckst du einen großen Nebeneingang, der von einem Monument für Papst Julius II. begleitet wird.
  • Palazzo dell‘Arengo: Die Piazza Arringo wird auch Piazza dell’Arengo genannt, und dieser Palast zählt zu seinen wichtigsten Gebäuden. Aus der Fusion zweier älterer Paläste entstanden, schindet die Travertin-Fassade mit ihren fünf Portiken ordentlich Eindruck. Dahinter verbirgt sich unter anderem die Kunstgalerie Pinacoteca Civica.
  • Baptisterium: Während der Dom St. Emygdius, dem Schutzpatron der Stadt, gewidmet ist, wird das Baptisterium dem Heiligen Johannes zugeschrieben. Dieses Ideal der Romanik Ascolis gilt als italienisches Nationaldenkmal. Obwohl die Travertin-Fassade auf den ersten Blick schlicht wirkt, wirst du bei genauerem Hinsehen gewiss das eine oder andere spannende Detail entdecken.
  • Diözesanmuseum: Zum Palastkomplex auf der Piazza Arringo gehört auch dieses gewaltige Museum, das sich der Wahrung des künstlerischen Vermögens der Diözese verschrieben hat. Zu den Schwerpunkten zählt ein Bereich über die Florentiner Kunst im 16. Jahrhundert sowie zu den verschiedenen Kunstschulen und -strömungen der Stadt vom 13. Jahrhundert bis heute.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten in Ascoli Piceno

Neben den weit über die Marken hinaus bekannten Travertin-Meisterwerken beheimatet Ascoli Piceno noch das eine oder andere Glanzlicht, das einen zweiten oder sogar einen dritten Blick lohnt. Wie wäre es beispielsweise mit:

  • Ponte di Cecco: Das römische Erbe Ascoli Picenos ist vor allem etwas weiter außerhalb der Stadt zu sehen. Die Bogenbrücke Ponte di Cecco wurde bereits um 25 v. Chr. unter Kaiser Augustus erbaut und gehörte zu einer Versorgungsstraße zwischen Rom und der Adriaküste. Der Legende nach erbaute der Teufel die Brücke in nur einer Nacht.
  • Ponte Romano di Solestà: Eine zweite Bogenbrücke, ebenfalls auf die Regentschaft Augustus‘ zurückzuführen, überspannt den Fluss Tronto und führt in das Stadtviertel San Giacomo. Von der alten Stadtmauer ist inzwischen jedoch herzlich wenig zu sehen.
  • San Pietro Martire: Die Kirche des Dominikanerordens verläuft sich ein wenig durch ihre Lage auf einem kleinen Platz an einer Kreuzung. Während die Fassade von San Pietro Martire entsprechend unauffällig anmutet, solltest du deine Augen unbedingt auf die prächtige, leuchtende Apsis richten. Die Marmorstatuen am Hauptaltar sowie die Fresken an den Seitenwänden sind ebenfalls echte Hingucker.
  • San Vittore: Romanik trifft Gotik für eine sympathische kleine Kirche aus Travertin-Marmorblöcken. Die Fensterrosette ist klar gotisch, der Glockenturm eigenwillig quadratisch und wohl einst Heimat des Baptisteriums, bevor ein Blitzeinschlag den alten Turm zerlegte. Verschiedene anonyme Fresken, teils mittlerweile ins Diözesanmuseum transferiert, kleiden San Vittore aus.

 

Die Quintana

©Bigstock.com/DinoPh

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Zum Abschluss haben wir noch einen kleinen Veranstaltungstipp für dich. Der erste Sonntag im August ist der wichtigste Feiertag Ascoli Picenos. Eine große Parade zu Ehren des Schutzpatrons Emygdius mit ca. 1.500 Teilnehmern in Renaissance-Kostümen schlängelt sich durch die Stadt. Danach wird ein großes Reitturnier abgehalten, die Quintana. Hier treten sechs Ritter, die jeweils einen der sechs Stadtteile repräsentieren, auf einem Parcours gegeneinander an. Mit Lanze und Schild versuchen sie das Bildnis eines Sarazenenkriegers zu treffen. Beim abendlichen Stadtfest wird schließlich groß aufgetischt. Natürlich darf die Spezialität Olive all’Ascolana, frittierte und mit Fleisch gefüllte Riesenoliven, nicht fehlen.

