Kunststadt Mailand zwischen Kultur & Industrialisierung

Stadt der Mode, der Industrie und der Medien – Mailand nimmt nicht nur innerhalb Italiens eine spezielle Rolle ein. Die zweitgrößte Stadt des Landes und Hauptstadt der Lombardei mit ca. 1,4 Millionen Einwohnern gilt als Drehkreuz im Norden, günstig gelegen und zugleich Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. Mailand oder Milano, so die italienische Bezeichnung, stammt vom lateinischen Begriff Mediolanum – „in der Mitte der Ebene“ – ab. Die Vororte reichen bis zu anderen prominenten Kunststädten, wie Como und Bergamo, die Faszination ist bis heute ungebrochen. Wir haben einige Favoriten herausgepickt, die deinen nächsten Besuch in der Kunststadt Mailand besonders begeisternd gestalten werden.

Von keltischer Siedlung zu industrialisierter Metropole

Kunststadt Mailand

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Wir sagen das an dieser Stelle natürlich immer, aber die Geschichte Mailands ist wirklich hochgradig spannend. Die Gegend wurde erstmals um 400 v. Chr. durch die Insubrer besiedelt. Knapp 200 Jahre später eroberten die Römer diese keltische Siedlung und nannten sie Mediolanum – den Begriff kennst du bereits. Es sollte allerdings sehr lange dauern, bis das heutige Mailand an Bedeutung gewann. So residierten hier weströmische Kaiser im 4. Jahrhundert n. Chr., bevor der Hof nach Ravenna wanderte. Von der römischen Antike gibt es heute kaum architektonische Zeugen, da die Ostgoten Mailand 539 komplett zerstörten (Ausnahme: Colonne di San Lorenzo). Ein ähnliches Schicksal sollte die Stadt gut 600 Jahre später durch Barbarossa erneut erfahren. Die verbündeten Städte Mantua, Brescia, Verona und Bergamo begannen jedoch bereits fünf Jahre später mit dem Wiederaufbau Mailands.

Besagter Wiederaufbau brachte endlich den erhofften Aufschwung. Mailand übernahm die Führungsrolle im Lombardischen Städtebund ab 1167 und wurde nach Erlangen der Unabhängigkeit zur Signoria. Als die Stadt 1450 an die Sforza fiel, erfuhr Mailand einen begeisternden Ausbau zur Renaissance-Perle, nur um später heiß umkämpft zu sein. Ganz Norditalien fiel 1525 an das Haus Habsburg, ging kurz danach in die spanische Linie über und kehrte erst im frühen 18. Jahrhundert zurück in österreichische Hand. Apropos Hand: Napoleon hatte gleich zwei davon im Spiel, bevor erneut Österreich und schließlich das Königreich Italien Anspruch erheben sollten. Durch Zuwanderer aus anderen Landesteilen wuchs Mailand während der Industrialisierung schließlich gewaltig und erfuhr einen weiteren Boom nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Einwohnerzahl mag zwar aufgrund von Abwanderung ins Umland gesunken sein, dennoch bleibt Mailand ein Gigant.

Die Kirchenstadt Mailand

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Als Barbarossa 1162 die Stadt einnahm und weitestgehend dem Erdboden gleichmachte, blieben nur einige wenige Kirchen verschont. Das erklärt mitunter die Vielfalt an sakralen Gebäuden in Mailand. Wir haben uns ein paar Favoriten herausgepickt:

  • Dom: Die prächtige Domfassade wurde erst in napoleonischer Zeit fertiggestellt – eigentlich unglaublich für einen mehr als 400 Jahre zuvor begonnenen Bau. Mit seinen wunderschönen Details, ausladenden Dimensionen und dem wertvollen Domschatz ist der Duomo di Milano ein absolutes Muss.
  • Santa Maria presso San Satiro: Ein Sakralkomplex gewährt dir Einblicke in die architektonische Kirchengeschichte der Stadt. Der kleine Zentralbau stammt aus dem 9. Jahrhundert und blieb im Kern erhalten. Etwas neuer ist die angefügte Marienkirche aus der Renaissance mit spannendem Grundriss und grandioser Scheinarchitektur im Chor. Hingegen repräsentiert die Sakristei einen der wichtigsten Renaissance-Zentralbauten.
  • San Lorenzo Maggiore: Obwohl ab dem 12. Jahrhundert aufgrund von Bränden und Einstürzen umfassend umgestaltet, lässt diese Basilika nach wie vor ihre ursprüngliche Form aus dem 4. Jahrhundert erkennen. Der Tetrakonchos – ein Zentralbau mit vier Apsiden und vier Ecktürmen – beeindruckt.
  • Sant’Ambrogio: Auch diese, nach dem Erbauer Bischof Ambrosius benannte, Kirche stammt aus frühchristlichen Tagen. Sie wurde ab dem 8. Jahrhundert erweitert, um die Anforderungen einer neugegründeten Benediktinerabtei zu erfüllen. Zwar verhüllen Ummantelungen die antiken Säulen, die prächtige Ausstattung wie auch die Form erinnern weiterhin an die Anfänge.
  • San Maurizio: Die sogenannte „Sixtinische Kapelle Mailands“ entstand eigentlich als Klosterkirche im 16. Jahrhundert. Mittlerweile gibt es das Kloster nicht mehr, doch die Ausmalung durch bedeutende lombardische Maler hat bis heute Bestand. Lass dir dieses kunstvolle Glanzlicht nicht entgehen!
  • Santa Maria delle Grazie: Dieses UNESCO-Weltkulturerbe könntest du bereits kennen. Hauptgrund für die Ernennung ist natürlich Leonardo da Vincis berühmtes „Abendmahl“, doch hat die stilistische Pluralität mit Elementen der Gotik und der Renaissance ebenfalls einiges zu bieten.

