{"id":816,"date":"2020-06-25T13:23:38","date_gmt":"2020-06-25T13:23:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/?p=816"},"modified":"2020-06-25T13:23:38","modified_gmt":"2020-06-25T13:23:38","slug":"ivrea-industriestadt-des-20-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/de\/ivrea-industriestadt-des-20-jahrhunderts\/","title":{"rendered":"Ivrea, Industriestadt des 20. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_814\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-814\" class=\"size-medium wp-image-814\" src=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Ivrea_340945015_Jorge-Anastacio-300x216.jpg\" alt=\"Ivrea, Industriestadt des 20. Jahrhunderts, UNESCO\" width=\"300\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Ivrea_340945015_Jorge-Anastacio-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Ivrea_340945015_Jorge-Anastacio-768x553.jpg 768w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Ivrea_340945015_Jorge-Anastacio-900x649.jpg 900w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Ivrea_340945015_Jorge-Anastacio.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-814\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Bigstock.com\/Jorge Anastacio<\/p><\/div>\n<p>W\u00fcrdest du die Stadt Ivrea im Piemont, am Nordrand der Po-Ebene zwischen Turin und dem Aostatal gelegen, von oben betrachten, fiele dir die Zweiteilung durch den Fluss Dora Baltea auf. Im Norden befindet sich die Altstadt mit den \u00dcberresten eines r\u00f6mischen Amphitheaters, dem imposanten Schloss des Savoyer-Grafen Amadeus VI. sowie der eindrucksvollen Kathedrale, die im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Umbauten erfuhr. Der S\u00fcden beherbergt hingegen eine Industriestadt, die mit Gr\u00fcndung der Firma Olivetti sukzessive aus dem Boden gestampft wurde und die Entwicklung Ivreas vorantrieb. Am 1. Juli 2018 erkl\u00e4rte die UNESCO die Industriestadt von Ivrea zum Weltkulturerbe. Mit seinen 27 Geb\u00e4uden gilt dieser Komplex als Vorreiter der Corporate Architecture und zeigt dir eine andere Seite des italienischen Nordens.<\/p>\n<p><strong>Schreibmaschinen, Taschenrechner, B\u00fcrocomputer<\/strong><\/p>\n<p>Ein Blick auf die Weltkulturerbest\u00e4tte Ivrea w\u00e4re ohne eine kurze Auseinandersetzung mit der Unternehmensgeschichte von Olivetti undenkbar. Die Firma wurde im Jahr 1908 von Camillo Olivetti gegr\u00fcndet. In einer kleinen Ziegelbau-Werkst\u00e4tte am Stadtrand entwickelte er mit einigen Technikern in dreij\u00e4hriger Arbeit die Schreibmaschine \u201eM1\u201c, 1911 auf der Turiner Industrie-Ausstellung vorgestellt. Olivettis Schreibmaschine wurde zum gefeierten Erfolg, die Expansion folgte. 1920 z\u00e4hlte man 200, 1933 rund 800 und im Kriegsjahr 1940 sogar 6000 Arbeiter. Das Unternehmen warb seine Arbeitnehmer gezielt aus der Region Ivrea an \u2013 sie machten einst 90 % der gesamten Belegschaft aus \u2013 und entwickelte bereits 1909 ein revolution\u00e4res Sozialsystem von der Betriebskrankenkasse \u00fcber Kindergarten und M\u00fctterf\u00fcrsorge bis zu Urlaubsheimen, kultureller Betreuung und Begabtenf\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Camillo Olivetti, Sohn einer j\u00fcdischen Familie, \u00fcberschrieb das Unternehmen seinem Sohn Adriano, um der faschistischen Enteignung zu entgehen. Dieser f\u00fchrte einen neuen Managementstil ein und erkl\u00e4rte die Gestaltung zum wesentlichen Olivetti-Merkmal. Zuvor eingef\u00fchrte B\u00fcrom\u00f6bel-Linien sowie die portable Schreibmaschine MP1 \u201eIco\u201c hatten sich bereits in diese Richtung bewegt, sp\u00e4ter wurde auf dunkelgrauen Strukturlack umgestellt. Olivetti stieg 1948 in den elektronischen Rechnermarkt ein, produzierte 1959 die ersten elektronischen Computer mit Transistoren. Adriano Olivetti verstarb 1960 an einem Gehirnschlag, ein Streit unter seinen sieben Erben entbrannte, durch den Tod des Unternehmenspr\u00e4sidenten Giuseppe Pero weiter angefacht. Die Firma geriet nicht zum letzten Mal in finanzielle Schr\u00e4glage, mehrere Neuausrichtungen \u2013 Elektronik, Computer, Telekommunikation \u2013 erreichten nur kurzfristige Erleichterungen. Durch die \u00dcbernahme der Telecom Italia im Jahr 2003, nunmehr der neue Dachkonzern, stabilisierte sich Olivetti und \u00fcberraschte vor zehn Jahren sogar mit dem Wiedereinstieg in den Computer-Markt.