{"id":785,"date":"2020-04-15T12:13:21","date_gmt":"2020-04-15T12:13:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/?p=785"},"modified":"2020-04-15T12:13:21","modified_gmt":"2020-04-15T12:13:21","slug":"das-historische-zentrum-von-pienza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/de\/das-historische-zentrum-von-pienza\/","title":{"rendered":"Das historische Zentrum von Pienza"},"content":{"rendered":"<p>Was macht eine Stadt zur Idealstadt? Die Meinungen gehen und gingen auseinander, und so \u00e4nderte sich die Sicht der Dinge selbstverst\u00e4ndlich mit der Zeit. Renaissance und Humanismus sollten entsprechende Herangehensweisen besonders stark beeinflussen. Das kannst du auch heute noch an Pienza sehen. Mit der Piazza Comunale als Dreh- und Angelpunkt des urbanen Lebens wurde ein architektonisches, rationales Wunderwerk geschaffen, das vor allem f\u00fcr eine Kleinstadt au\u00dferordentlich ist. Seit 1996 z\u00e4hlt das historische Zentrum von Pienza zum UNESCO-Weltkulturerbe und sollte ein absoluter Pflichtstopp auf deiner n\u00e4chsten Toskana-Reise sein.<\/p>\n<p><strong>Eine Idealstadt musste her<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_783\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-783\" class=\"size-medium wp-image-783\" src=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_193022917_monticello-300x200.jpg\" alt=\"Das historische Zentrum von Pienza, UNESCO\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_193022917_monticello-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_193022917_monticello-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_193022917_monticello-900x601.jpg 900w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_193022917_monticello.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-783\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Bigstock.com\/monticello<\/p><\/div>\n<p>Lange Zeit blieb Pienza im Val d\u2019Orcia, das \u00fcbrigens 2004 selbst zur Weltkulturerbest\u00e4tte erkl\u00e4rt wurde, eine Randnotiz. Das damalige Dorf, im 9. Jahrhundert erstmals urkundlich erw\u00e4hnt und ab 1300 teilweise in Besitz der Familie Piccolomini, hie\u00df eigentlich Corsignano. 1405 wurde Aeneas Silvius Piccolomini, der sp\u00e4tere Papst Pius II. in der Ortschaft geboren. In der Tradition antiker Stadtgr\u00fcnder lie\u00df er Corsignano ab 1459 zur Idealstadt ausbauen und nach sich selbst in Pienza umbenennen.<\/p>\n<p>Mit diesem Ausbau sollte Pius II. einen Trend ausl\u00f6sen, der sich \u00fcber ganz Italien und schlie\u00dflich weite Teile Europas ausdehnen sollte. Tats\u00e4chlich konnte die Gesamtplanung gerade im Fall von Pienza nicht vollst\u00e4ndig realisiert werden, was dem Unternehmen einen ironischen Beigeschmack verleiht. Zwar stellte der Florentiner Architekt Bernardo Rosselino, ein Sch\u00fcler Leon Battista Albertis, die Hauptbauten innerhalb von drei Jahren fertig, der Tod des Papstes 1464 verhinderte allerdings weitere Arbeiten. Aber auch ohne diesen m\u00f6glicherweise kr\u00f6nenden Abschluss ist das historische Zentrum von Pienza ein echtes Happening.<\/p>\n<p><strong>Alle Wege f\u00fchren zur Piazza<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_784\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-784\" class=\"size-medium wp-image-784\" src=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_128883515_firewings-300x200.jpg\" alt=\"Das historische Zentrum von Pienza\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_128883515_firewings-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_128883515_firewings-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_128883515_firewings-900x600.jpg 900w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Pienzas-historisches-Zentrum_128883515_firewings.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-784\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Bigstock.com\/firewings<\/p><\/div>\n<p>Die luftige, zentralisierte Bauweise der Altstadt Pienzas wurde zum Vorbild f\u00fcr zahlreiche italienische St\u00e4dte. Von allen Seiten f\u00fchren Stra\u00dfen auf den Hauptplatz der humanistischen Idealstadt, die Piazza Comunale. Jedes Fleckchen, jeder Standort auf der Piazza legt f\u00fcr sich reizvolle, komplett neue Perspektiven auf die vier flankierenden Geb\u00e4ude frei, von der magischen Landschaft des Val d\u2019Orcia geradezu perfekt in Szene gesetzt. Der mit dem Familienwappen der Piccolominis ausgestattete Travertin-Brunnen, sp\u00e4ter ein Vorbild zahlreicher toskanischer Brunnen, betont die beabsichtigte Asymmetrie des Platzes und verleiht dem eigent\u00fcmlichen Ambiente eine weitere, hochgradig spezielle Dimension.