{"id":743,"date":"2019-12-05T14:10:59","date_gmt":"2019-12-05T14:10:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/?p=743"},"modified":"2019-12-05T14:10:59","modified_gmt":"2019-12-05T14:10:59","slug":"die-etruskischen-nekropolen-von-cerveteri-tarquinia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/de\/die-etruskischen-nekropolen-von-cerveteri-tarquinia\/","title":{"rendered":"Die etruskischen Nekropolen von Cerveteri &#038; Tarquinia"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_741\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-741\" class=\"size-medium wp-image-741\" src=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-cerveteri-300x225.jpg\" alt=\"Etruskische Nekropolen von Cerveteri und Tarquinia, UNESCO\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-cerveteri-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-cerveteri-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-cerveteri-900x675.jpg 900w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-cerveteri.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-741\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Bigstock.com\/silviacrisman<\/p><\/div>\n<p>Wenn du an Italiens antike Geschichte denkst, f\u00e4llt nat\u00fcrlich zun\u00e4chst der Name Rom. Die einstige Weltmacht, das gewaltige Imperium, das einzigartige architektonische und kulturelle Erbe \u2013 aber was war eigentlich vor den R\u00f6mern? Die Etrusker besiedelten das n\u00f6rdliche Mittelitalien von ca. 800 v. Chr. bis in die zweite H\u00e4lfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. und hinterlie\u00dfen faszinierende kulturelle Zeugnisse, die auch heute noch mit gro\u00dfem Interesse erforscht werden, nicht zuletzt aufgrund der vielen damit verbundenen R\u00e4tsel. Die alten Friedh\u00f6fe und die Bestattungspraktiken der Etrusker gelten als besonders faszinierend, und so d\u00fcrfte es dich kaum \u00fcberraschen, dass die etruskischen Nekropolen von Cerveteri und Tarquinia, zwei \u00fcberaus pr\u00e4chtige Beispiele dieser St\u00e4tten, seit 2004 als UNESCO-Weltkulturerbest\u00e4tte gelten.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die etruskische Kultur<\/strong><\/p>\n<p>Wie die etruskische Kultur tats\u00e4chlich nach Etrurien, so der Name ihres Kernlands, das sich \u00fcber weite Teile der heutigen Toskana sowie das n\u00f6rdliche Latium und ein St\u00fcck von Umbrien erstreckte, gelangte, ist unklar. Allerdings d\u00fcrften Einwanderung der Bev\u00f6lkerung und Entstehung der Kultur in kurzer Abfolge passiert sein. Bis heute ranken sich mehrere Theorien um die Geburt der Etrusker \u2013 von der Einwanderung aus Lydien (heutige T\u00fcrkei) bis zum Hervorgehen aus der eisenzeitlichen Villanova-Kultur Bolognas. Erste Belege in Form von Grabfunden stammen aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Anhand verschiedener Nekropolen zeigten sich mitunter starke Einschnitte im Bestattungsritus. Verschiedene Praktiken wurden teils parallel, teils nacheinander durchgef\u00fchrt und dienen der historischen Einordnung der diversen St\u00e4tten.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wei\u00df man heute viel zu wenig \u00fcber die Etrusker. Bauliche Hinterlassenschaften sind leider Mangelware \u2013 einzelne Fundamente hier und da, vor allem von Tempeln \u2013 dazu kommen so manche Kunstgegenst\u00e4nde, welchen den \u00dcbergang von der orientalischen zur griechischen Pr\u00e4gung der Kultur zeigen. Ebenso gilt die Sprache mangels ausf\u00fchrlicher \u00dcberlieferungen bestenfalls als rudiment\u00e4r erforscht. Nicht zuletzt deswegen \u00fcbt die etruskische Kultur bis heute eine ungebrochene Faszination auf die Forschung aus. Sie mag durch die Assimilation ins R\u00f6mische Reich nach B\u00fcndnisvertr\u00e4gen in vorchristlicher Zeit weitestgehend verschwunden sein \u2013 die Gew\u00e4hrung uneingeschr\u00e4nkter B\u00fcrgerrechte um 90 v. Chr. schloss das etruskische Kapitel formal ab \u2013 und doch gestaltet sich die Suche nach Spuren nach wie vor als packende Herausforderung.