 

Paläste, Schlösser und Kulturstätten

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Wir lassen das sakrale Mailand erst einmal hinter uns und widmen uns Gebäuden, die zwar größtenteils zur selben Zeit entstanden, jedoch weltlicher Ausprägung sind. Hier treffen Kunst und Kultur, Prunk und Zweckmäßigkeit aufeinander.

  • Palazzo della Ragione: Das Reiterstandbild an der Außenwand des oft einfach nur „Broletto“ genannten Palastes zeigt Oldrado da Tresseno, den damaligen Bürgermeister Mailands und Impulsgeber hinter diesem Gebäude. Hier wurden einst Märkte, Ratsversammlungen und Gerichtsprozesse abgehalten. Diverse Fresken schmücken das Innere.
  • Castello Sforzesco: Ein echtes Renaissance-Schmuckstück erwartet dich im Nordwesten der Altstadt. Francesco I. Sforza ließ sein Kastell anstelle der zerstörten Visconti-Burg bauen. Begünstigt gelegen um sich gegen Angreife von außen und Aufstände von innen zu verteidigen, findest du heute zahlreiche Museen hinter den massiven Mauern.
  • Biblioteca Ambrosiana: Gemeinsam mit der später eröffneten Pinakothek sowie der Kunstakademie entwickelte sich diese Bibliothek aus Zeiten der Gegenreformation zu einem wichtigen kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum. Zur gewaltigen Sammlung zählen Fragmente der Ilias Ambrosiana aus dem 5. Jahrhundert sowie ein mathematisches Manuskript mit Zeichnungen von Leonardo da Vinci.
  • Scala: Wer einmal in der Mailänder Scala gesungen hat, hat es geschafft. Das Teatro alla Scala zählt zu den berühmtesten Opernhäusern der Welt. Wo einst berühmte Werke von Verdi, Rossini, Salieri und Puccini uraufgeführt wurden, finden heute 2.030 Zuschauer Platz.
  • Palazzo Reale: Obwohl der Königliche Palast älterer Natur ist, erhielt er sein gegenwärtiges Erscheinungsbild erst unter der Herrschaft von Kaiserin Maria Theresia. Mehrfach beschädigt, zerstört und restauriert, erfand sich der Palazzo in jüngerer Vergangenheit als Kulturzentrum neu.

 

Das neue(re) Mailand

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Mailand stand – und steht – nicht still. Gerade nach der Einigung Italiens und der späteren Industrialisierung entwickelte sich die Stadt rapide weiter. Das zeigt sich unter anderem an folgenden Glanzlichtern.

  • Galleria Vittorio Emanuele II: Benannt nach und eröffnet vom Einiger und König Italiens, handelt es sich hierbei nicht etwa um eine Kunstgalerie, sondern um das älteste noch aktive Einkaufszentrum des Landes. Vornehmlich hochpreisige Geschäfte bezogen ihr prestigeträchtiges Quartier unter dem monumentalen Glasdach.
  • Cimitero Monumentale: Ein Friedhof als Sehenswürdigkeit? Tatsächlich fasziniert diese neuromanische Anlage auf vielfältigste Weise. Hier fanden einige der berühmtesten Italiener, darunter der Dichter Manzoni, die Rennfahrer-Dynastie Ascari und die Campari-Familie, ihre letzte Ruhe.
  • Hauptbahnhof: Die Industrialisierung benötigte ein ausgebautes, erweitertes Verkehrsnetz. Die 1931 eingeweihte Stazione di Milano Centrale, an die Union Station in Washington D.C. angelehnt, ist heute Dreh- und Angelpunkt von ca. 120 Millionen Fahrgästen pro Jahr. Eine Gedenkstätte am Gleis 21 erinnert an die Schrecken der Schoah.
  • Pirelli-Hochhaus: Als Mailand in der Nachkriegszeit erneut zu wachsen begann, entstanden gewaltige Hochhäuser. Lange Zeit galt das Pirelli-Gebäude als Dach der Stadt. Die eigenwillige Form, die imposante Vorhangfassade und der kautschukartige Bodenbelag ergeben ein spannendes Gesamtbild.
  • Velasca-Hochhaus: Zeitgleich entstand ein weiteres Hochhaus unweit des Mailänder Doms. Nach einem spanischen Gouverneur des Herzogtums aus dem 17. Jahrhundert benannt, fällt die Pilzkopfform sofort ins Auge. Im „Pilzkopf“ selbst befinden sich Wohnungen, darunter Geschäfte und Büros.

 

Wir könnten natürlich noch ewig so weitermachen, denn Mailand schläft nicht. So wird aktuell beispielsweise das alte Messegelände neubebaut und soll schon bald Heimat des höchsten Hochhauses Italiens sein. Entsprechend kannst du bei deinem Besuch immer wieder Neues erleben, aber auch so viele versteckte, alte Schätze entdecken. Wir empfehlen dir mehrere Tage für deine Mailand-Reise – oder gleich eine ganze Woche, um die weite Umgebung und die benachbarten Kunststädte zu besuchen. Du wirst es nicht bereuen.

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