Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert

©Bigstock.com/vvoevale

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Padua gilt als eine der schönsten Städte Italiens, und das kommt nicht von ungefähr. Der älteste botanische Garten der Welt zieht als UNESCO-Weltkulturerbe seit jeher Gäste aus aller Welt an, und die Altstadt mit ihren Kirchen, Kapellen und Palästen ist stets einen Spaziergang wert. Eigentlich sogar mehr als einen Spaziergang, denn seit 2021 verfügt Padua über eine zweite Welterbestätte, die dich mitten in den historischen Stadtkern führt. Hinter der Überschrift „Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert“ verbergen sich Decken- und Wandmalereien von unschätzbarem Wert, die sich über acht verschiedene Gebäude erstrecken. Welche Gebäude das sind, welche Künstler dahinter stecken und was die Freskenkunst des sogenannten Trecento so besonders macht, erfährst du selbstverständlich hier.

 

Kunstrevolution im Trecento

Das 14. Jahrhundert revolutionierte die Welt der italienischen Künste. Neben Literatur und Musik machte sich die Protorenaissance selbstverständlich auch bei Malern und Bildhauern bemerkbar, das sogenannte „Trecento“ (eine Kurzform von „milletrecento“, das italienische Wort für „1300“) war angebrochen. Siena, Pisa und auch Padua entwickelten ihre eigenen Kunstschulen, deren Techniken und Innovationen sich schnell über das ganze Land und bis weit über die Landesgrenzen hinaus ausbreiteten. In dieser Zeit hielten zwei große Neuerungen Einzug in Italiens Studios: die Sinopie und das Tagwerk.

 

Bis weit ins 13. Jahrhundert hinein stand das sogenannte „Pontata“ an der Tagesordnung. Diese Vorgehensweise konzentrierte sich auf die Fertigstellung größerer, vordefinierter Putzflächen entlang der Gerüstlagen, unabhängig von Motivgrenzen. Das Tagwerk bemühte sich hingegen darum, komplette Motive bzw. Teilmotive innerhalb eines Tages abzuschließen und diese somit einheitlicher wirken zu lassen. Um diesen Effekt der strukturierten Uniformität zu erreichen, kamen Sinopiezeichnungen zum Einsatz. Während die Meister weite Freskenteile anhand der Sinopieskizzen anfertigten, erhielten ihre Assistenten kleinere Bereiche für Fein- und Detailarbeit. Durch diese deutlich genauere Ausarbeitung des Bildentwurfs erreichten die Künstler des Trecento komplexere räumliche Tiefe und kompositorische Gliederung. Und genau das erwartet dich in Paduas Freskengebäuden.

 

Die wichtigsten Fresko-Protagonisten Paduas

An den Welterbe-Freskenzyklen waren zahlreiche Künstler beteiligt. Sie alle aufzulisten, würde wohl den Rahmen sprengen, und so präsentieren wir dir drei besonders wichtige Vertreter:

  • Giotto: Der Wegbereiter der italienischen Renaissance wuchs als Sohn eines Schmiedes in Florenz auf und ist entsprechend eng mit der toskanischen Stadt verbunden. Sein Hauptwerk schuf er dennoch in Padua. Giotto gilt als Begründer der Trecento-Freskomalerei. Seine Vorbereitung der Perspektive sowie die Natürlichkeit und Lebendigkeit seiner Figuren revolutionierten die Kunstwelt und entfernten sich von der bis dato vorherrschenden Zweidimensionalität.
  • Giusto de‘ Menabuoi: Ob Giusto nun ein Schüler Giottos erster oder zweiter Generation war, ist nicht restlos geklärt. Ebenfalls ursprünglich in Florenz ansässig, schuf er in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts unzählige Fresken von unschätzbarem Wert und wirkte unter anderem in Mailand. Räumliche Effekte und eine Vorliebe für helle Farben in reicher Zahl zeichnen Giustos Werk aus.
  • Guariento di Arpo: Im Gegensatz zu seinen prominenten Trecento-Zeitgenossen wurde Guariento di Arpo tatsächlich in Padua geboren. Sein erster großer Auftrag war ein Zyklus von Engelsbildern für die Kapelle der Carrara-Residenz. Guariento erlernte seine Künste zwar in Padua und steuerte mehrere Welterbe-Freskenzyklen bei, doch darf seine Rolle als Verbreiter von Giottos Innovationen auf keinen Fall unerwähnt bleiben. Sein Paradiesbild im Dogenpalast trieb die Zurückdrängung der in Venedig überwiegend byzantinisch geprägten Kunst voran.