<\/p>\n<p><strong>Die Grabanlagen von Cerveteri<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_742\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-742\" class=\"size-medium wp-image-742\" src=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-of-cerveteri-300x225.jpg\" alt=\"Etruskische Nekropolen von Cerveteri und Tarquinia\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-of-cerveteri-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-of-cerveteri-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-of-cerveteri-900x675.jpg 900w, https:\/\/www.zainoo.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/etruscan-necropolises-of-cerveteri.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-742\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Bigstock.com\/silviacrisman<\/p><\/div>\n<p>Unser erster Stopp f\u00fchrt uns in die N\u00e4he Roms, ca. 42 km westlich der Hauptstadt. Zwischen den Sabatiner Bergen und dem Tyrrhenischen Meer erhebt sich die sympathische Stadt Cerveteri. Von den Etruskern gegr\u00fcndet, hie\u00df der Ort einst Caere oder, um im Etruskischen zu bleiben, Kaisrie. Durch den Export von Eisenerz wurde Cerveteri zu einer der gr\u00f6\u00dften und bev\u00f6lkerungsreichsten St\u00e4dte S\u00fcd-Etruriens, mehr als 15 mal so gro\u00df wie der heutige Ort.<\/p>\n<p>Wo gelebt wurde, wurde nat\u00fcrlich auch gestorben. Das klingt fatalistisch, er\u00f6ffnet dir heute allerdings packende Einblicke in die weiterhin mystische Kultur der Etrusker. Die beiden Nekropolen von Cerveteri mit ihren tausenden Gr\u00e4bern wurden nach einer Art Stadtplan angelegt. Es gibt verschiedene Pl\u00e4tze und Viertel, Gr\u00f6\u00dfe und Ausstattung h\u00e4ngen unter anderem von der Epoche sowie der Bedeutung der Familie ab. Zu den wichtigsten Grabst\u00e4tten z\u00e4hlen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Tomba dei Capitelli:<\/strong> Das Grab der Kapitelle erinnert an die traditionellen Wohnbauten der Etrusker. Seine Flachd\u00e4cher mit Holzdielen und Stroh vermitteln ein klassisches, durchaus famili\u00e4res Bild.<\/li>\n<li><strong>Tomba dei Vasi Greci:<\/strong> Ein langer Gang, der stark an einen etruskischen Tempel erinnert, f\u00fchrt in diese Grabst\u00e4tte aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Warum man diesen Bereich \u201eGrab der griechischen Vasen\u201c nennt, siehst du schnell selbst.<\/li>\n<li><strong>Tomba dei Rilievi:<\/strong> Wohl erst um 300 v. Chr. erschaffen und somit eines der j\u00fcngsten Gr\u00e4ber, f\u00fchrt dich ein langer Treppengang zu einem prunkvollen Saal, der von m\u00e4chtigen S\u00e4ulen gest\u00fctzt wird. Rund um die 13 Totennischen s\u00e4umen aufw\u00e4ndig dekorierte Reliefs diese St\u00e4tte und vermitteln spannende Einblicke in das Leben (und den Tod) einer wohlhabenden etruskischen Familie.<\/li>\n<li><strong>Tomba della Cornice:<\/strong> \u00dcber den aufsteigenden Eingang f\u00fchrt ein weiterer langer Gang zur letzten Ruhest\u00e4tte. Neben den zwei kleineren Seitenzimmern mit je zwei Totenbetten beeindruckt die schlichte und doch m\u00e4chtige Konstruktion der drei Haupttotenzimmer im zentralen Raum.