{"id":868,"date":"2020-11-26T14:15:18","date_gmt":"2020-11-26T14:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/?p=868"},"modified":"2020-11-26T14:15:18","modified_gmt":"2020-11-26T14:15:18","slug":"cremona-kunststadt-mit-geigenbautradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/de\/cremona-kunststadt-mit-geigenbautradition\/","title":{"rendered":"Cremona \u2013 Kunststadt mit Geigenbautradition"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_867\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-867\" class=\"size-medium wp-image-867\" src=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_176550346_lbryan-300x213.jpg\" alt=\"Kunststadt Cremona\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_176550346_lbryan-300x213.jpg 300w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_176550346_lbryan-768x546.jpg 768w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_176550346_lbryan-900x640.jpg 900w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_176550346_lbryan.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-867\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Bigstock.com\/Ibryan<\/p><\/div>\n<p>Am linken Po-Ufer, unweit der Grenze zur Emilia Romagna gelegen, befindet sich ein echter lombardischer Geheimtipp. Cremona ist vielleicht nicht gerade das, was du als erste Urlaubsadresse bezeichnen w\u00fcrdest. Die sympathische Stadt im S\u00fcden der Region mit gut 72.000 Einwohnern f\u00e4llt eher in den Bereich klein, aber oho. Wusstest du beispielsweise, dass Cremona eine reiche Geigenbautradition hat, die sogar zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe geh\u00f6rt? Oder dass sich hier einer der h\u00f6chsten Mauerwerk-Glockent\u00fcrme Europas befindet? Nun denn, lass uns einen Blick in diese liebenswerte Stadt werfen.<\/p>\n<p><strong>Ein historisches Wechselbad der Gef\u00fchle<\/strong><\/p>\n<p>Wie auch Piacenza, wurde Cremona im Jahr 218 v. Chr. als r\u00f6mischer Vorposten zum Schutz gegen gallische St\u00e4mme gegr\u00fcndet. Durch die Entsendung neuer Siedler bl\u00fchte die Kolonie schnell auf und erreichte sp\u00e4ter Municipium-Rechte. Truppen des zuk\u00fcnftigen Kaisers Vespasian zerst\u00f6rten Cremona nach der zweiten Schlacht von Bedriacum im Jahr 69 mit Ausnahme eines Tempels \u2013 mit ein Grund daf\u00fcr, weswegen du kaum antike Spuren entdecken wirst. Zwar ordnete Vespasian den sofortigen Wiederaufbau an, der fr\u00fchere Wohlstand konnte allerdings nicht mehr erreicht werden. Die Langobarden sollten Cremona einige Jahrhunderte sp\u00e4ter ebenfalls zerst\u00f6ren und erneut aufbauen.<\/p>\n<p>Danach wurde es lange Zeit recht still um die Stadt. Cremona wechselte im 11. und 12. Jahrhundert mehrmals die Seiten, unterst\u00fctzte Barbarossa und trat sp\u00e4ter dennoch dem Lombardenbund bei. Als kaisertreue Stadt half man sp\u00e4ter die Ghibellinen im Kampf gegen Parma \u2013 aus dieser Zeit stammen einige der sch\u00f6nsten Geb\u00e4ude Cremonas \u2013 bevor die einst verfeindeten Guelfen die Herrschaft \u00fcbernahmen. Rebellionen und Entz\u00fcge zahlreicher Rechte waren die kaum \u00fcberraschende Konsequenz. Nach mehreren Herrschaftswechseln ging Cremona 1535 an die Habsburger. 1702 wurde die Stadt zum wichtigen Spielball w\u00e4hrend des Spanischen Erbfolgekrieges, bevor es zur erneuten Bl\u00fcte unter den \u00f6sterreichischen Habsburgern kam. Dort blieb Cremona auch \u2013 mit einem napoleonischen Intermezzo \u2013 bis zur Niederlage im Sardinischen Krieg um 1860. Die Stadt wurde Teil des neuen K\u00f6nigreichs Italien.