Kunststadt Cagliari mit antiken Glanzlichtern

©Bigstock.com/c_73

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Sardiniens Hauptstadt liegt im Süden der Insel. Sie ist Heimat wunderschöner Strände, prächtiger Promenaden und einladender Parkanlagen. Was dabei gerne übersehen wird: Cagliari ist eine vielfältige Kunststadt, der man ihre überaus lange, vielfältige Geschichte im besten Sinne anmerkt. Bereits in prähistorischer Zeit besiedelt, wurde sie erobert, zerstört, verlassen und neugegründet. Somit kannst du heute in und rund um Cagliari das Erbe unzähliger Epochen entdecken und in einer Art architektonischem Zeitraffer erleben. Und dann ist da natürlich die traumhafte Aussicht auf den Golf von Cagliari, den die erhöhte Hügellage offenbart … da kommt man gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus!

 

Cagliaris Kurzgeschichte

Die Wurzeln der Region liegen in der Jungsteinzeit. Dank ihrer idealen Lage zwischen dem Meer, einer fruchtbaren Ebene und zwei Sumpfgebieten sowie hohen Bergen als Rückzugsorten erfreute sie sich großer Beliebtheit, unter anderem bei der Monte-Claro-Kultur. Als Kalaris wurde man später zur phönizischen Kolonie, geriet nach dem Ersten Punischen Krieg unter römische Herrschaft, diente als wichtiger Flottenstützpunkt im Zweiten Punischen Krieg und erhielt schließlich das Bürgerrecht. Nach dem Untergang des Weströmischen Reichs fielen Vandalen ein, doch sorgte die byzantinische Übernahme dafür, dass Cagliari auch im Mittelalter eine wichtige Rolle innehatte.

 

Als Byzanz im 9. Jahrhundert an Einfluss verlor, bildeten sich fünf Sardische Judikate, bevor Cagliari jenes von Agugliastra annektierte und daraus für mehrere Jahrhunderte derer vier wurden. Während dieser Phase der Unabhängigkeit verließen die Bürger jedoch die Stadt und gründeten Santa Igia im Binnenland, um wiederholten Überfällen von Seeräubern zu entgehen. Die Republik von Pisa ließ Santa Igia im Zuge ihrer Eroberungen 1258 zerstören; das von Kaufleuten errichtete, befestigte Castel di Castro wurde zum Vorläufer des modernen Cagliari. Die Region ging im 14. Jahrhundert in spanische Verwaltung und 1718 schließlich an das Haus Savoyen. Das Königreich Sardinien-Piemont war geboren. Nach der Vereinigung Italiens erfuhr Cagliari sprunghaften Wachstum. Zahlreiche Gebäude schossen in die Höhe, begleitet vom populären Art-Nouveau-Stil und blumigen Verzierungen.

 

Was von Karalis blieb

Von solch modernen Gefilden halten wir uns aber vorerst fern, denn die Kunststadt Cagliari nimmt ihren Anfang viel, viel früher. Wir interessieren uns zunächst für Karalis, wie Sardiniens Hauptstadt zu punischer, römischer und frühchristlicher Zeit hieß. Zwei bis heute gut erhaltene Plätze illustrieren dessen einzigartige Rolle in dieser Region auf spannende Weise. Unser erster Stopp ist Tuvixeddu, was im Sardischen so viel wie „durchlöcherte Gegend“ heißt. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn die ursprünglich punische Nekropole auf einem Hügel im Norden Cagliaris besteht aus tausenden Felsengräbern, die in späteren Phasen um eine weitere Nekropole sowie eine römische Grablege erweitert wurden. Aus der Luft sieht es tatsächlich so aus, als wäre das Gebiet durchlöchert worden.

 

Neben besagter Grablege, dem sogenannten Heroon der Atilia Pomptilla mit poetischen griechischen und römischen Inschriften, ist das Amphitheater das wichtigste Zeugnis römischer Kultur in Cagliari. Direkt in den Hang gebaut mit teils in Stein gehauenen Sitzen, zerstörte die jahrhundertelange Nutzung aus Steinbruch leider große Teile der gewaltigen Anlage, die vermutlich Platz für 8.000 bis 12.300 Zuschauer bot. Seit der ersten Renovierung und Restaurierung im Jahr 1866 erhielt das Amphitheater zusätzliche Holzanbauten, wie Gänge und Sitzreihen, um das historische Ambiente auch heute noch als Veranstaltungsort nutzen zu können.