 

Ascoli Piceno ist wohl das, was man gemeinhin als „klein, aber oho“ bezeichnet. Als Kunststadt glänzt sie durch ihr einzigartiges Travertin-Flair, das der gesamten Altstadt einen edlen und historischen Charme verleiht. Zwischen römischem Erbe, gewaltigen romanischen und gotischen Kirchen sowie einem wahrlich rauschenden Fest erwartet dich ein verborgener Schatz im Süden der Marken, von der traumhaften Natur rundherum mit ihren unzähligen Wanderwegen ganz zu schweigen. Ascoli Piceno ist definitiv eine Reise wert!

Kunststadt Gradara mit weltberühmter Festung

Gradara vollführt ein einzigartiges Kunststück. Die Gemeinde in der Provinz Pesaro und Urbino im Norden der Marken ist gleichzeitig eine malerische Kunststadt ungebrochener Faszination und eines der schönsten Dörfer Italiens. Gradara konnte sich über weite Strecken seinen ursprünglichen, mittelalterlichen Look bewahren, was selbstverständlich an der mehr als dominanten Festungsanlage liegt. Sie zählt zu den berühmtesten Burgen des Landes, was nicht zuletzt mit der prominenten Erwähnung in Dantes Göttlicher Komödie zu tun hat. Beim Rundgang durch diese Ortschaft wird Geschichte greifbar gemacht, begleitet von einzigartigen Aussichten auf weite Hügellandschaften und Küstenregionen. Gradara ist eine Kunststadt von außerordentlicher Schönheit, kompakt und doch so sehenswert.

 

Die Festung als Geschichtsträger

Obwohl die Region rund um Gradara bereits in der Antike als wichtiger Verkehrsknotenpunkt galt, begann ihre eigentliche Geschichte erst im Mittelalter. Um 1150 ließ die mächtige Familie De Grifo einen großen Turm auf 142 m Seehöhe erbauen. Nachdem man die Gunst des Papstes verloren hatte, eroberte Malatesta da Verucchio den Giganten und machte ihn zum Bergfried der Festungsanlage. 1445 verkaufte Galeazzo Malatesta den Ort an Francesco Sforza, doch weigerte sich Sigismondo Pandolfo Malatesta, der „Wolf von Rimini“, Gradara zu übergeben. Das Geld gab es auch nicht zurück. Wie gemein. Eine anschließende Belagerung Sforzas scheiterte.

 

In der Zwischenzeit war der Ort Gradara längst zwischen den ersten beiden Mauerringen verankert und weiter ausgebaut worden. Als Sigismondo Malatesta vom Papst exkommuniziert wurde, ging auch die Festung verloren. Federico da Montefeltro nahm sie im Namen der Kirche ein und gab sie an die Sforzas, die nun endlich ihr Ziel erreicht hatten. Fortan war Gradara heiß umkämpft und hatte mehrere Herren, darunter die Della Rovere, die Borgias und die Medici. Unter der Herrschaft des Kirchenstaats verfiel die Rocca, bis sie 1920 zur Restauration an die Zanvettori-Familie ging. Ihr sowie dem italienischen Staat, der die Geschicke später übernahm, ist der Erhalt der ursprünglichen Schönheit und der langsame Wachstum der Kunststadt Gradara zu verdanken.

