Kunststadt Trient – vom Fürstbistum zur Festung

Südlich der mächtigen Felsgiganten der Dolomiten öffnet sich das Etschtal. Vom Monte Calisio, Marzola, Becco di Filadonna, Monte Bondone und Paganella umrahmt, lädt die Kunststadt Trient in das Herz eines einstigen Fürstbistums, das später zur gewaltigen Festung ausgebaut wurde. Heute dokumentiert die Hauptstadt von Trentino-Südtirol seine packende Geschichte in unzähligen Museen sowie an spannenden Schauplätzen zwischen der wunderschönen Altstadt und malerischen Hügeln. Von frühchristlichen Ruinen bis zu moderner Kunst, von gegenreformatorischen Wurzeln bis zu den Anfängen der Luftfahrt erwarten dich packende Highlights, egal wohin du siehst. Was du unbedingt sehen musst und was du über Trient wissen solltest, erfährst du natürlich hier.

Wo einst die Gegenreformation ihren Ausgang nahm

©Bigstock.com/saiko3p

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Trients historische Bedeutung setzte vergleichsweise spät, ab dem 16. Jahrhundert ein. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass sich in der Region zuvor nichts tat. Das Etschtal war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, Trient selbst von den Kelten gegründet und später von den Römern eingenommen worden. Von ihnen kommt der Name Tridentum („Drei Zähne“). Die Straßen wurden ausgebaut und zur zentralen Verkehrsachse für die Eroberung alpiner Gefilde umgewandelt. Nach dem Fall des Weströmischen Reiches herrschten verschiedene Völker, bevor die weltliche Gewalt im Jahr 1004 an die Bischöfe ging und dort acht Jahrhunderte verweilen sollte.

Das Konzil von Trient (1545 bis 1563) begründete die historische Bedeutung der Stadt und war Ausgangspunkt der Gegenreformation. In dieser Zeit wurden Teile Trients im Renaissancestil neugestaltet, später folgten weitere barocke Elemente. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 endete das Fürstbistum Trient, es folgten Eingliederungen in die Königreiche von Bayern, von Italien und von Österreich-Ungarn. Der Ausbau zur Festung in den 1870ern sollte die Stadt vor militärischen Angriffen schützten, die im Ersten Weltkrieg tatsächlich folgten. Trient und die umgebende Region waren Schauplatz heftiger Kämpfe. Mit dem Vertrag von Saint-Germain ging das Trentino an Italien. Mittlerweile zählt die Region zu den wohlhabendsten des Landes.

Der Domplatz

©Bigstock.com/johannes8

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Die erste Station deiner Stadttour führt dich direkt in das Herz von Trient. Auf dem Domplatz befindet sich das einstige Zentrum der Macht eines gewaltigen Fürstbistums. Mehrere monumentale Gebäude und ein nicht minder spektakulärer Brunnen erwarten dich auf und rund um den Platz:

  • Kathedrale San Vigilio: Im Dom fand das Konzil von Trient statt. Hier wurden wichtige Dekrete erlassen, welche die Basis für die Gegenreformation bilden sollten. Bereits Ende des 4. Jahrhunderts gab es hier eine frühchristliche Basilika, damals vor allem als antike Kultstätte dienend. Ab 1212 ließ Bischof Friedrich von Wangen den Bau einer romanischen Kathedrale in Angriff nehmen. Die prächtige Gestaltung der Außenfassade mit Pilastern, Türmen und Blendarkaden sowie imposanten Fenstern und Statuen fällt sofort ins Auge. Der barocke Baldachin über dem Hauptaltar sowie klassisch christlichen Fresken an der Nordwand des Querschiffs zeugen von der bewegten Geschichte der Kathedrale.
  • Palazzo Pretorio: Im 11. Jahrhundert „wanderte“ der Bischofspalast auf den Domplatz, unmittelbar neben das heutige San Vigilio. Restaurierungsarbeiten zwischen 1953 und 1964 förderten die ursprüngliche romanische Baustruktur wieder zutage. Der Palast mit dem gewaltigen Glockenturm beheimatet heute das Diözesanmuseum.
  • Neptunbrunnen: Zwischen 1767 und 1769 entstand dieser barocke Brunnen, nahezu in der Mitte des Domplatzes aufgestellt. Andrea Malfattis bronzene Neptunstatue ist allerdings eine Nachbildung. Das steinerne Original von Francesco Antonio Giongo findest du im Hof des städtischen Rathauses.