<\/p>\n<p><strong>Santa Maria Assunta<\/strong><\/p>\n<p>Vier Idealstadt-Geb\u00e4ude flankieren die Piazza Comunale, und der Dom von Pienza ist ohne Frage das wichtigste Exemplar der gro\u00dfen architektonischen K\u00fcnste. Santa Maria Assunta, so der Name der Konkathedrale, wurde von 1459 bis 1462 als dreischiffige Hallenkirche errichtet. Obwohl die Fassade deutlich von der Renaissance beeinflusst wurde, erinnert der Dom an sich stark an die nordalpine Gotik, wohl aufgrund p\u00e4pstlicher Reisen in deutsche L\u00e4nder. Weite Teile der Fassade orientieren sich an der toskanischen Ordnung sowie an l\u00e4ndlicher Architektur der Region, darunter die Eing\u00e4nge mit \u00fcberw\u00f6lbenden Seitenb\u00f6gen, die vier Kolossalpilaster sowie die \u00c4dikulanischen. Vergleiche mit Santa Maria Novella in Florenz und Tempio Malatestiano in Rimini von Leon Battista Alberti liegen auf der Hand, Rossellino bezog ordentlich Inspiration von seinem Lehrmeister.<\/p>\n<p>Im Dom erwarten dich ebenfalls Grundmanifeste aus der Renaissance, geschickt mit gotischen Bauelementen kollidierend. Rossellino wusste recht wenig \u00fcber die strengen Bauregeln der Gotik. Daf\u00fcr sprechen unter anderem die eigenartigen Kapitelle an den B\u00fcndelpfeilern, die K\u00e4mpfer unterhalb der Kreuzgratgew\u00f6lben sowie die versetzte Stellung der seitlichen Nebenchorkapellen. In Verbindung mit der modernen, elektrischen Orgel sowie typisch gotischen Gem\u00e4lden aus Siena erwartet dich somit ein gleicherma\u00dfen monumentales wie kurioses Gesamtbild eines imposanten Gotteshauses.<\/p>\n<p><strong>Weitere Weltkulturerbe-Highlights in Pienza<\/strong><\/p>\n<p>Der gewaltige, imposante Dom gilt nicht umsonst als der H\u00f6hepunkt deiner Tour durch Pienza, ist aber l\u00e4ngst nicht das einzige Glanzlicht auf der Piazza Comunale. Drei weitere Geb\u00e4ude flankieren das Zentrum des stadtplanerischen Ideals, und die solltest du dir selbstverst\u00e4ndlich nicht entgehen lassen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Palazzo Pubblico:<\/strong> Als Corsignano zur Stadt erhoben wurde, musste ein eigenes Rathaus mehr, um diesen Status zu halten. Tats\u00e4chlich diente der Palast gegen\u00fcber dem Dom aber vor allem Schauzwecken. Man geht davon aus, dass Rossellino eine Art freistehenden, architektonischen Vermittler zwischen dem religi\u00f6sen Dombereich und dem weltlichen Marktplatz schaffen wollte. Ebenso hielt er den Glockenturm des Rathauses bewusst k\u00fcrzer als jenen des Doms.<\/li>\n<li><strong>Palazzo Piccolomini:<\/strong> Rossellino lie\u00df sich nicht nur beim Dombau vom Werk seines Lehrers Leon Battista Alberti inspirieren. So ist der Palazzo Piccolomini stark an Albertis Palazzo Rucellai in Florenz angelehnt. Vom viereckigen Grundriss \u00fcber die geschickt platzierten Familienwappen und apostolischen Schriften rund um die Fenster bis zur Steinfassade siehst du wom\u00f6glich viel Vertrautes. Der kleine, rechteckige Innenhof mit Garten und Bogengang wurde hingegen nach den Idealen der Renaissance errichtet. Von der Loggia an der gen S\u00fcden ausgerichteten Palastr\u00fcckseite genie\u00dft du einen traumhaften Ausblick auf das Val d\u2019Orcia und den von Papst Pius II. hei\u00dfgeliebten Monte Amiata.<\/li>\n<li><strong>Palazzo Vescovile:<\/strong> Die erweiterten p\u00e4pstlichen Pl\u00e4ne sahen weitere, durch verschiedene Kardin\u00e4le erbaute Pal\u00e4ste vor. Wie du bereits wei\u00dft, konnten diese k\u00fchnen Vorhaben nach Pius\u2018 Tod nicht abgeschlossen werden, und so bleibt einzig der Palazzo Vescovile als Memento \u00fcbrig. Von Kardinal Rodrigo Borgia, der sp\u00e4tere Papst Alexander VI., finanziert, sollte er jene Bisch\u00f6fe, die Pius II. in Pienza besuchten, beherbergen. Mittlerweile sind das Di\u00f6zesanmuseum und das Museo della Cattedrale im Palast untergebracht. Religi\u00f6se Artefakte, Gem\u00e4lde aus dem 12. bis 15. Jahrhundert sowie Textilarbeiten aus der Region begleiten deinen Besuch.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kaum vorstellbar, wie Pienzas historisches Zentrum h\u00e4tte aussehen k\u00f6nnen, denn die Piazza Comunale mit ihren vier eindrucksvollen Geb\u00e4uden ist bereits f\u00fcr sich ein atemberaubendes Must-See. Der pr\u00e4chtige Dom mit seiner stilistischen Pluralit\u00e4t und den monumentale Dimensionen sowie die drei \u00fcberaus unterschiedlichen und doch so harmonisch eingebetteten Pal\u00e4ste betonen das humanistische Ideal der Renaissance-St\u00e4dteplanung auf hochgradig vielschichtige Weise. Lass dir Pienza mit dem angrenzenden Val d\u2019Orcia nicht entgegen und freue dich auf gleich zwei UNESCO-Weltkulturerbest\u00e4tten auf einmal!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht eine Stadt zur Idealstadt? Die Meinungen gehen und gingen auseinander, und so \u00e4nderte sich die Sicht der Dinge selbstverst\u00e4ndlich mit der Zeit. 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