 

Festung und Festungsmauern

©Bigstock.com/marcociannarel

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Achtung, hier kommt eine gewaltige Überraschung: Wir werfen sofort einen Blick auf die Festung. Ja, total unerwartet! Wie du gesehen hast, ist Gradaras Geschichte untrennbar mit jener seiner Festung verwoben. Dante Alighieri machte die Kunststadt einst unsterblich und erwähnte sie in seiner „Göttlichen Komödie“. Die Festung ist der Schauplatz der unglücklichen Liebe von Francesca und Paolo Malatesta, die von Francescas Ehemann Granciotto hier tatsächlich an einem Septembertag im Jahr 1289 entdeckt und getötet wurden. Dantes überaus emotionaler fünfter Gesang zu dieser Geschichte zählt zu den berühmtesten Passagen seines Magnum Opus.

 

Du wolltest diese einzigartige historische Kulisse immer schon mal selbst unter die Lupe nehmen oder einen Spaziergang auf den uralten Festungsmauern wagen? Genau das ist in Gradara möglich. Für einen geringen Eintrittspreis kannst du die verschiedenen Räumlichkeiten genau inspizieren. Wir empfehlen dir eine geführte Tour mit zahlreichen historischen Einblicken hinter die faszinierende Kulisse dieser eindrucksvollen Anlage. Der Panoramarundgang über die Befestigungsanlage legt atemberaubende Ausblicke auf die sanften Hügel der Marken sowie bis weit an die Küste der Romagna offen.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten

Einmal Festung und zurück? Das klingt natürlich ganz nett, wird der sympathischen Kunststadt Gradara aber nicht annähernd gerecht. Viele kleine Straßen und verträumte Gassen führen auf kleine Plätze, zu diversen Kirchen und sogar dem einen oder anderen versteckten Schmuckstück. Die folgenden drei Sehenswürdigkeiten solltest du auf keinen Fall verpassen:

  • Museo storico: Gradaras überaus faszinierende Geschichte kannst du nicht nur in der Festung bewundern. Das in Privatbesitz befindliche historische Museum widmet sich verschiedenen historischen Dokumenten und Exponaten aus längst vergangenen Tagen, die das Leben in Gradara und Umgebung im Lauf der Jahrhunderte zeigen. Verschiedene Rüstungen, Foltergeräte, nachgebaute Waffen und Gegenstände aus dem bäuerlichen Alltag begleiten deinen Besuch. Am Ende der Besichtigung wartet ein Besuch der Tuffsteinhöhlen unter der Festung.
  • Lufttheater: Mehr als 70 Raubvögel herrschen über Gradara. Im Lufttheater (Teatro dell’Aria) sind sie die Stars der Manege. Bei den Flugshows vollbringen sie atemberaubende Manöver auf Kommando – ein packendes Erlebnis mit auf vielfache Weise einzigartigem Ausblick.
  • Cimitero di Guerra: In unmittelbarer Nähe zur Autobahn erstreckt sich der Friedhof der Alliierten Kräfte über mehrere Terrassen. Hier fanden über tausend Commonwealth-Soldaten der britischen Eight Army sowie ein belgischer Soldat ihre letzte Ruhe. Ein Spaziergang durch diese wunderschön gepflegte Anlage demonstriert eindrucksvoll, wie wichtig Frieden ist. Oder wäre.

 

Was du sonst noch über Gradara wissen solltest

In der Kunststadt Gradara wird gerne – und ausgelassen – gefeiert. Mehrere Veranstaltungen widmen sich dem reichen historischen Erbe der Ortschaft in den Marken, zelebrieren die Einzigartigkeit der Festung und widmen sich dem einen oder anderen kulinarischen Highlight. Wir haben drei Favoriten für dich herausgesucht:

  • Il Medioevo a Tavola: Gradaras vielfältige mittelalterliche Geschichte wird das ganze Jahr hindurch auf unterschiedlichste Arten zelebriert und ist selbstverständlich an allen Ecken und Enden der Stadt greifbar. Bei diesem Festival wird das Mittelalter dem Namen entsprechend an den Tisch geholt. Örtliche Restaurants verwandeln sich in Tavernen aus dem 14. Jahrhundert und traditionelle Gerichte, darunter die beliebten Tagliolini con la Bomba, stehen ganz oben auf der Speisekarte.
  • Assedio al Castello: Francesco Sforzas Festungsbelagerung ist sogar eine eigene Veranstaltung gewidmet. Am letzten Juliwochenende wird sie historisch nachgestellt mit Schauspielern, Pferden und Trickeffekten. Die besondere mittelalterliche Atmosphäre erstreckt sich selbstverständlich bis in den Ort hinein.
  • The Magic Castle: Ein ehemaliges keltisches Fest verwandelte sich in den vergangenen Jahren in einen Hotspot für Magie und Emotionen. Das Magic Castle widmet sich an mehreren Abenden packenden magischen Darbietungen, Tanztheater und artistischen Highlights mit Künstlern aus aller Welt und zieht inzwischen Jahr für Jahr zehntausende Besucher an.

 

Natürlich ist Gradara alles andere als deine typische Kunststadt und konzentriert sich vor allem auf eine der eindrucksvollsten Festungsanlagen Italiens. Dahinter verbergen sich jedoch einige historische Schätze, rauschende Feste und feine ländliche Küche, begleitet von traumhaften Aussichten. Entdecke diesen versteckten Diamanten in den Marken, eines der schönsten Dörfer Italiens und zugleich eine besondere Kunststadt von unschätzbarem Wert.

Kunststadt Livorno – Idealstadt vieler Festungen

Die Kunststädte der Toskana sind weithin für ihren Reichtum, ihre beeindruckende Fülle an Sehenswürdigkeiten und geheimen Schätzen sowie ihre wechselhafte, aufregende Geschichte voller Aufs und Abs bekannt. Livorno bricht ein wenig mit der vermeintlichen Norm. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz diente lange Jahrhunderte als Vorort und Verteidigungsanlage, blühte erst spät als Freihafen und Handelszentrum auf, nur um zerstört und unter großen Mühen zumindest zu weiten Teilen wiederaufgebaut zu werden. Heute lädt die Kunststadt Livorno zu ausgedehnten Stadttouren mit zahlreichen Geheimorten, mit weit offenen Plätzen und einem Hauch von Venedig ein – sehr ungewöhnlich, sehr attraktiv. Und definitiv das perfekte Ziel für deinen nächsten Städteurlaub.

 

Die Idealstadt und ihr Freihafen

Durch seine ideale Küstenlage zog die Gegend rund um Livorno schon früh Siedler an, wie Funde aus der Jungsteinzeit belegen. In der Nähe des heutigen Hafens ließen sich die Römer während des Baus der Via Aurelia nieder und benannten die Siedlung wohl nach dem römischen Kriegsschifftyp Liburne. Erst im Jahr 1017 wurde Livorno (als Livorna) erstmals urkundlich erwähnt. Das kleine Küstendorf ging später an die Seerepublik Pisa, diente als wichtiger Fischerort und Verteidigungsposten, und baute seine maritime Rolle aus, als der Pisaner Hafen zunehmend versandete. Mehrfach während Schlachten zerstört, gelangte Livorno über Umwege 1421 an Florenz.

 

Während der Herrschaft der Medici blühte die Stadt auf. Livorno galt als wichtiger Zugangspunkt zum Meer und entfuhr entsprechende Ausbauten des Hafens, später folgten Festungsanlagen. Erst ab 1571 wurde der Ort als „ideale Stadt“ von den Großherzögen Cosimo I. und Francesco I. angelegt. Rechtwinkelige Straßen durchziehen heute noch die Altstadt. Nach dem Erlass der Leggi Livornine, die unter anderem Händlern jeglicher Herkunft unter anderem Glaubensfreiheit und verschiedene Privilegien zusicherten, entwickelte sich Livorno zur multikulturellen und multireligiösen Stadt. Die Erklärung zum Freihafen 1657 führte zu einer Blütezeit, die bis zur Eingliederung ins Königreich Italien andauern sollte. Im Zweiten Weltkrieg durch Bombardements schwer beschädigt und bis heute nicht vollständig aufgebaut, entwickelte sich das modern wiedererrichtete Livorno zur Fremdenverkehrsstadt. Der Hafen zählt nach wie vor zu den wichtigsten des Landes.