 

Die Museen Trients

Eine erstaunlich hohe Dichte an Museen verschiedenster Epochen und Themenkreise zieht sich durch alle Ecken und Enden Trients. Hier treffen alte Meister auf moderne Kunst und alpine Errungenschaften auf Luftiges. Folgende fünf Einrichtungen sollten unbedingt Teil deiner Urlaubspläne sein.

  • Tridentinisches Diözesanmuseum: Im ehemaligen Bischofspalast Palazzo Pretorio befindet sich heute diese Kunst- und Kultursammlung mit Werken vom 11. bis zum 19. Jahrhundert. Beim Museumsrundgang kannst du die benachbarte Kathedrale von oben sehen und die Überreste der Porta Veronensis betrachten. Die archäologische Ausgrabungsstätte der frühchristlichen Basilika gehört zwar ebenso zum Diözesanmuseum, kann aber nur über San Vigilio betreten werden.
  • MART: 2002 wurde das Museo d’arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto, kurz „MART“, an zwei Standorten eingerichtet. Neben dem Hauptgebäude in Rovereto, ca. eine halbe Autostunde entfernt, kannst du auch in Trient packende moderne und zeitgenössische Kunst betrachten.
  • Historisches Museum der Alpini: Italienische Gebirgstruppen sind in diesem Museum auf dem Hügel Doss Trento zuhause. Es wurde neben einem Mausoleum für die Alpini-Offiziere Trients und den Irredentisten Cesare Battisti errichtet. Hier erhältst du faszinierende Einblicke in die Geschichte verschiedener, auf Gebirgseinsätze spezialisierter Truppen.
  • Luftfahrtmuseum Gianni Caproni: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte Gianni Caproni eines der wichtigsten Luftfahrtunternehmen der Welt. Schon früh begann der Luftfahrtingenieur, seine wichtigsten Flugzeugmodelle zu sammeln. Heute kannst du bedeutende Flieger aus der Pionierzeit, der Kriegs- und Nachkriegszeit betrachten.

 

Was es sonst noch zu sehen gibt

©Bigstock.com/rparys

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Wenn es dir so wie uns geht, dann kannst du bestimmt auch nicht genug von Trient bekommen. Wir haben noch etwas für dich vorbereitet:

  • Dante-Denkmal: Inspiriert vom Walther von der Vogelweide-Denkmal in Bozen, sicherte sich Gugliemo Ranzi 1889 die Unterstützung der Obrigkeit für ein Monument zu Ehren Dante Alighieris. Die Bronzestatue von Cesare Zocchi zeigt Szenen aus der Divina Commedia, über denen der Dichter selbst thront.
  • Castello del Buonconsiglio: Bis 1796 diente diese Niederungsburg auf einem Felsvorsprung in der Altstadt als Bischofssitz. Das denkmalgeschützte Castello zählt zu den wichtigsten Gebäuden Trients und fungiert unter anderem als Ausstellungsraum sowie Gedenkstätte. Das kunsthistorische Museum Museo Provinciale d’Arte, das Museo Storico sowie die Pinakothek befinden sich ebenfalls hinter den Burgmauern.
  • Buco di Vela: Im Rahmen des Ausbaus der Befestigungsanlagen entstand diese Anlage zur Abschottung des Valle di Rio Vela. Bis 2004 führte eine stark befahrene Straße durch den Torbogen der einstigen Straßensperre und beschädigte das Bauwerk zunehmend. Ein Straßentunnel leitet seither rundherum und ermöglichte letztlich die Wiederherstellung der Originalstruktur, heute Heimat eines Museums über den österreichisch-ungarischen Festungsbau.

 

Vom Domplatz über die Museen bis zur imposanten Festungsanlage ist Trient stets eine Reise wert. Wo einst Bischöfe 800 Jahre lang die Geschicke einer ganzen Region lenkten, erwartet dich heute eine hochspannende Kunststadt, die zahlreiche Einblicke in ihre spannende Geschichte ermöglicht und zugleich zu einer Fülle von Wanderungen und Bergtouren in unmittelbarer Umgebung einlädt. Viel Spaß bei deiner Tour über Berg und Tal!

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