 

Der Dom von Cagliari

©Bigstock.com/Banet

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Die Cattedrale di Santa Maria Assunta e Santa Cecilia ist eines von vielen Gebäuden, bei denen kaum ein Stein auf dem anderen blieb. Bereits 1217 ließen die Pisaner die Kathedrale im damals vorherrschenden normannisch-pisanischen Stil errichten. Bereits im 14. Jahrhundert folgte der erste Umbau, darunter Änderungen an der Fassade und der Einbau des Querhauses. Ähnliche Eingriffe folgten immer wieder, wobei der umfassende barocke Umbau ab 1669 gewiss die größten Auswirkungen hatte. Überreste der wegen Baufälligkeit abgetragenen Barockfassade – sie wurde in der Zwischenkriegszeit unter Einbeziehungen pisanischer Romanik wiedererrichtet – kannst du im Dommuseum bewundern.

 

Besagte barocke Eingriffe erwarten dich vor allem im Dom, dessen Innenausstattung komplett auf den Stil umgebaut wurde. Zu den Highlights zählt die Krypta, deren Gewölbe mit 600 Rosetten verziert ist, und in denen die Gebeine von fast 300 sardischen Märtyrern ruhen. Das getriebene Silberantependium aus Madrid, das fein ziselierte Tabernakel, das prächtige Altarbild mit einer Kreuzigung und der thronenden Madonna sowie die kunstvollen Buntmarmorböden sorgen für Begeisterung. Mit der Mitte des 12. Jahrhunderts geschaffenen Marmorkanzel, ein Geschenk der Pisaner, findest du zudem eines der wichtigsten pisanischen Kunstwerke auf Sardinien in der Kathedrale.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten in Cagliari

Neben den antiken Überresten Karalis‘ und dem prächtigen Dom gibt es noch weitere Highlights, welche Cagliari zur eindrucksvollen Kunststadt machen:

  • Basilica di Nostra Signora di Bonaria: Der Hügel Bonaria in Cagliari beherbergt nicht nur eine Nekropole, sondern das größte Wallfahrtszentrum auf Sardinien. Eine erste Zitadelle entstand bereits um 1323/24, nachdem Alfons IV. von Aragón via Bonaria ganz Sardinien eroberte, die heutige Basilika ist jedoch barocken Ursprungs. Ihr Name kommt von einem Gnadenbild, das der Legende nach 1370 in einer Kiste am Ufer angespült wurde. Ein Gemälde von Antonio Corriga in der Basilika illustriert die Rettung des Bildes durch Seeleute. Das dazugehörige Kloster dokumentiert im Kreuzgang die Geschichte der Marienverehrung von Bonaria.
  • Bastione di Saint Remy: Im späten 16. Jahrhundert bauten die Spanier diverse Festungsanlagen, um Cagliari zu schützen. Zwei von ihnen dienten als Fundament für diese Bastion, die zwischen 1896 und 1902 entstand. Die imposante Struktur im klassizistischen Stil erfüllt allerdings keine militärische Funktion. Sie verfügt über eine große Aussichtsterrasse, die bei Einheimischen und Touristen überaus beliebt ist. Hier genießt du einen prächtigen Ausblick über die Kunststadt.
  • Die Türme: Einige Teile der alten Verteidigungsanlagen stehen nach wie vor, darunter der Torre dell’Elefanto und der Torre di San Pancrazio. Sie waren Teil erster pisanischer Strukturen aus dem 14. Jahrhundert und dienten den Spaniern als Gefängnis. Seit der Renovierung 1999 kannst du den Elefantenturm – benannt nach einem kleinen Marmorelefanten über dem Tor – und den Pancrazio-Turm erklimmen und den prächtigen Ausblick genießen.

 

Steinzeitliche und barocke Elemente ergänzen sich auf wundersame und wundervolle Weise in Cagliari. Die Kunststadt lebt zwischen verschiedensten Epochen und findet einen faszinierenden Weg, diese in all ihrer Vielfalt zu präsentieren. Traumhafte Aussichtsplattformen, wundervolle Strände sowie zahlreiche sympathische Museen, Cafés und Restaurants sorgen für einen abwechslungsreichen wie genussvollen Städteurlaub, der auch in Herbst und Winter für Begeisterung sorgt. Hier entdeckst du Sardinien von seiner schönsten Seite.

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