 

Venezia Nuova und die Verteidigungsanlagen

©Bigstock.com/Madrabothair

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Angesichts der massiven Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verlor Livorno einiges seiner ursprünglichen Bausubstanz. Die alte Stadtanlage der Medici lässt sich allerdings weiterhin prima erkennen. Sie umfasst mehrere große militärische Verteidigungssysteme sowie ein komplettes Stadtviertel, das den Gedanken einer fünfeckigen Idealstadt nach Plänen von Bernardo Buontalenti (das sogenannte „Pentagono del Buontalenti“) gekonnt weiterentwickelte und auf eine neue Ebene hievte. Hier einige – sorry – Eckpunkte:

  • Venezia Nuova: 1629 ergriff Großherzog Ferdinando II. de‘ Medici die Gelegenheit, die Stadt gen Norden zu erweitern, beim Schopf. Venezia Nuova wurde geschaffen, um dem Hafengebiet und dem florierenden Handel mehr Platz einzuräumen. Wie der Name vermuten lässt, ließ man sich beim Bau des neuen Rione von Venedig inspirieren und legte ein Netzwerk an Häusern und Kanälen zum Warentransport an, wofür eigens Fachkräfte aus Venezien importiert wurden. Die engen Straßen, zahlreichen Brücken und vielen Kanäle blieben erhalten.
  • Fortezza Vecchia: Venezia Nuova sollte an die alten Verteidigungsanlagen der Stadt angebunden werden, und die älteste von ihnen ist Fortezza Vecchia. Rund um einen gewaltigen Turm aus dem Jahr 1077 errichtet, ließen die Pisaner hier zunächst eine ausladende Festung erbauen, später von den Medici erweitert und um einen Palast erweitert. Die umfangreich restaurierte Anlage dient mittlerweile vor allem als Veranstaltungszentrum.
  • Fortezza Nuova: Großherzog Cosimo I. ließ zwei alte Bollwerke zur neuen Festung ausbauen, ab 1590 deutlich modifiziert und zur stattlichen Fortezza Nuova erweitert, die schließlich das neue Stadtviertel Venezia Nuova beschützten sollte. Mittlerweile beherbergt die Anlage einen großen Park.

 

Plätze und Paläste

Als Idealstadt besitzt Livorno nicht nur viele alte Gebäude – teils aus der Not stark modernisiert – sondern zudem viele weite Plätze mit großer historischer Bedeutung und magischen Palästen als packende Eye-Catcher. Und die willst du selbstverständlich auf keinen Fall verpassen.

  • Piazza della Repubblica: Irgendwann reichte das alte Pentagono del Buontalenti nicht mehr aus. Livorno musste wachsen und erhielt neue Bezirke im Osten. So wurde 1844 ein neuer Platz geschaffen, der Alt und Neu verband und sogar die Kanalstruktur überspannte. Die Piazza della Repubblica mit ihren 52 Marmorbänken, 92 Säulen und diversen Statuen zieht magisch an.
  • Terrazza Mascagni: Entlang der Uferstraße Viale Italia entstanden bereits zu Medici-Zeiten erste Strukturen, über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut und mittlerweile in eine Meeresterrasse umgewandelt. Bei einem Spaziergang über die Terrasse stechen der Ausblick auf das Meer sowie die Hügel von Livorno ins Auge – perfekt um die Seele etwas baumeln zu lassen.
  • Palazzo Comunale: Einer der ältesten noch existierenden Paläste der Stadt geht, du wirst es bereits erraten haben, auf die Medici zurück, wurde allerdings erst ab 1720 erbaut und in späteren Jahren mehrfach erweitert. Der Neorenaissance-Palast auf der Piazza d’Arme diente als Versammlungsort für die verschiedenen Repräsentanten der Stadt und „verschluckte“ in späteren Jahren weitere Gebäude, darunter eine alte Feuerwache.