<\/p>\n<p><strong>Die Kathedrale von Cremona<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_866\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-866\" class=\"size-medium wp-image-866\" src=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_48791789_Bigstock-300x225.jpg\" alt=\"Kunststadt Cremona\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_48791789_Bigstock-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_48791789_Bigstock-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_48791789_Bigstock-900x675.jpg 900w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cremona_48791789_Bigstock.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-866\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Bigstock.com\/<\/p><\/div>\n<p>Viele der sch\u00f6nsten Geb\u00e4ude Cremonas stammen aus dem Mittelalter, und hier ist ein hervorragendes Beispiel daf\u00fcr. Die Kathedrale der Stadt, der Duomo di Cremona oder Cattedrale di Santa Maria Assunta, bildet gemeinsam mit dem Baptisterium und dem Glockenturm Torrazzo die zentrale architektonische Einheit Cremonas. Obwohl der Grundstein bereits 1107 gelegt war, konnte die Kathedrale nach einem verheerenden Erdbeben erst 1190 geweiht werden. Der Campanile, das Querschiff, die Fassade und der heute die Piazza dominierende Narthex kamen in sp\u00e4teren Zeiten hinzu. Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Kathedrale somit erst im 15. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Rund um das aufwendig gestaltete, romanische Portal erhebt sich eine imposante Marmorfassade mit reichhaltiger Dekoration. Eine gewaltige Fensterrose und vier romanische Arkaden lockern die Komposition auf. Der oberste Teil weist hingegen Merkmale der Fr\u00fchrenaissance auf. Im Gegensatz dazu wirken die Seitenfassaden beim Querhaus recht schlicht. Das kann man f\u00fcr den Innenraum jedoch nicht sagen, denn die zahlreichen Ausschm\u00fcckungen werden dich mit Sicherheit beeindrucken. Ein Blickfang ist gewiss das gewaltige Altarkreuz aus vergoldetem Silber. Es besteht aus \u00fcber 1.000 Teilen mit 160 Statuen. Gem\u00e4lde und Fresken von Il Pordenone, Boccaccino und Amadeo komplettieren den monumentalen Gesamteindruck.<\/p>\n<p>Zum architektonischen Ensemble der Kathedrale geh\u00f6ren zwei weitere, \u00e4hnlich eindrucksvolle Geb\u00e4ude:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Baptisterium:<\/strong> Linkerhand an die Kathedrale angeschlossen, erhebt sich das achteckige Battistero di Cremona. Hier treffen romanische und lombardisch-gotische Architektur \u2013 letztere schl\u00e4gt sich unter anderem im blo\u00dfen Mauerwerk nieder \u2013 aufeinander, wobei die Marmorelemente aus sp\u00e4teren Jahrhunderten stammen. Ein weiteres gro\u00dfes Altarkreuz sowie mehrere Statuen zieren den Innenraum.<\/li>\n<li><strong>Torrazzo:<\/strong> Hinter Landshut und Br\u00fcgge ist der 1309 vollendete Campanile von Cremona der dritth\u00f6chste Mauerwerk-Glockenturm Europas. Mit seinen 112, 7 m ist er zugleich das \u00e4lteste, noch stehende Geb\u00e4ude \u00fcber 100 m seiner Art. Der Torrazzo beheimatet zudem die gr\u00f6\u00dfte astronomische Uhr der Welt. Seine Tierkreis-Konstellationen wurden im Laufe der Zeit mehrmals \u00fcbermalt und nachbearbeitet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kultur- und Musikstadt Cremona<\/strong><\/p>\n<p>Architektonische Pause! Die Kunststadt Cremona ist untrennbar mit ihrem kulturellen und musikalischen Erbe verbunden. Geigenspieler schnalzen beim blo\u00dfen Erw\u00e4hnen des Stadtnamens anerkennend mit der Zunge. Bereits im Sp\u00e4tmittelalter war die Kathedrale ein