<\/li>\n<li><strong>Tomba Regolini-Galassi:<\/strong> Die zuvor erw\u00e4hnte orientalische Pr\u00e4gung der etruskischen Anf\u00e4nge macht dieses Grab aus dem 7. Jahrhundert greifbar. Der wohl \u00e4lteste zug\u00e4ngliche Friedhof der Stadt war einst reich mit Gold verziert. Viele der aufw\u00e4ndigen Grabbeigaben sind heute in regionalen und sogar internationalen Museen ausgestellt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Problem Cerveteris ist die Grabr\u00e4uberei. Nach wie vor sind nicht einmal ann\u00e4hernd alle Grabst\u00e4tten der Stadt vollkommen erforscht, noch weniger sind f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. Aufgrund der schieren Masse k\u00f6nnen nicht alle Eing\u00e4nge \u2013 egal wie erschlossen \u2013 kontrolliert werden, und so treiben immer wieder mit hochwertigem technischen Ger\u00e4t ausgestattete Grabr\u00e4uber ihr Unwesen. Internationale Auktionsh\u00e4user, beispielsweise in London und Los Angeles, verkaufen ab und an solche Gegenst\u00e4nde, was auf verst\u00e4ndlichen Unmut st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Tarquinias Nekropolen<\/strong><\/p>\n<p>Auch Tarquinia, zu etruskischer Zeit Tarchuna genannt, nahm eine wichtige Rolle f\u00fcr die antike Kultur ein. Eine acht Kilometer lange Mauer umgab die zu Zeiten der Villanova-Kultur gegr\u00fcndete Stadt, die nicht zuletzt taktisch von Bedeutung war. Heute kennt man die Stadt im \u00e4u\u00dfersten Nordwesten Latiums aufgrund ihrer Ausgrabungsst\u00e4tten. Dein Hauptaugenmerk gilt der Monterozzi-Nekropole am s\u00fcd\u00f6stlichen Stadtrand. Rund 6.100 in Fels geschlagene, mit Tumuli abgedeckte Grabkammern entstanden hier zwischen dem 6. und 2. Jahrhundert v. Chr. An die 150 Kammern sind mit Fresken ausgestattet, welche eine zentrale Rolle in der etruskischen Kunst einnehmen und unbedingt besichtigt werden m\u00fcssen. Folgende Grabst\u00e4tten sind ein absolutes Muss:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Tomba del Cacciatore:<\/strong> Du wolltest immer schon wissen, wie es im Inneren eines etruskischen J\u00e4gerpavillons aussah? Dieses Grab aus dem 4. Jahrhundert samt Holzstruktur verleiht packende Einblicke.<\/li>\n<li><strong>Tomba della Caccia e della Pesca:<\/strong> Das Grab der Jagd und der Fischerei zeigt Szenen aus eben jenen Bereichen wie auch einen dionysischen Tanz. Zudem sind Portraits der Grabinhaber zu sehen, was diese St\u00e4tte zu einer der meisterforschten in Tarquinia macht.<\/li>\n<li><strong>Tomba delle Leonesse:<\/strong> Hier erwarten dich tiefe Einblicke in das Leben der etruskischen Aristokratie, von aufsteigenden V\u00f6geln und springenden Delfinen umgeben. Hier sollte eine Brandbestattung aufgenommen werden, zumindest l\u00e4sst dies der Aschebeh\u00e4lter vermuten.<\/li>\n<li><strong>Tomba degli Auguri:<\/strong> Leider wurde diese Grabkammer, wie so viele etruskische Ruhest\u00e4tten, ausgeraubt. Die Abdr\u00fccke der beiden entwendeten Totenbetten sind noch in der Kammer zu sehen. An den W\u00e4nden siehst du Szenen eines Ringkampfs, wohl der Vorl\u00e4ufer der r\u00f6mischen Gladiatorenspiele.<\/li>\n<li><strong>Tomba dei Tori:<\/strong> Als einziges Grab in Tarquinia befasst sich diese St\u00e4tte mit griechischen Themen. Eine Darstellung aus dem Leben des Helden Achilleus \u2013 typisch f\u00fcr griechische Vasen \u2013 ziert diese mythologisch orientierte Ruhest\u00e4tte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn du immer schon mal tiefe Einblicke in die einzigartige Kultur der Etrusker genie\u00dfen wolltest, ist dieser Ausflug in den Nordwesten des Latium ein absolutes Muss. Die Nekropolen vermitteln vielf\u00e4ltige Einblicke ins Leben (und Sterben) \u00fcber ein halbes Jahrtausend mit vielen weiteren Ausgrabungsst\u00e4tten und Museen in unmittelbarer N\u00e4he. Mehr geballte etruskische Kultur geht nicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn du an Italiens antike Geschichte denkst, f\u00e4llt nat\u00fcrlich zun\u00e4chst der Name Rom. 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