 

Noch mehr Sehenswürdigkeiten in Livorno

©Bigstock.com/milosk50

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Wie, schon vorbei? Ganz und gar nicht, denn wir haben noch ein paar weitere Schönheiten für dich, die du definitiv besuchen solltest!

  • Duomo di Livorno: Im Herzen der Altstadt, auf der Piazza Grande, entstand zwischen 1594 und 1606 die unter anderem Franz von Assisi gewidmete Kathedrale. Ursprünglich als Kirche angedacht, folgte im frühen 19. Jahrhundert die Erweiterung zum Duomo samt hohem Turm. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte man sich vor allem an den Originalplänen.
  • Chiesa della Madonna: Auf dem Weg von der Altstadt zur Venezia Nuova erwartet dich diese Kirche, die der Legende nach für eine Karmeliten-Statue errichtet wurde. Die verschiedenen Altäre sind echte Blickfänge, während die Fassade – erst 1972 mit weißem Marmor überzogen – relativ schlicht ausfällt.
  • Monumento dei quattro mori: Das „Denkmal der vier Mohren“ gilt als Wahrzeichen Livornos. Es besteht aus einer Steinstatue des Großherzogs Ferdinand I., um den herum vier in Ketten gelegte Piraten dargestellt sind. Nach mehreren Seeschlachten gegen Barbaresken-Piraten erbaut, wurde dieses Monument während des Zweiten Weltkriegs an einen sicheren Ort gebracht.
  • Cisternoni di Livorno: Zwischen 1829 und 1848 entstanden drei neoklassizistische Gebäudekomplexe, welche die Wasserversorgung Livornos absichern sollten („cisternoni“ heißt so viel wie „große Zisternen“). Unweit der Fortezza Nuova entstand die Cisternino di città, eine Art Gegenpol zur Eleganz der Zeit, allerdings nie als Zisterne verwendet. Hier befindet sich mittlerweile ein Kulturzentrum.

 

Livorno ist eine in vielerlei Hinsicht spezielle Stadt. Während von den antiken Wurzeln herzlich wenig zu sehen ist, erwartet dich ein ungewöhnlicher Mix aus Renaissance- und neoklassizistischer Architektur mit modernen Elementen sowie weiten Plätzen und faszinierender Kanalstruktur. Livorno bietet sich für lange Spaziergänge mit tollen Entdeckungen und vielen verborgenen Schätzen ein – eine etwas andere Kunststadt mit eigenwilligem Charme.

Kunststadt Pisa – mehr als nur ein (Schiefer) Turm

Geht es um italienische Kunststädte, so ist Pisa meist nicht weit. Die wunderschöne Stadt im Norden der Toskana, durch den Arno geteilt, ist vor allem für ihren Schiefen Turm weltweit bekannt. Das ist aber natürlich nicht alles, was dich in der einst mächtigen, einflussreichen Seerepublik erwartet. Sie ist Heimat einer der ältesten UNESCO-Weltkulturerbestätten auf italienischem Boden, bedeutender Hochschulen und rauschender Feste. Ob Tourismushochburg, Universitätsstadt oder Metropole am Wasser – wir verraten dir, warum Pisa stets einen Besuch wert ist.

 

Zur Seemacht und wieder zurück

Woher der Name Pisa exakt kommt und wer die Stadt gründete, liegt heute im Verborgenen. Antike Quellen benennen unter anderem Ligurer, Etrusker und Griechen als mögliche erste Siedler. Zumindest gab es eine etruskische Eroberung, die archäologisch belegt scheint. Pisae, so der damalige Name, war den Römern während den Ligurerkriegen freundlich gesinnt und wurde 180 v. Chr. schließlich zur Kolonie, später zum Municipium. Als Hafen spielte Pisa keine unwichtige Rolle, über seine eigentliche römische Geschichte sowie die Auswirkungen der Völkerwanderung ist allerdings nur recht wenig bekannt. Erst im Hochmittelalter rückte Pisa wieder in den Fokus und nahm fortan sogar eine zentrale Rolle ein.

