Castel del Monte

Castel del Monte

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Auf einem Hügel bei Andria im Südosten Italiens erhebt sich eine achteckige Festung, die bis heute so manches Rätsel aufgibt. Castel del Monte, das „Schloss des Berges“, überrascht mit seiner unorthodoxen achteckigen Form, der Vermischung verschiedener Baustile und der bestenfalls als karg zu bezeichnenden Innenausstattung. Unter dem Stauferkaiser Friedrich II. erbaut, nahm es unter seinen vielen Schlössern in der Region Apulien eine Sonderrolle ein und wurde 1996 schließlich zur UNESCO-Weltkulturerbestätte erklärt. Grund genug, einen Blick auf dieses faszinierende Bauwerk zu werfen.

Friedrich II. und Italien

König von Sizilien im Alter von drei Jahren, römisch-deutscher König mit 18, wenig später sogar Kaiser – der Staufer Friedrich II. wurde sehr früh in seinem Leben mit gewaltiger Macht bedacht. Als Kleinkind war er bereits Vollwaise und stand unter der Vormundschaft von Papst Innozenz III., überstand sämtliche Machtkämpfe unbeschadet, stabilisierte sein Reich und versuchte es zu neuem Glanz zu führen.

Friedrich hatte ein besonderes Faible für Italien, hier verbrachte er 28 seiner 39 Kaiserjahre, stabilisierte Sizilien, baute sein Reich aus und sicherte schließlich den nordalpinen Raum ab. Des Kaisers Fokus galt jedoch dem Süden des Landes, den er sukzessive ausbaute und befestigte. Gerade in Apulien entstand eine Reihe an Schlössern und Festungen, die natürlich auf zeitgenössischen Stil setzen, zugleich aber offenkundig von Friedrichs Reisen und seinem Kreuzzug beeinflusst waren. Selbst aus dieser architektonischen Pluralität ragt Castel del Monte heraus.

Was steckt hinter diesem Schloss?

Warum Castel del Monte diese besondere Form hat und welchen Nutzen es tatsächlich erfüllen sollte, liegt heute im Dunkeln. Im Herzen einer ehemals überaus fruchtbaren Region in unmittelbarer Nähe des Klosters Santa Maria del Monte gelegen, wurde es auf den komplett abgetragenen Resten einer anderen Festung errichtet, über die heute leider nichts mehr bekannt ist. Es gibt auch nur eine einzige Quelle aus dem Jahr 1240, die Anweisungen zur Fertigstellung der Burg enthält, und so lässt sich heute nicht mehr sagen, ob Castel del Monte, wie lange Zeit vermutet, als des Kaisers Jagdschloss diente.

Zwar befindet sich das Schloss in strategisch guter Lage zu Friedrichs Netz an Wehrbauten und ist ebenso nicht weit von seinen anderen Residenzen entfernt, allerdings fehlen sämtliche Verteidigungselemente, wie Keller, Graben und Hebebrücke. Castel del Monte ist vergleichsweise klein – daher auch die Theorie des Jagdschlosses – allerdings vermuten Experten mittlerweile, dass einige der Originalwände den Wirren der Zeit zum Opfer fielen und es sich tatsächlich um eine Zitadelle gehandelt haben könnte. Vermutlich werden wir den genauen Zweck von Castel del Monte nie erfahren, doch das macht deinen Besuch dieses eindrucksvollen Baus nur noch spannender.

Die Architektur

Castel del Monte, UNESCO

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Castel del Monte wirkt wie ein mathematisches Wunderwerk. Das nahezu perfekte Achteck mit einer Diagonale von 56 Metern scheint nach streng mathematischen und astrologischen Prinzipien – die oktogonale Form vermittelt zwischen Kreis (der unendliche Himmel) und Quadrat (die Erde) – konzipiert worden zu sein. Je nach Jahreszeit und Sonnenstand ergeben sich mannigfaltige Licht- und Schattenspiele, die nicht nur dich gewiss beeindrucken werden. Wissenschaftler arbeiten seit Jahrhunderten daran, das Rätsel dahinter zu knacken, sofern es denn eines gibt.

