Italienische Weihnachtsbräuche

Jedes Fest hat seine Bräuche und Traditionen. Das gilt auch – vielleicht sogar ganz besonders – für Weihnachten. Vor, an und nach den Feiertagen zelebrieren die Italiener gleich vierfach. Manche Bräuche existieren im ganzen Land, andere wiederum nur in einzelnen Regionen oder Städten. Vom 6. Dezember bis 6. Januar reihen sich unterschiedliche Feste aneinander. Hier erfährst du mehr über italienische Weihnachtsbräuche und die verschiedenen Feiertage.

San Nicola am 6. Dezember

Im Gegensatz zu anderen, vor allem deutschsprachigen Ländern hat der Nikolaustag in Italien weniger Bedeutung, auch wenn er oft den Auftakt zur Adventzeit markiert. San Nicola wird traditionell am 6. Dezember begangen. Kinder werden mit kleinen Geschenken und Süßigkeiten überrascht. Da allerdings nur eine Woche später das Fest der Santa Lucia stattfindet, fallen die Feierlichkeiten insgesamt etwas überschaubar aus.

Santa Lucia am 13. Dezember

Santa Lucia in Sizilien

©Bigstock.com/siculodoc

Um 300 nach Christus sollte eine blutjunge, in Syrakus auf Sizilien lebende Frau namens Lucia heiraten, zögerte die Hochzeit jedoch hinaus, weil sie ihr Leben Gott widmen wollte und richtete stattdessen eine Armen- und Krankenstation ein. Der Heiligen, die aufgrund ihrer Verweigerung hingerichtet wurde, wird heute am 13. Dezember gedacht. Auch hier, am Tag der Botin des Lichts, freuen sich Kinder über kleine Gaben, die auf Fensterbänken oder in Schuhen auf sie warten. In Sizilien erinnert die aus Zucker und Kichererbsen hergestellte Süßspeise Torrone dei poveri an Santa Lucia.

So wird Weihnachten in Italien gefeiert

Lange war die Bedeutung des 24. Dezembers in Italien gering. Erst in jüngerer Vergangenheit erfuhr dieser Tag deutliche Aufwertung. Aus religiösen Gründen wird kein Fleisch serviert, abends gibt es verschiedene Fischgerichte in Verbindung mit Nudeln und Gemüse. Danach spielen viele Italiener das Bingo-artige Tombola. Wann die Geschenke geöffnet werden, ist von Familie zu Familie verschieden. Der Tradition nach soll dies erst am Morgen des 25. Dezembers geschehen, mittlerweile findet das große Beschenken und Ausgeben immer häufiger nach dem abendlichen Festmahl am 24. statt. Krippe und/oder Baum stehen bereits seit dem 8. Dezember, der Immacolata Concezione. Am ersten Weihnachtstag, dem 25. Dezember, wird mit einem ausgiebigen Mittagsmahl gefeiert. Mehrere Gänge mit Suppen, Fleisch, Pasta, Süßspeisen und passenden Weinen versprechen stete Genüsse. Der 26. Dezember gilt zwar auch als Feiertag, dient aber vor allem Besuchen bei Familien und Freunden.

Typische Weihnachtsbräuche in Italien

Neben dieser generellen Unterteilung gibt es noch viele weitere Bräuche in einzelnen Städten und Regionen zu beobachten. Deine Italien-Experten von ZAINOO haben einige Besonderheiten und Traditionen für dich zusammengetragen.

Ceppo di Natale

Der Ceppo di Natale

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Ein in weiten Teilen Italiens verbreiteter Brauch kennt ein geweihtes Holzstück, das zu Weihnachten feierlich im Kamin verbrannt wird. Ceppo di Natale, der Christklotz oder Julblock, wird in der Lombardei beispielsweise vom Familienoberhaupt mit Wein beträufelt, während ein Gebet gesprochen wird. Oft wird in diesem Zusammenhang auch Panettone gegessen, wobei drei Stücke abgeschnitten und eines davon übriggelassen wird, um Glück und Gesundheit im kommenden Jahr zu sichern.

Cesenaticos Lichtermeer

Die Wurzeln der Weihnachtskrippe liegen in Italien. Entsprechend viele Variationen und Bräuche drehen sich um Holzfiguren und Darstellungen aller Art. Cesenatico an der Adriaküste der Emilia-Romagna schickt alte Fischerboote des örtlichen Museums ins Wasser. Wenn es an Weihnachten dunkel wird, strahlen helle Lichter die aus Holz geschnitzten Figuren der Heiligen Familie an.

Des Jesuskinds Begleiter

In Sizilien wird das Christuskind von ungewöhnlichen Figuren begleitet. Ein Pizzabäcker, der Pfarrer mit dem Weinglas und ein Wirt sowie Orangen- und Zitronenbäume scharen sich um Bambino Gesù und repräsentieren die heitere, bunte Lebensfreude der Insel.

Die lebende Krippe von Alberobello

Die lebende Krippe von Alberobello

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Italiens Krippen haben Tradition. In manchen Familien entwickelt sich die Frage, ob Weihnachtsbaum oder Krippe aufgestellt werden soll, sogar zum Streitthema. Natürlich finden sich, landauf landab, zahlreiche lebende Krippen. Die berühmteste ihrer Art ist in Alberobello in Apulien, Stadt der Trulli, zuhause. Die Heiligen Drei Könige, begleitet von Hirten, Musikkapellen und kostümierten Gruppen, ziehen in einer Prozession auf den Kirchplatz, wo die Heilige Familie in einer lebendigen Krippe wartet.

La Befana am 6. Januar

die Hexe La Befana

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Der vierte und abschließende Teil der italienischen Weihnachtsfeierlichkeiten findet am 6. Januar, dem Dreikönigstag, statt, wenn die Hexe La Befana auf einem Besen über die Dächer reitet. Brave Kinder bekommen Geschenke, unartige Kinder wachen neben kleine Kohlestücken auf. Der Überlieferung nach klopften die drei Könige an ihre Tür und baten Befana, sie nach Bethlehem zu begleiten. Die Hexe wollte jedoch erst fertigweben und reiste nach. Sie verpasste den Stern und irrt seither um die Welt auf der Suche nach dem Christuskind. Der 6. Januar wird von vielen kleinen Festen, Veranstaltungen und Attraktionen für Kinder begleitet und gilt als einer der wichtigsten, schönen Familientage des Jahres.

Zwischen Besinnlichkeit und ausgelassener Freude werden die ca. ein Monat andauernden weihnachtlichen Feierlichkeiten in Italien zum Erlebnis für Groß und Klein. Jeder Ort, jede Familie hat eigene Bräuche und Traditionen, besondere Geschenkideen und Speisepläne. Erlebe Weihnachten in Italien aus nächster Nähe mit den Reisevorschlägen von ZAINOO!

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