 

Acht Gebäude und ihre Freskenzyklen

©Bigstock.com/e.della

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Nun bist du mit der Innovation des Trecento sowie einigen Künstlern hinter den Freskenzyklen vertraut. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Hauptattraktion – ein Blick auf jene acht Gebäude, um die sich die UNESCO-Welterbestätte „Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert“ dreht:

  • Cappella degli Scrovegni: Wo sich einst das antike Amphitheater befand, erhebt sich heute die erste Adresse für Freskenkunst in Padua. Giotto malte die Kapelle während ihrer Erbauung von 1302 bis 1306 aus. Das einflussreise Hauptwerk des Meisters konzentriert sich auf Szenen von Marias Eltern, Maria selbst und Jesus sowie eine Darstellung des jüngsten Gerichts. Das Tonnengewölbe mit seinem tiefblauen, von goldenen Sternen bedeckten Himmel thront über den atemberaubenden Fresken. Bitte beachte, dass die Kapelle nur nach Voranmeldung für maximal 15 Minuten besucht werden darf.
  • Chiesa degli Eremitani: Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zogen diese Kirche neben der Scrovegni-Kapelle stark in Mitleidenschaft, durch wurde sie umfassend restauriert. Die Fresken erwarten dich im Presbyterium, wo Guariento di Arpo und seine Schüler wirkten, sowie in der Ovetari-Kapelle. Hier sind nur zwei Fresken von Andrea Mantegna, Niccolò Pizzolo und zwei weiteren Malern gut erhalten, der Rest wurde in Bruchstücken restauriert.
  • Palazzo della Ragione: Das einstige kommerzielle Zentrum Paduas mit dem Gerichtssaal im Obergeschoß verlor die Originale von Giotto und Schülern leider an einen Brand. Nicolò Miretto konnte diese ab 1425 in leichter Abwandlung wiederherstellen. Der Freskenzyklus im riesigen Saal zeigt Monats- und Planetenallegorien, Tierkreiszeichen, die dazugehörigen Heiligen sowie typische Berufe und Tätigkeiten.
  • Loggia dei Carraresi: Die Herrschaftsresidenz der Carrara-Familie, wo Guariento di Arpo seine ersten Gehversuche wagte, gibt es heute nur mehr in kleinen Teilen. Diese Loggia mit Szenen aus dem Alten Testament entstand wohl Mitte des 14. Jahrhunderts. Obwohl die Öffnung dieser Räumlichkeit zur Beschädigung oder sogar zum Verlust einiger Fresken führte, sind die überlebenden biblischen Darstellungen mehr als sehenswert.
  • Battistero del Duomo: Neben der vergleichsweise schlicht gehaltenen Kathedrale befindet sich ein Baptisterium im romanischen Stil, das 1281 vollendet und erst ein Jahrhundert später mit Fresken von Giusto de‘ Menabuoi ausgemalt wurde. Dieser hervorragend erhaltene Zyklus breitet die Lebensgeschichten von Jesus und Johannes dem Täufer an den Wänden und der Kuppel aus.
  • Complesso della Basilica di Sant’Antonio di Padova: Die Basilika des Heiligen Antonius ist wahrscheinlich die wichtigste, prächtigste und vielfältigste Sehenswürdigkeit Paduas. Ein weiterer tiefblauer Himmel mit goldenen Sternen und ausladenden Verzierungen führt dich durch dieses monumentale Gebäude. Die Seitenkapellen sind mit kompletten Freskenzyklen ausgestattet. Besonderes Augenmerk gilt der Kapelle des heiligen Jakobus im rechten Querschiff. Altichiero da Zevios Hauptwerk widmet sich unter anderem einer Kreuzigungsgruppe und der Geschichte des Heiligen Apostels Jakob.
  • Oratorio di San Giorgio: Im Schatten der Basilika lauert ein weiteres Meisterstück von Altichiero da Zevio. Das Oratorio di San Giorgio ist ebenfalls mit prächtigen Fresken ausgestattet. Der Fokus liegt auf dem Leben Jesu und diverser Heiliger. Mehrere Martyrien-Darstellungen glänzen durch besondere Eindrücklichkeit. In einer weiteren spektakulären Szene rettet Ritter Georg eine Prinzessin vor einem Drachen.
  • Oratorio di San Michele: Abschließend befassen wir uns mit einer relativ kleinen, beinahe unscheinbaren Kapelle, die 1397 als Lückenbüßer in einer zerstörten Kirche entstand. Giacomo da Verona widmet diesen Freskenzyklus dem Leben der Jungfrau Maria mit allen typischen Szenen von Verkündigung über Christi Geburt bis Tod. Bei genauem Blick auf die umfangreichen Darstellungen, die sich sogar über das Innere von Torbögen erstrecken, entdeckst du unter anderem einen versteckten Petrarca.

 

Das Erbe des Trecento breitete sich in Windeseile über ganz Italien und weite Teile Europas aus. Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert demonstrieren die einzigartige Wirkung der wichtigsten Meisterwerke auf eindrucksvolle Weise. Sämtliche Meister an einem Ort, acht prächtige Gebäude mit magischen Freskenzyklen und eine Vielfalt faszinierender Darstellungen in nicht minder faszinierender Architektur – mit Sicherheit eine Zusammenstellung, die vollkommen zurecht „Weltkulturerbe“ genannt wird. Übrigens gibt es noch viele weitere Fresken in ganz Padua zu entdecken, am besten im Rahmen deines nächsten Städteurlaubs!

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