Passend zu den acht Ecken verfügt das Kastell über acht Türme – ebenfalls oktogonal – und acht Säle. Zudem vermutet man, dass sich im Innenhof einst ein achteckiges Becken befand. Vermutlich ließ sich Friedrich vom Felsendom in Jerusalem oder der achteckigen Pfalzkapelle im Aachener Dom inspirieren. So ließe sich immerhin die stilistische Pluralität dieses mächtigen Kalksteinbaus mit antiken, gotischen und islamischen Elementen erklären.

Ein Blick ins Innere

Bevor du Castel del Monte betrittst, solltest du dem Eingangsportal volle Aufmerksamkeit schenken. Aus dem Konglomeratgestein Breccia rossa („rote Brekzie“) hergestellt, treffen sämtliche Stilrichtungen aufeinander. Antike Pilaster-Rahmung, gotische Kapitelle, islamisch beeinflusste Rechteckumfassungen, orientalische Farbenspiele und Säulenfiguren aus der apulischen Romantik symbolisieren Friedrichs Drang, das gesamte Imperium vollends zu vereinen.

Das Innenleben der Burg gestaltet sich allerdings relativ übersichtlich. Einst mit kostbarem Marmor, Gemälden, Wandteppichen und Mosaiken ausgestattet, wurden die Zimmer und Säle im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte von ihrem prunkvollen Glanz befreit – einzig die bunten Marmorverzierungen an einem Großteil der Türen blieben zurück. Man vermutet, dass ein Teil der Materialien für den Bau anderer Anlagen herangezogen wurde, während sich Plünderer und Vandalen auf den Rest stürzten.

Was du sonst noch über Castel del Monte wissen solltest

Warum aber wurde ausgerechnet Castel del Monte – selbstverständlich absolut verdient, wie du uns gewiss beipflichten wirst – zur UNESCO-Weltkulturerbestätte erklärt? Und was hat das Schloss mit Weinbau zu tun? Wir haben sieben weitere Fakten für dich gesammelt:

  • Stattlich: Die Begründung der UNESCO für die Erhebung zur Weltkulturerbestätte hebt die perfekte Synthese von Wissenschaft, Kunst und Mathematik, die verschiedenen stilistischen Einflüsse und die Ausnahmestellung in der mittelalterlichen Architektur hervor.
  • Panta rhei: Castel del Monte verfügte über die wohl fortschrittlichste Wasseranlage seiner Zeit. Für die Toiletten und Bäder wurde Regenwasser verwendet.
  • X: Nicht nur der genaue Zweck der Zitadelle liegt heute im Verborgenen, auch der Architekt konnte trotz jahrhundertelanger Forschungsarbeit nicht ermittelt werden – eines von vielen Rätseln rund um diesen Bau.
  • Hohe Künste: Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“, ein auf der im 17. Jahrhundert erschienenen Märchensammlung „Pentameron“ des italienischen Schriftstellers Giambattista Basile basierender Film aus dem Jahr 2015, wurde hier gedreht. Das Aedificium aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“ wurde höchstwahrscheinlich von Castel del Monte inspiriert.
  • Edle Tropfen: Rund um das Schloss befindet sich ein großes Weinbaugebiet, das verschiedene Rotweine, Weißweine und Rosés abwirft. Hierbei handelt es sich vor allem um hochwertige Mischungen aus verschiedenen Trauben und Rebsorten.
  • Money, Money, Money: Hast du schon mal eine italienische 1-Cent-Münze in Händen gehalten? Auf der Rückseite ist Castel del Monte abgebildet.
  • Beliebtes Ziel: Nicht nur die Apulier lieben die Festung, sondern das ganze Land. Das Schloss hält sich seit Jahren unter den Top 15 der beliebtesten Touristenziele Italiens. Führungen finden das ganze Jahr hindurch statt und kosten im Schnitt € 10,-.

 

Bist du bereit für eine rätselhafte Reise in die Vergangenheit? Castel del Monte lädt zur Spurensuche ein und birgt so manches faszinierendes Geheimnis in sich. Lass dich in die Zeit der Staufer entführen und entdecke den besonderen Charme der sagenhaften Festung in Apulien!

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