Assisi, Basilika und Gedenkstätten des Hl. Franziskus

Die Basilika des Hl. Franziskus in Assisi

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Manche Weltkulturerbestätten widmen sich einem bestimmten Monument oder Landstrich. Andere befassen sich wiederum mit einer ganzen Epoche oder einem Herrschergeschlecht. Und dann gibt es jene, die eine einzige Person ins Rampenlicht rücken. Unter dem ominösen Banner „Assisi, Basilika und Gedenkstätten des Hl. Franziskus“ vereinte die UNESCO 2000 gleich mehrere Orte und Stationen aus dem Leben des Franz von Assisi. Kirchen und Kapellen, aber auch die mittelalterliche Stadt selbst laden dich zu einem Streifzug durch die Anfänge des Franziskanerordens ein – eine kleine Tour durch Umbrien im Herzen Italiens, die sich definitiv lohnt.

Das Leben des Heiligen Franziskus

Bestimmt ist dir der Name Franz von Assisi geläufig. Gerade im mittel- und südeuropäischen Raum gilt er als eine der wichtigsten Heiligenfiguren der römisch-katholischen Kirche und inspirierte 2013 Papst Franziskus zu seinem Namen. Franz oder Franziskus selbst wurde 1181 oder 1182 als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers in Assisi am Fuße des Monte Subasio geboren. Er genoss eine für seinen Stand hohe Bildung, feierte in seiner Jugend gerne und wollte ursprünglich Ritter werden.

Auf dem Weg zu einem Kriegszug nach Apulien erschien ihm Gott in einem Traum, ein kompletter Lebenswandel war die Folge. Nach einer erneuten Erscheinung bei einem Gebet am Kreuz der verfallenen Kirche San Damiano entschied sich Franz endgültig für ein Leben in vollkommener Armut und begann das Gotteshaus wiederaufzubauen. Später sollte er Gefährten um sich scharen, aus denen schließlich, nach anfänglichem Widerstand, ein eigener Orden entstand: die Franziskaner, um 1215 offiziell vom Papst als solcher anerkannt. Am 3. Oktober 1226 starb Franz von Assisi in der Portiuncula-Kirche, wo die Geschichte seines Ordens einst begann. Keine zwei Jahre später wurde er heiliggesprochen.

Assisi

Als Geburtsort und Lebensmittelpunkt des Heiligen ist Assisi natürlich die erste Station unserer kleinen Tour durch diese recht umfassende UNESCO-Weltkulturerbestätte. Konkret wurden das mittelalterliche Stadtbild mit Stadtmauer sowie die Festungsruine Rocca Maggiore als zentrale Ankerpunkte dieser Stätte benannt. Tatsächlich zieren gleich mehrere Mauerringe die heutige Altstadt. In ihrer Urform entstand die Stadtmauer wohl bereits um das zweite oder erste Jahrhundert v. Chr. unter römischer Ägide, zur Erweiterung kam es erst 1260. Sein heutiges Erscheinungsbild nahm der Hauptmauerring schließlich 1316 an, von gleich acht Stadttoren gesäumt. Experten vermuten, dass einzig die im Norden gelegene Porta San Giacomo in ihrer Urform dem römischen Mauerbau entstammt.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Stadtbild Assisis nach und nach verfeinert. Architekten, Steinmetze und Maurer veredelten das Antlitz schrittweise, ohne dabei die ursprüngliche Aura verlorengehen zu lassen. So triffst du bei deinem Spaziergang durch die Altstadt auf eine Reihe an Denkmälern und Prunkfassaden, aber auch auf zahlreiche, architektonisch komplexe Kirchengebäude. Nimm dir zumindest einen ganzen Tag Zeit, um sie alle zu besichtigen. Eine gewisse Basilika hat es uns – wie auch so ziemlich allen anderen Besuchern – aber besonders angetan.

Basilika San Francesco

Assisi und die Basilika des Hl. Franziskus

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Franz von Assisi mag in der kleinen Portiuncula-Kirche verstorben sein, nachdem er sich zwei Tage vor seinem Tod extra in diese tragen ließ, begraben liegt er jedoch auf eigenen Wunsch in der Basilika San Francesco, die eilig hochgezogen wurde. Bereits 1230 war die Unterkirche fertiggestellt, die Beisetzung fand jedoch aus Angst vor Grabschändung im Geheimen in einer unterirdischen Felsgruft statt – erst 1818 entdeckt und seither ein stark frequentierter Wallfahrtsort.