wichtiges regionales musikalisches Zentrum, doch im 16. Jahrhundert sollte Cremona als Zentrum der Instrumentenbaukunst so richtig aufbl\u00fchen. Einige der ber\u00fchmtesten Geigenbaufamilien der Welt stammen aus bzw. wirkten in Cremona. Die Familien Amati und Rugeri waren Pioniere, sp\u00e4ter dominierten die Guarneri und Bergonzi. Und dann ist da nat\u00fcrlich noch Antonio Stradivari, der vielleicht ber\u00fchmteste Sohn der Stadt. Seine Instrumente werden heute f\u00fcr mehrere Millionen gehandelt und versteigert. Selbst heute gibt es noch mehr als 140 Geigenbauer in und rund um Cremona.<\/p>\n<p>Die traditionelle Geigenbaukunst in Cremona wurde 2012 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO erkl\u00e4rt. Im Folgejahr feierte des Museo del violino seine feierliche Er\u00f6ffnung. Das Violinen-Museum im Palazzo dell\u2019Arte widmet sich der vielf\u00e4ltigen Geschichte des Instruments von seinen Urspr\u00fcngen \u00fcber die Meister des Instrumentenbaus bis zum modernen Einsatz in zehn spannenden R\u00e4umen. Im Auditorium finden regelm\u00e4\u00dfig Auff\u00fchrungen mit alten und neuen Instrumenten aus Cremona statt.<\/p>\n<p><strong>Das solltest du auf keinen Fall verpassen!<\/strong><\/p>\n<p>Wir beenden unser h\u00f6chst faszinierendes musikalisches Intermezzo, denn Cremona hat neben der Geigenbaukunst und dem Ensemble der Kathedrale noch ein paar weitere Sch\u00e4tze zu bieten. Hier sind einige unserer Favoriten:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Museo Civico Ala Ponzone:<\/strong> Gro\u00dfe Kunst gibt es in einer Kunststadt nat\u00fcrlich auf vielerlei Arten. Einige der sch\u00f6nsten Werke Cremonas sind in diesem Museum ausgestellt. Der Gro\u00dfteil der urspr\u00fcnglichen Sammlung wurde 1842 von Giuseppe Sigismondo Ala Ponzone gespendet, darunter Werke von Arcimboldi und Caravaggio. Ein weiteres Highlight findest du im Sala del Platina. Der Renaissance-Holzschrank Armadio del Platina befand sich einst in der Kathedrale von Cremona.<\/li>\n<li><strong>San Sigismondo:<\/strong> Etwas au\u00dferhalb des Stadtzentrums liegt sich dieser Kirchenkomplex. Das urspr\u00fcngliche Kloster wurde um 1463 zu Ehren der neuen Verbindung der zuvor verfeindeten Familien Sforza und Visconti erbaut. Besonders Augenwerk gilt den meisterlichen Fresken Bernardino Gattis in der Kuppel.<\/li>\n<li><strong>San Marcellino e Pietro:<\/strong> Obwohl die architektonische Hochphase im (ausgehenden) Mittelalter liegt, findest du auch so manches Glanzlicht sp\u00e4terer Epochen in Cremona. Dazu z\u00e4hlt diese 1602 in Auftrag gegebene Barockkirche. Lass dich nicht von der unvollendeten Fassade t\u00e4uschen, denn die typisch opulente Barockausstattung im Inneren bringt beeindruckende Gem\u00e4lde, Altarbilder und Stuckverzierungen mit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Cremona ist wohl das, was sich \u2013 zumindest au\u00dferhalb der Musikwelt \u2013 prima als Geheimtipp bezeichnen l\u00e4sst. Das gewaltige Ensemble der Kathedrale mit dem Baptisterium und Torrazzo alleine rei\u00dft bereits zu Begeisterungsst\u00fcrmen hin, und der reichen Geigenbau-Geschichte der Stadt k\u00f6nnen sich selbst klassikferne Besucher nicht entziehen. Viel Spa\u00df in dieser etwas anderen lombardischen Kunststadt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am linken Po-Ufer, unweit der Grenze zur Emilia Romagna gelegen, befindet sich ein echter lombardischer Geheimtipp. Cremona ist vielleicht nicht gerade das, was du als erste Urlaubsadresse bezeichnen w\u00fcrdest. 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