Kunststadt Triest – ein Zusammentreffen der Kulturen

©Bigstock.com/Gimas

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Triest nimmt ohne Frage einen Sonderstatus ein. Die Stadt im Nordosten Italiens, nur wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die ihre Spuren an allen Ecken und Enden der Hauptstadt der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien hinterließ. Einst wichtiger Hafen Österreichs bzw. Österreich-Ungarns und später um sein Hinterland „erleichtert“, war Triest zwischenzeitlich sogar nahezu isoliert als Grenze zwischen Ost und West. Heute ist die Kunststadt ein wichtiger Freihafen und beliebter Urlaubsort, der mit seinen wunderbaren Bademöglichkeiten und packenden Sehenswürdigkeiten in jüngeren Jahren zunehmend an Bedeutung gewann. Und genau diese Highlights stellen wir dir näher vor.

Ein Spielball großer Herrscher

Aufgrund seiner Lage war die Region rund um Triest immer schon von zentraler Bedeutung. Die gesamte Geschichte der Küstenstadt abzuwickeln, würde den Rahmen sprengen, deswegen nur einige wesentliche Punkte: Die Region war einst Heimat keltischer und illyrischer Stämme. Ab 177 v. Chr. zogen die Römer nach Istrien und errichteten mehrere Militärlager, ca. 50 Jahre später entstand die Siedlung Tergeste. Das Gebiet diente fortan als exklusiver Touristenort sowie als zwischenzeitliche Grenzfestung. Von der Völkerwanderung stark gebeutelt, regierten die Bischöfe von Triest jahrhundertelang über die Stadt, bevor die Eroberung durch Venedig zu 180 Jahren andauernden Konflikten führte. Die freiwillige Unterwerfung im Jahr 1382 brachte Triest bis Ende des Ersten Weltkrieges in habsburgisch-österreichische Hand.

Trotz starkem Widerstand in den Anfangsjahren konnte sich Triest unter habsburgischer Herrschaft stabilisieren. Mit der Erhebung zum Freihafen im Jahr 1719 und der späteren Eroberung Venedigs durch die Österreicher erlangte die Stadt eine führende Handelsposition. Dieser Reichtum schlug sich durch erstaunliche architektonische Errungenschaften während der Gründerzeit nieder, welche mit wachsender Industrialisierung und aufkeimendem Nationalismus kollidierten. Nach dem Ersten Weltkrieg von faschistischen Kräften vereinnahmt, definierte der Pariser Friedensvertrag von 1947 weite Teile der Region als Freies Territorium Triest. Der neutrale Staat wurde später aufgelöst. Triest und seine nächste Umgebung gingen an Italien, das Hinterland und der Nordwesten Istriens an Jugoslawien. Erst 1975 wurde diese Grenzziehung offiziell bestätigt. Es sollte bis ins neue Jahrtausend dauern, dass Triest durch den Eintritt Sloweniens in die EU und den Schengen-Raum seine geografische und wirtschaftliche Randposition verlor.

Piazza dell’Unità d’Italia und Piazza Verdi

©Bigstock.com/NPershaj

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Triest stellt uns – und dich – vor die Qual der Wahl. Es warten so viele spannende Orte und geradezu magische Sehenswürdigkeiten auf neugierige Augen, wo soll man da bloß ansetzen? Wir spazieren dieses Mal durch Triest von Platz zu Platz, Stadtteil zu Stadtteil, und picken die sprichwörtlichen Rosinen aus dem Kuchen. Los geht es selbstverständlich im Zentrum. Die Piazza dell’Unità d’Italia, als größter Platz der Stadt auch Piazza Grande genannt, ist an drei Seiten von neoklassischen sowie spannenden barocken Bauten umgeben. Dazu zählen:

  • Das Rathaus Palazzo del Municipio ließ sich vom Louvre sowie der Scuola Grande di San Rocco in Venedig inspirieren. Zwei Bronzestatuen schlagen zu jeder vollen Stunde die Turmuhr.
  • Palazzo Pitteri entstand 1790. Das älteste Gebäude am Platz trägt den Namen des Schriftstellers Riccardo Pitteri und gehört mittlerweile einer Versicherungsgesellschaft.
  • Heinrich von Ferstel, Architekt der Wiener Votivkirche, entwarf den Palazzo del Lloyd Trestino. Für den Palast der österreichischen Schifffahrtgesellschaft ließ sich von Ferstel von italienischer Renaissancearchitektur inspirieren.
  • Der ursprünglich als Gasthaus geplante Palazzo Modello verkörpert Triests eklektischen Historismus perfekt. Hier kommen antike Elemente, die italienische Renaissance, mittelalterliche Stile und das Barock zusammen.