<\/p>\n<p><strong>Movimento Comunit\u00e0<\/strong><\/p>\n<p>Der soziale Aspekt war f\u00fcr Olivetti immer schon wichtig, ebenso eine klare Corporate Identity. Wichtigen Einfluss auf die Geb\u00e4ude der UNESCO-Weltkulturerbest\u00e4tte \u00fcbte die \u201eMovimento Comunit\u00e0\u201c (dt. \u201eGemeinschaftsbewegung\u201c) aus. Basierend auf dem Buch \u201eL\u2019Ordine Politico delle Comunit\u00e0\u201c (dt. \u201eDie politische Ordnung der Gemeinschaft\u201c) von Adriano Olivetti, wurde sie 1947 ins Leben gerufen. Sie verlangte die Neuordnung des Landes in autonome Gemeinden, vereint durch einen gemeinsamen kulturellen Hintergrund. Im Gegensatz zu anderen Industriellen erkannte Olivetti die Notwendigkeit der Angestelltenabsicherung und der Bereitstellung sozialer Leistungen. Mit der Verf\u00fcgbarmachung von Wohngeb\u00e4uden zu sozialen Zwecken trug er den rasanten industriellen \u2013 und somit auch sozialen \u2013 Ver\u00e4nderungen des 20. Jahrhunderts Rechnung. Daher ist dieses Welterbe f\u00fcr die UNESCO nicht nur architektonisch beeindruckend, sondern ebenso als Zeugnis der Ideengeschichte dahinter \u2013 obwohl die Funktionen der meisten gewerblichen Geb\u00e4ude in j\u00fcngerer Vergangenheit deutlich zur\u00fcckgegangen sind.<\/p>\n<p><strong>Au\u00dfergew\u00f6hnliche Architektur im industriellen Wandel<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_815\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-815\" class=\"size-medium wp-image-815\" src=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Ivrea_340944832_Jorge-Anastacio-300x200.jpg\" alt=\"Ivrea, Industriestadt des 20. 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In den 1930ern eingef\u00fchrt, erf\u00fcllten diese Geb\u00e4ude nicht nur soziale Funktionen, sie stifteten zudem Identit\u00e4t, sorgten f\u00fcr Markenbewusstsein und Wiedererkennungswert, und erh\u00f6hten dadurch die Arbeitsproduktivit\u00e4t. Das einzigartige Zusammenspiel des Olivetti-Komplexes \u2013 unter der Leitung Adriano Olivettis mit f\u00fchrenden italienischen Architekten vor dem Hintergrund seiner politischen und sozialen Ideen erarbeitet und errichtet \u2013 symbolisiert eine Industrie im Wandel. Mechanisches wurde digitalisiert, neue Produktionsmechanismen eingef\u00fcgt, soziale Ver\u00e4nderungen einbezogen. Jedes Geb\u00e4ude, jeder Teil dieses Komplexes ist komplett durchdacht, spiegelt die Firmenidentit\u00e4t wider und f\u00fcgt sich dennoch nahtlos in das Stadtbild ein. Nicht umsonst wurden Olivettis Bauten wichtige Ankerpunkte der Entwicklung der Theorien der Industrialisierung sowie der Urbanisierung im 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p><strong>27 Geb\u00e4ude, ein Weltwerbe<\/strong><\/p>\n<p>70.000 ha Grund, 145.000 m\u00b2 \u00fcberbaute Fl\u00e4che, von denen 17 % als Wohnungen dienen \u2013 der Olivetti-Komplex nimmt geradezu monumentale Dimensionen an. Die Weltkulturerbest\u00e4tte besteht aus 27 Geb\u00e4uden, heute vielfach anderweitig verwendet. Dazu z\u00e4hlen das Heizwerk und die Tischlerei, das ehemalige Sertec-Geb\u00e4ude sowie die Sozialwohnung Borgo Olivetti, das Geb\u00e4ude 18 alloggi und die Wohnanlage-West, die erst im Jahr 1968 geplant wurde. Sie alle tragen die Handschrift namhafter Architekten und sind zudem urtypisch f\u00fcr den Olivetti\u2019schen Stil, welcher die Welt der Corporate Architecture bis heute pr\u00e4gt. Dass Vater und Sohn ihrer Zeit voraus waren, zeigt der Firmenkindergarten. Die 1939 konzipierten R\u00e4ume werden auch heute noch zur st\u00e4dtischen Kinderbetreuung genutzt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es mittlerweile deutlich auff\u00e4lligere, schillerndere Firmengeb\u00e4ude, von wilden Designideen und ausladenden Dimensionen begleitet. Und doch hat Ivreas Industriekomplex auch heute noch etwas Besonderes, etwas Einzigartiges an sich. Erlebe Italiens Wandel im Zeichen der Industrialisierung hautnah bei einem kleinen Rundgang durch den S\u00fcden der Stadt und besuche bei der Gelegenheit auch gleich die Altstadt im Norden mit ihren nicht minder packenden Zeitzeugen. In Ivrea erlebst du mehr als zwei Jahrtausende wechselhafter Geschichte im Zeitraffer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00fcrdest du die Stadt Ivrea im Piemont, am Nordrand der Po-Ebene zwischen Turin und dem Aostatal gelegen, von oben betrachten, fiele dir die Zweiteilung durch den Fluss Dora Baltea auf. 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