 

Als Republik erreichte Pisa ab dem 11. Jahrhundert den Höhepunkt seines Einflusses und entwickelte sich in Windeseile zum wirtschaftlichen Machtzentrum. Über Jahrhunderte hinweg trieben Kaufleute regen Handel, was zu großer Konkurrenz und mehreren Konflikten mit der Republik Genua führte. Eine Niederlage bei der Seeschlacht bei Meloria um 1284 läutete den Niedergang Pisas ein. Die Republik verlor nach und nach ihre Territorien und 1406 schließlich die Unabhängigkeit an Florenz. So büßte die Stadt zunehmend Bedeutung ein, blieb allerdings wichtiger Universitätssitz und ging voll und ganz in ihrer Rolle als begeisternde toskanische Kulturstadt auf.

 

Welterbe Piazza del Duomo

©Bigstock.com/Alexander Nikiforov

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Als erst sechste Stätte in Italien erhielt der Domplatz von Pisa, Piazza del Duomo, im Jahr 1987 UNESCO-Welterbestatus. Die Piazza dei Miracoli („Platz der Wunder“), wie dieser Ort im Volksmund gerne genannt wird, versammelt die wohl wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt an einer Stelle. Wir haben einen kleinen Überblick für dich vorbereitet – mehr liest du übrigens in unserem Welterbe-Blog zur Piazza del Duomo.

  • Santa Maria Assunta: Charakterstarker Marmor aus Carrara leuchtet dir bereits von weitem entgegen. Obwohl stolze 200 Jahre am Dom gearbeitet wurde, wirkt er weitestgehend wie aus einem Guss. Und doch verbirgt sich hinter den packenden Fresken und Mosaiken eine spannende, wechselhafte Geschichte mit undurchsichtigen Wurzeln.
  • Schiefer Turm: Santa Maria Assunta erhielt einen freistehenden Glockenturm, der mit dem schlechten Boden aus Sand und Morast nicht so ganz zurechtkam – oder umgekehrt? Egal, der Campanile weist mittlerweile einen Neigungswinkel von ca. vier Grad auf und wurde als Schiefer Turm von Pisa weltberühmt.
  • Baptisterium: Die kleine Taufkirche des Doms ist alles andere als klein, denn das kreisrunde Baptisterium entpuppt sich als opulentes Meisterwerk. Wenn du schwindelfrei bist, empfehlen wir den Aufstieg bis unters Kuppeldach.
  • Camposanto Monumentale: Ein gewaltiger Friedhof beschließt den Domplatz an dessen Nordseite. Hier soll sich Erde befinden, die Kreuzfahrer einst aus dem Heiligen Land mitgebracht haben. Ein Spaziergang durch den Kreuzgang führt dich zu packenden Fresken und aufsehenerregenden Sarkophagen.
  • Palazzo dell‘Opera: Der Opernpalast besteht eigentlich aus mehreren Gebäuden, die zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert entstanden. Sie dienten einst als Unterkunft der Dom-Bediensteten und sind mittlerweile teilweise der Öffentlichkeit zugänglich.
  • Ospedale Nuovo di Santo Spirito: Hinter der gotischen Fassade befindet sich inzwischen kein Krankenhaus mehr, sondern das Museo delle Sinopie mit Fresko-Sinopien aus dem Camposanto Monumentale.