 

Direkt an das Herzstück Triests angrenzend, erwartet dich die Piazza Verdi. Hier befindet sich das Opernhaus Teatro Verdi, nach dem weltberühmten Komponisten Giuseppe Verdi benannt. Mehrere seiner Opern wurden hier uraufgeführt. Im Hintergrund erhebt sich die Alte Börse. Die Vorderseite mit Portikus erinnert an einen dorischen Tempel.

Borgo Teresiano und Borgo Giuseppino

Zwei der größten Stadtviertel Triests bewegen sich von der Piazza dell’Unità d’Italia weg in etwas weiter entlegenere Gefilde. Die Theresienvorstadt Borgo Teresiano erstreckt sich beispielsweise bis zum Hauptbahnhof. Errichtet wurde das Gebiet auf Anweisung Kaiserin Maria Theresias auf trockengelegten Salinen. Der wunderschöne, nächtlich beleuchtete Canal Grande zieht sich als Hauptachse durch das Gebiet. Sein Endpunkt ist die klassizistische Kirche Sant’Antonio Nuovo, Triests größte katholische Kirche. Prächtige Werke venezianischer und deutscher Maler zieren den Innenraum. Viele weitere Kirchengebäude, darunter das griechisch-orthodoxe San Nicolò dei Greci, das serbisch-orthodoxe San Spiridione und die Triestiner Synagoge, befinden sich in diesem Stadtviertel.

Das Borgo Giuseppino (Josefsvorstadt) dehnt sich hingegen bis zum Campo Marzio, der Uferpromenade und der Piazza Attilio Hortis aus. Die zum Meer hin offene Piazza Venezia mit dem Molo Veneziano und Molo Sartorio bildet das Herzstück des Viertels. Das Museo Revoltella im Renaissance-Stil und die Stadtbibliothek Biblioteca Civica Attilio Hortis zählen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Borgo.

Altstadt und Colle di San Giusto

Die Piazza dell’Unità d’Italia zieht sich bis zum Hügel von San Giusto, an dessen Fuß der älteste Stadtteil Triests liegt, die Altstadt. Mussolini ließ sie einst bewusst zerstören und verkommen, um antike Überreste freizulegen. Dazu zählen die Ruinen des Teatro Romano, ein römisches Theater, das wohl im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand. Die romanische Kirche San Silvestro aus dem 11. Jahrhundert ist wohl die älteste der Stadt und wird vom barocken Gotteshaus Santa Maria Maggiore geradezu überragt. Den Blick von innen in die Kuppel darfst du dir nicht entgehen lassen! Hinter den Kirchen erhebt sich der letzte erhaltene Teil der römischen Stadtmauer aus augustinischer Zeit, der Arco di Riccardo.

Auf dem Hügel San Giusto selbst erwartet dich das Wahrzeichen Triests. Die Kathedrale von San Giusto ist ein romanischer Bau aus dem 14. Jahrhundert, der Elemente seiner Vorgängerbauten aus römischer und christlicher Zeit einschließt. Von der asymmetrischen Fassade mit gotischer Fensterrosette über den imposanten Campanile mit romanischem Fries im Treppenhaus bis zu den prächtigen Altären in den Kapellen und der Kathedrale selber kommst du bestimmt nicht mehr aus dem Staunen heraus. Das Kastell von San Giusto ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Trotz seines mächtigen Erscheinens war es kaum von militärischer Bedeutung. Wenn wir schon bei Anhöhen sind, wollen wir dir die Wallfahrtskirche Monte Grisa auf dem gleichnamigen Hügel etwas außerhalb der Stadt nicht vorenthalten. Erst in den 1960er Jahren errichtet, fällt die kuriose, dreieckige Form im Stile des Brutalismus sofort ins Auge.

Damit hätten wir zumindest an der Oberfläche Triests gekratzt. Die faszinierende Geschichte, der weite Hafen und die zahlreichen Plätze haben noch so viele weitere magische Schätze zu bieten. Kurzum: Du musst Triest einfach besuchen und mit eigenen Augen erlebt haben! Du wirst garantiert nicht enttäuscht sein.

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