Die über einen gewaltigen Seiteneingang im gotischen Stil betretbare Unterkirche zeichnet sich durch eine Serie eindrucksvoller Fresken aus, welche das Leben des Heiligen beleuchten. Andere Bilder überlebten die Jahrhunderte jedoch kaum, von ihnen siehst du heute leider nur noch wenige Reste. Im Gegensatz dazu gilt die Oberkirche als echtes Prachtstück der italienischen Kunstgeschichte. Giottos Freskenzyklus, ab 1296 entstanden, gilt als eine der frühesten Darstellungen der Franziskuslegende. Ebenso finden sich Franziskus-Szenen von Bonaventura, diverse Heiligendarstellungen, kunstvolle Fenster und Böden in der Oberkirche – ein Raum, der ohne Frage zum Schwärmen einlädt.

Weitere Gedenkstätten

Die UNESCO-Weltkulturerbestätte zu Ehren des Heiligen Franziskus umfasst neben der Grablegungskirche und Assisi selbst noch sechs weitere Gedenkstätten in und rund um die Stadt. Sie alle beleuchten weitere Stationen aus dem Leben des Heiligen und erwarten dich im Rahmen einer kleinen Franziskustour, für die du gegebenenfalls noch einen zweiten Tag einplanen solltest. Dabei handelt es sich um:

  • Sacro Convento: Das Mutterkloster und geistliche Zentrum der Franziskaner-Minoriten liegt neben der Basilika und wurde am sogenannten Höllenhügel erbaut, wo einst Hinrichtungen stattfanden. Die einstige päpstliche Sommerresidenz beheimatet heute ein theologisches Institut, in welchem verschiedene Franziskanerorden – auch Schwesternorden – sowie Benediktinerorden ausgebildet werden.
  • San Damiano: Ein ca. zwanzigminütiger Spaziergang über Felder und durch Olivenhaine führt dich zur unterhalb der Stadt gelegenen Kirche San Damiano. Hier empfing Franz von Assisi einst den göttlichen Auftrag, eben jenes Gotteshaus wiederaufzubauen. San Damiano konnte sich den Charme seiner Entstehungszeit weitestgehend behalten, einige der Kunstwerke und Fresken verfielen jedoch komplett.
  • Portiuncula: Der volkstümliche Name dieser kleinen Kapelle in der Basilika Santa Maria degli Angeli bedeutet auf Latein so viel wie „kleiner Flecken Land“. Wohl bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. erbaut, wurde sie zum Glaubenszentrum der Franziskaner und schließlich auch zum Sterbeort des Heiligen Franz von Assisi. Besonders beeindruckend: Friedrich Overbecks gewaltiges Fresko mit einer Darstellung der göttlichen Vision des Heiligen.
  • Basilika Santa Maria degli Angeli: Rund um die Portiuncula-Kapelle wurde ab 1569 diese gewaltige Basilika erbaut. Ihre klaren, harmonischen Formen verleihen Santa Maria degli Angeli ein ruhiges Antlitz, welches in starkem Kontrast zu ihren ausladenden Dimensionen steht und zugleich die Sterbekapelle des Franziskus gebührend betont.
  • Santa Maria delle Carceri: Franz von Assisi zog sich vor allem während seiner Einsiedlerzeit gerne in eine steile Waldschlucht am Monte Subasio oberhalb der Stadt zurück, um zu beten. An dieser Stelle wurde um 1400 der Bau der kleinen Kirche Santa Maria delle Carceri in Auftrag gegeben. Hier zelebriert der im angebauten Kloster lebende Franziskanerorden die heilige Messe.
  • Eremo delle Carceri: Direkt neben der Kirche befindet sich der Klosterbau der Franziskaner. Enge Treppen und Bögen verlaufen über das Teufelsloch, eine Grotte mit schwindelerregendem Blick in die Tiefe. Hier soll Franziskus einst gepredigt haben.

 

In und rund um Assisi gibt es natürlich noch viele weitere Orte, die eng mit der Geschichte des Heiligen Franziskus verbunden sind. Wunderschöne Kirchen, prächtige Natur und ein originalgetreu erhaltenes mittelalterliches Stadtbild laden dich zu einer spirituellen Zeitreise der besonderen Art ein. Wir wünschen dir viel Spaß bei deinem Besuch dieser atemberaubenden UNESCO-Weltkulturerbestätte!

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