 

Pisas Kirchen und Basiliken

Damit hätten wir den Anfang gemacht, aber eigentlich wollten wir dir ein paar Orte vorstellen, die du vielleicht noch nicht kennst, die nicht ganz so berühmt sind. Pisa ist reich an Kirchen und Basiliken, wie so viele andere italienische Städte auch. Dazu zählen:

  • Santa Maria della Spina: Die Dornenkirche bekam ihren Namen durch einen Dorn der Dornenkrone, der über lange Zeit hier aufbewahrt wurde, bevor er an die Kirche Santa Chiara abgegeben werden musste. Santa Maria della Spina liegt direkt am Ufer des Arno und scheint beinahe über dem Fluss zu schweben. Die opulente gotische Fassade mit ihren Spitztürmen und Statuen ist eine echte Meisterleistung.
  • San Paolo a Ripa d‘Arno: Für diese Kirche, die ebenfalls unmittelbar am Arno liegt, musste einst ein romanischer Bau weichen. San Paolo wurde stark vom Dom Santa Maria Assunta beeinflusst und trägt nicht umsonst den Beinamen „Duomo vecchio“ (dt. „Alter Dom“). Die Kirche wurde während des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt und musste wiederaufgebaut werden. Speziell der Innenraum war stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
  • Santo Sepolcro: Die mittelalterlichen Kreuzzüge hinterließen ihre Spuren in Pisa. Neben dem angeblichen heiligen Sand auf der Friedhofsanlage Camposanto Monumentale wurde diese romanische Kirche nach dem Vorbild der Jerusalemer Grabeskirche errichtet. Gewisse Parallelen zum Felsendom lassen sich ebenso wenig von der Hand weisen.
  • Basilika San Piero a Grado: Auf seiner Reise nach Rom soll der Heilige Petrus hier erstmals italienischen Boden betreten haben. Wo einst der Hauptarm des Arno in eine mittlerweile versandete Lagune mündete, befindet sich heute diese Basilika, deren Ursprung im 4. Jahrhundert liegt, und die in späteren Epochen mehrmals erweitert wurde. Die Fresken im Innenraum widmen sich dem Leben des Heiligen.

 

Weitere spannende Sehenswürdigkeiten in Pisa

©Bigstock.com/goga18128

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Ein paar kleine Schmankerl aus dem Norden der Toskana haben wir für dich noch gesammelt. Sie zeigen Pisa von den unterschiedlichsten Seiten zwischen großem Prunk, faszinierender Natur und Wissbegier:

  • Piazza dei Cavalieri: Einst ein Platz zur Machtdemonstration für die Medici, ist der ehemalige weltliche Hautplatz Pisas heute für seine gewaltigen repräsentativen Renaissance-Bauten bekannt. Mehrere Paläste und Türme, sogar eine imposant ausgestattete Kirche erheben sich entlang der Piazza dei Cavalieri. Die geschmückte Treppe des gleichnamigen Palazzo ist ein Erlebnis für sich.
  • Botanischer Garten: 1543 auf Bestreben des Arztes und Botanikers Luca Ghini gegründet und von Großherzog Cosimo I. de‘ Medici finanziell unterstützt, wechselte der botanische Garten von Pisa mehrmals seinen Standort und landete um 1595 endgültig unweit der Piazza dei Miracoli. Eng mit der biologischen Fakultät der städtischen Universität verbunden, ist der Orto botanico zugleich Lehrort, Sammlung und Ruheoase.
  • Università Normale: Im Jahr 1343 wurde die Universität von Pisa, eine der ältesten und renommiertesten Universitäten des Landes, gegründet. Hier studierte und lehrte einst Galileo Galilei, zu den weiteren prominenten Studenten zählen unter anderem Papst Clemens XII., der spätere Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi und der weltberühmte Tenor Andrea Bocelli. Gemeinsam mit der Elitehochschule Scuola Normale Superiore und der Scuola Superiore Sant’Anna zählt Pisa somit zu den wichtigsten Universitäts- und Hochschulstandorten Italiens.

 

Für den Schiefen Turm anreisen und für die kulturelle sowie geisteswissenschaftliche Vielfalt bleiben: Die Kunststadt Pisa glänzt mit packenden Überraschungen hinter der prächtigen Fassade des Domplatzes, die unzählige Schätze freilegt. Zwischen atemberaubenden architektonischen Errungenschaften, majestätischen Fresken und spektakulärer Natur von Wasser bis Garten kommst du gewiss auf deine Kosten. Bis bald in der Toskana!